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Die Nacht der lebenden Toten

Walkabouts
Larry Barrett

Köln, Kantine
07.10.2003

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Walkabouts
Chris Eckman und Michael Wells, der neue, alte Bassist, der nach einer "Pause" von sieben Jahren wieder zur Band gestoßen ist, unterhalten sich über die alten Zeiten und kommen dabei auf das Thema, was denn nun eine gute Show auszeichnet. "Wenn mehr zahlende Gäste im Auditorium als Musiker auf der Bühne sind", bietet Michael an. "Das ist sicher gut, aber nicht der einzige Aspekt", wendet Chris ein, "erinnerst du dich noch an die Show, wo kein einziger zahlender Gast auftauchte und wir anboten, so lange zwei Stücke zu spielen, wie wir danach eine Runde ausgegeben bekamen?" "Du meinst, wo nachher alle besoffen waren und wir unsere ganze Merchandise-Ware verkauft haben?", fragt Michael, "das war doch auf der Tour, wo wir Plus-Minus Null rauskamen, nicht?" "Ja, und dafür hatten wir sogar unsere Jobs aufgegeben", erinnert sich Chris. "Und sind wochenlang durchs Land gefahren", ergänzt Michael, "nur um am Ende gerade noch genug Geld übrig zu haben, um uns die Tageszeitung kaufen zu können, um nach einem neuen Job zu suchen." Nun, ganz so schlimm ist es natürlich heutzutage nicht mehr (zumindest nicht bei uns: Die "US-Tour" der Walkabouts, wie es Chris scherzhaft bezeichnet, bestand aus einem einzigen Warm-Up Gig in ihrer Heimatstadt Seattle). Aber: Die Walkabouts haben durchaus eine Geschichte.
Die Tour, auf die Chris und Michael da anspielen, muss so ungefähr 1985 stattgefunden haben. Seither haben die "Walks", wie sie sich selber nennen, eine wechselvolle musikalische Reise unternommen, die sich im Kern - bis auf die wechselvolle Rolle des Bassisten - stets um Chris Eckman, Carla Torgerson, Keyboarder Glen Slater und Drummerin Terri Moeller drehte. Letztlich blieb es da nicht aus, dass dann auch mal eine Art Resümee gezogen werden musste - in Form der aktuellen Best-Of-CD "Shimmers" und der nun absolvierten zugehörigen Tour. Obwohl: Etwas seltsam fühlte sich die Band da schon. "Du bekommst dauernd diese Fragen gestellt", erklärte Chris dem Publikum, "so nach dem Motto: 'Wie ist es, wenn du auf dein Leben zurückblickst?' Das ist komisch, weil wir doch noch nicht fertig sind. Wir sind doch gerade mal Anfang zwanzig." "Nun ja, vielleicht in der Art, wie wir uns benehmen?", schränkt Carla dies ein. "Das fühlt sich dann eher wie 15 an!", scherzelt Chris. Lange Rede kurzer Sinn: So benahmen sich die Walkabouts an diesem Abend dann auch tatsächlich - zumindest musikalisch. Dies sollte die rockigste Show der Band seit der Tour zu "Setting The Woods On Fire" werden - und das ist immerhin acht bis neun Jahre her.

Wie damals begleitete sie auch dieses Mal der alte Kumpel Larry Barrett, der das Konzert mit einem Solo-Act eröffnete. Anders als zu jener Zeit hatte er indes seine Haare blond gefärbt und erschien unnötig nervös und fahrig. Hinzu kommt, dass seine damals genau zum Zeitgeist passenden Alt-Country-Balladen heute doch ein wenig angestaubt wirken - jedenfalls wenn sie, wie in diesem Fall eben nervös und fahrig dargeboten werden. Auch machte Barrett musikalisch keine allzu gute Figur, denn sein Gitarrenspiel war relativ hakelig und spröde. Seinen Tracks wie "Jenny Bought A Banjo" oder "State Line" tut das per se zwar keinen Abbruch, aber lieber hört man sich diese dann doch zu einem Zeitpunkt seiner Wahl an - und dann auch lieber in der Form, in der sie gedacht sind. Letztlich aber ging es darum weniger, denn wer die Walkabouts kennt, der weiß, dass sie ihre Support Acts eher unter menschlichen Gesichtspunkten auswählen, als unter musikalischen. Larry ist eben ein alter Kumpel, der die richtige Einstellung und das potentiell richte Material hat. Punkt.

Zurück zu den Walkabouts. Nachdem die Sache mit "Drunken Soundtracks" im Kontext eher trügerisch begann, entschloss man sich, die Sau rauszulassen und noch einmal richtig loszurocken. Zugegeben: Nicht so laut wie bei o.a. Tour, aber doch mit viel Druck und Spaß an der Sache. Im Gegensatz zur etwas unglücklich zusammengestellten CD, gab es hier auch genügend alte Tracks, die in diesem Ambiente zu neuem Leben aufblühten: "Break It Down Gently" und "Glad Nation's Death Song" von "New West Motel", "Night Drive" und "Firetrap" von "Woods" und besonders "Dead Man Rise" von "Scavenger" sorgten für viel Bewegung vor und auf der Bühne. Besonders dieser älteste Track des Sets, den die Band zum letzten Mal beim Orange Blossom Festival III spielte, wurde zu einer Tour de Force, bei der z.B. Michael Wells durchaus den Eindruck erweckte, er sei eben nicht sieben Jahre, sondern sieben Tage abwesend gewesen. (Das hatte Chris im Vorfeld nämlich verlauten lassen). Angesteckt vom allgemeinen Drive gerieten auch die Balladen dann eher kräftig. Bei "Winslow Place" z.B. ließ sich Chris zu einem echten Schweine-Rock-Solo hinreißen, was dazu führte, dass sein Line-6-Gerät den Geist aufgab (was sich aber glücklicherweise wie ein gewolltes Dauer-Feedback anhörte). "Bordertown" hingegen gefiel etwa durch Neuzugang Nancy Whartons unaufdringliches aber effektives Elektro-Cello-Spiel, das das ganze Programm durchsetzte. Und letztlich gab es mit "Unwind" und "Drown" auch ein wenig "Walks-Trip-Hop", aber dieser spielte nun wahrlich nicht die große Rolle. Was gab's sonst noch? Ach ja: Terri Moeller hatte eine neue Frisur und Glen Slater erstmals einen Computer auf der Bühne. (Dieser enthielt ein deutsches Software-Programm, mit dem sich eine Hammond Orgel inklusive Leslie täuschend echt simulieren lässt - momentan Glens ganzer Stolz). Obwohl die Show also - bis auf das dEUS-Cover "Wake Me Up Before I Sleep", zu finden auf dem "Train Leaves At Eight"-Album - keine richtigen Überraschungen enthielt, war er doch in seiner ganzen Anmutung dann doch wieder ziemlich überraschend. Das einfach deswegen, weil Chris ja eigentlich dem Rock bereits mehrmals abgesagt hatte und nun offensichtlich doch mit Spaß an der Freude wieder dazu zurückgekehrt war. Wenn sich diese Stimmung bis zu den Aufnahmen der nächsten Walks-Scheibe hält, dann müsste das ja eine sehr interessante Angelegenheit werden.

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www.thewalkabouts.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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