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Purple & Green

Steve Wynn

Tübingen, Sudhaus
06.10.2003

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Steve Wynn
"Wenn wir in Tübingen ankommen, werden wir 'unterübt' und übermüdet sein", schrieb Steve Wynn als Ankündigung zum ersten Konzert der aktuell laufenden Europa-Tour, "das sind aber meistens die Zutaten für eine ganz spezielle Show. Wir sind nämlich gut im Angesicht von Hindernissen!" Und so war es denn auch. Als Steve und seine Band - darunter der "Ersatz-Bassist" John Munson (Semisonic) - gleich als sie aus Amsterdam anreist waren damit begannen, ihr Equipment aufzubauen, sahen sie zunächst mal alles andere als frisch aus. Zu deutlich stand ihnen der Jet-Lag noch ins Gesicht geschrieben. Und was das Üben anbetraf: Da wurde gleich beim Soundcheck noch dran gearbeitet - kein Problem. In der Sekunde aber, als es auf die Bühne gehen sollte, waren alle hellwach. Was wieder einmal beweist, dass Rock'n'Roll immer noch das gesündeste Amphetamin ist.
A propos "Amphetamin": Die Setlist sah erst mal vergleichsweise merkwürdig aus. Außer den üblichen Dream-Syndicate Klassikern bestand diese nämlich ausschließlich aus Stücken der letzten beiden CDs. Im Kontext gesehen machte dies aber durchaus Sinn. Denn Steve möchte momentan lieber ein wenig abseits seines mit "Sweetness & Light" und "My Midnight" eingerichteten Rock-Soul-Pop Ghettos agieren und dafür lieber wieder psychedelisch angehauchten Rock'n'Roll spielen. Als dann die ersten Akkorde von "Candy Machine" durch das nicht eben überfüllte Sudhaus hallten, war klar, dass Steve diese Show ganz eindeutig auch zum Aufwachen konzipiert hatte. Und so gab es denn von "Sustain" über "Southern California Line" bis zu "Amphetamine" vor allen Dingen die volle Dröhnung. Relativiert wurde dieser Ansatz lediglich dadurch, dass der alte Kumpel Chris Cacavas (der ja in der Gegend wohnt) kurz entschlossen mit seinem E-Piano aufgetaucht war und die Show damit punktuell bereicherte. Dank des ausgezeichneten Sounds machte dies auch Sinn - denn wo manchmal solche Aktionen eher wirkungslos verpuffen, war hier der charakteristische Sound des Instruments im Mix durchaus zu orten. Und so gab es denn bei dieser Show einige Tracks - wie z.B. "Drought" - die aufgrund dessen, dass das Piano für gewöhnlich eher nicht dabei ist, relativ selten gegeben werden. John Munson erwies sich mit seinen wieselflinken, aber dennoch kraftvollem Bassläufen durchaus als interessante Alternative zu Dave DeCastros eher empathischem Spiel. (Dave musste aus familiären Gründen bei dieser Tour aussetzen). Jedenfalls klang die Sache so, als habe die Band schon immer in dieser Besetzung zusammengespielt. Gitarrist Jason Victor hatte sich ein beeindruckendes, Heavy-Metal-würdiges Pedal-Board zusammengebastelt, schaffte es jedoch, dies kaum ins Gewicht fallen zu lassen. Und das ist ausdrücklich als Kompliment gedacht, da die Effekte eben nicht der Effekte wegen verwendet wurden, sondern statt dessen die Details der Songs entsprechend betonten. So sollte das auch sein! Als Poser hat Jason auch hinzugelernt: Bei einigen seiner Aktionen schauten selbst die Bandkollegen verwundert und anerkennend in seine Richtung. Über Linda Pitmons unerbittliches und dennoch variantenreiches Drumming noch großartig Worte zu verlieren, ist ja nahezu müßig. Immerhin trug sie ein kontrastreiches Hemd, sodass es dieses Mal auch ein paar scharfe Fotos von ihr gibt...
So etwa zur Hälfte des Konzertes war die Band dann richtig in Fahrt geraten und von da ab gab es kein Halten mehr. Ursprünglich hatte Steve vorgehabt, zwei Sets zu spielen. Da jedoch dabei manchmal der Drive verlorengeht, war die Entscheidung, statt dessen "durchzuspielen" und dafür ein paar Zugaben mehr zu geben, sicherlich richtig. Als besondere Überraschung hatte er sich hierfür die Cover-Version des Warren Zevon Songs "Play It All Night Long" von dessen '96er Album "Bad Luck Streak In Dancing School" ausgesucht - und erwies dem kürzlich verstorbenen Songwriter damit seine Referenz. Des weiteren gab es einen Track namens "Until Lately" - ein alter Dream Syndicate Track von "Days Of Wine And Roses", den Steve seit '96 zum ersten Mal live spielte und der mit seinem jazzigen Groove ein wenig aus dem Rahmen fiel. Und nun zum merkwürdigen Titel dieser Story: Linda Pitmon hat ihr Zimmer in purpur und grün gestrichen, weil dies so beruhigend sei. Und sollte man diese Show etwa in Farbwerte übersetzen, dann wären purpur und grün keine schlechte Wahl, denn es ist schon beruhigend zu sehen, mit welcher Konsequenz und Gelassenheit Steve Wynn seinen Weg geht - ohne dabei in irgendeiner Weise aus dem Rahmen zu fallen oder andererseits gar zu stagnieren. Man kann sich schlicht darauf verlassen, dass man bei einer Steve Wynn Show - so vertraut einem das Programm auch erscheinen mag - immer gut unterhalten wird und auch die eine oder andere Überraschung erlebt. Das hauptsächlich dessen, weil Steves Musik lebt und er und seine Musiker die Begeisterung für ihr Tun schlicht auf der Bühne ausleben. In einem Interview, das auch im Programmheft des Sudhauses zitiert wurde, sagte Steve einmal, dass es schlicht einfacher sei, zu überleben, wenn man sich - wie er - popularitätsmäßig im Hintergrund hielte. Nun, es sorgt jedenfalls für eine gesunde Bodenhaftung und eine breite Basis. Und dann kann man es sich auch einmal erlauben, mit einer Scheibe zwei Mal zu touren...

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Surfempfehlung:
www.stevewynn.net
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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