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Konzert-Bericht
 
Kirchgang

Tindersticks
Adam Green

Köln, Gloria
27.09.2003

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Tindersticks
Die Tindersticks sind ja dafür bekannt, ungewöhnliche (weil zunächst mal unpassend erscheinde) Support-Acts mit auf Tour zu nehmen. Dieses Mal war das der Moldy Peaches-Mann Adam Green, der interessanterweise mit Band angereist war. Dessen simple, akustische Folk-Pop-Songs haben nicht viel zu tun mit der scharlachroten, bedeutungsschwangeren Schwere, die die Tindersticks auszustrahlen pflegen. Dennoch wurde der schmächtige Maestro interessiert begutachtet und abschließend gar gefeiert. Green richtete kein Wort an das Publikum, sondern stürzte sich gleich in die Vollen. Ohne eine Miene zu verziehen und mit einem treusorgenden Dackelblick, der angesichts der kontroversen Texte seiner Songs nur als pure Provokation gedacht gewesen sein konnte, spielte er hierbei ausschließlich die Songs seines aktuellen Albums "Friends Of Mine" (sowie einige Non-CD Tracks). Die Idee, mit einer bloßen akustischen Gitarre (Chris Isom) aufzutreten, führte dann dazu, dass der Sound eher von Nate Browns E-Piano dominiert wurde. Das, und natürlich die Tatsache, dass es keine Strings gab, war dann aber auch schon alles, was den Live-Vortrag von der Konserve unterschied.
Aber wie gesagt: Die Sache kam gut an - vielleicht deswegen, weil Greens Stücke nicht mehr sind und sein wollen als simple Popsongs (meist deutlich unterhalb von drei Minuten) und deswegen bestens für eine kurzweilige Einführung in die seltsame Welt des Adam Green geeignet erscheinen. Und diese Welt hat es in sich. Wenn er da mit o.a. Unschuldsmiene Schmählieder auf Jessica Simpson oder seine mit durchaus perversem Humor durchsetzten Folk-Balladen vorträgt - die vom rein musikalischen Anspruch her z.T. eher mit naiven Kinderliedern gleichzusetzen sind - dann hat das schon etwas. Und zum Schluss ging der Gute gar noch aus sich heraus und lieferte zum abschließenden "Bungee-Song" einen mit unglaublich ungelenken Verrenkungen versehenen, aber wahrlich einzigartigen Anti-Tanz. Mit dieser Show empfahl sich Adam Green als gewitzter Songschmied und charismatischer Typ, der es - etwa im Oasis'schen Sinne - gar nicht notwendig hat, auch noch etwa eine Show abzuliefern, um zu reüssieren.
Showmanship ist nun auch nicht unbedingt die Stärke der Tindersticks. Die Herren leben schlicht und ergreifend für ihr musikalisches Gesamtkunstwerk und sind durchaus Willens und in der Lage, stets hinter ihre Songs zurückzutreten. Bei den Tindersticks herrscht immer mehr der Eindruck vor, dass die Musik das Geschehen bestimmt und nicht etwa die Musikanten die Musik. Das kann man fälschlich auch als Arroganz interpretieren, aber wer die Herren mal über ihre Musik hat sprechen hören, der wird durchaus eines besseren belehrt. Stuart Staples, der elegante Frontmann der Truppe, hat das mal treffend auf den Punkt gebracht: "Wenn wir ein Stück im Studio fertiggestellt haben, sind wir immer ganz überwältigt - bis dann irgendjemand einen Witz macht und sich die Spannung löst." Dieses Gefühl der Demut den Songs gegenüber und dieses "sich Treiben lassen" ist das, was eine Tindersticks Show heutzutage transportiert. Musikalisch variiert wird dabei wenig. Nur selten einmal brechen die Tindersticks aus dem allgemeinen Flow aus - etwa dann, wenn Pianist David Boulter an's Vibraphon wechselt, das Tempo angezogen wird (oder sagen wir: Die Dynamik, denn richtig schnelle Stücke spielen die Jungs heutzutage gar nicht mehr) oder wenn Geiger Dickon Hinchliffe zum Mikro greift. Das tat er dieses Mal gleich mehrmals: "Until The Morning Comes" und "El Diablo" sang er alleine und dazu einige Harmonien zu Stuarts Lead-Vocals, was für einen interessanten Kontrast sorgte. Die früher üblichen chaotischen Elemente, die die Band aus balancetechnischen Gründen in ihr Programm einbauten, fehlen heutzutage ganz. Sie sind auch nicht mehr notwendig. Das alles bedeutet: So richtig abwechslungsreich ist ein Tindersticks-Konzert nicht gerade. Man muss schon bereit sein, sich auf die allgemeine Gemengelage einzustellen und sich mit treiben zu lassen. Darauf allerdings ließ sich das Publikum nur zu gerne ein. (Darunter waren übrigens auch wieder erfreulich viele Mädels - was für den universellen Appeal der Tindersticks spricht.) Das führte dann dazu, dass sich eine andächtige Aufmerksamkeit breit machte, die schon etwas von einem Kirchenbesuch hatte. Austoben kann man sich schließlich auch woanders!

Neben der Tracks der aktuellen CD "Waiting For The Moon" spielten die Tindersticks seltsamerweise hauptsächlich jene des Albums "Curtains". Der ganze Zugaben-Block ("Let's Pretend", "Desperate Man" und "Buried Bones") bestand z.B. aus Material von diesem Tonträger. Vermutlich deshalb, weil diese hervorragend zu den neueren Stücken (auch jenen des letzten Albums "Can Our Love") passen und weil sie vorher selten live gespielt wurden. Das ging dann natürlich auf Kosten der Favorites vom Schlage "Tiny Tears" aus den frühen Jahren. Aber letztlich hat man diese Stücke ja auch schon zur Genüge gehört. Immerhin gab's noch den "Sleepy Song" vom zweiten Album. Alles in allem präsentierte sich hier eine Kapelle, die zweifelsohne ihr inneres Gleichgewicht gefunden hat. Die Tindersticks sind jetzt auch schon über 10 Jahre in der gleichen Besetzung zusammen. Das ist etwas, was nicht vielen Bands (und schon gar nicht 6-köpfigen) gelingt und was die Jungs auch nur mit der gemeinsamen Liebe zur Musik erklären können. Eine kleine Bemerkung sei noch erlaubt: Stuart erzählte einmal, dass, als er und Gitarrist Neil Fraser sich zum ersten Mal trafen, sie die gleichen Second-Hand Anzüge getragen haben, die sie heute immer noch trügen. Das sieht man ihnen aber langsam auch an!

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Surfempfehlung:
www.tindersticks.co.uk
www.adamgreen.net
www.tigerrabbit.de
www.tinder.org
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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