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Konzert-Bericht
 
Weltmeisterabend

Sometree
Luke

Köln, Underground
12.10.2003

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Sometree
Kurz nachdem sich die deutsche Damenfußballfrauschaft ins Weltmeisterreich gekickt hatte, öffnete sich die Tür zum kleinen Saal des Underground, wo Luke und später auch Sometree zum Tanze aufspielen wollten. Und siehe da: Obwohl man sich alle Mühe gegeben hatte, den Event geheim zu halten (weder gab es eine Ankündigung in der Presse, noch nennenswerte Plakatierungen), fand doch eine ordentliche Hand voll Unentwegter den Weg in das Konzert-Wohnzimmer. Die Jungs ließen sich dann auch gar nicht lange bitten, sondern legten gleich los. Wie immer, gab's ein paar sanft angeschlagene, einleitende Vernebelungs-Akkorde - gefolgt von sich ständig steigernden Ausbrüchen in Form wuchtiger Riffs und polternder Rhythmen. Dieses Grundrezept haben die Herren um Sänger Heiko Schneider im Laufe der Jahre dermaßen verfeinert, dass es trotz des immer gleichen Ablaufes eigentlich nicht langweilig wird.
Das gilt für die Songs vom aktuellen Album, "In Less Than No Time", genauso wie die der letzten CD, "From Now On". Obwohl das Rezept recht einfach gestrickt ist - ein wenig Grunge hier, ein wenig Melodie dort und ansonsten jede Menge Energie - gibt es doch eine Menge Details, die das Ganze (besonders live) eben am Leben erhalten. Da ist zum Beispiel Heikos für diese Musik eigentlich ungeeigneter, leicht heiserer Gesang. Gerade das "nicht-Shouten" ist es aber, was hier den Reiz ausmacht - einfach weil man es nicht erwartet und es auch zum Hinhören zwingt (zumindest auf Konserve). Dann ist da noch Christoph Schultes extrem variables Drumming - worauf man vielleicht nicht so besonders achtet, was aber unter'm Strich den Unterschied zu mancher Holzfäller-Kapelle ausmacht. Und dann gibt es noch Kai-Phillip Schöllmanns Gitarrenarbeit, die (wenn er denn zwischen den Stimmpausen einmal dazu kommt zu spielen) relativ unauffällig, aber vielleicht gerade deswegen besonders effektiv ist. Irgendwelche Solo-Nervereien gibt es jedenfalls nicht. Der Live-Sound der Show - so knapp unterhalb des Übersteuerns - wurde dann dem der CD nachempfunden (oder umgekehrt) - was ja zu Musik wie dieser passt, ja geradezu gehört. Schade nur, dass die Band Balladen für problematisch hält! Gerade die Tracks, die besonders ausgiebig mit der Dynamik spielen (und stellenweise ergo Balladen doch schon recht nahekommen) erscheinen besonders gelungen. Wenn sich die Jungs mal zu so etwas durchringen könnten, dann käme dies mindestens so gut, wie die sich in den Charts tummelnden US-Truppen mit dem teureren Equipment und den gestylten Frisuren - echt! Apropos Charts: Stephan Sodeur, der als Fels in der Brandung agierende Bassist, kündigte nicht ohne Stolz den aktuellen "Hit" "L'Établissement Du Pop" an (dessen Titel sich selbst die Band nicht mehr so recht erklären kann) als "...unser Video, das demnächst auf Onyx läuft." (Am oder ab 21.10., übrigens!). Entsprechendes diesbezügliches Gelächter kommentierte er dann so; "Jeder fängt ja mal klein an - immerhin spielen wir ja auch hier in einer Art Wohnzimmer!" (s.o.) Luke haben sich also den Charme einer Hobby Band bewahrt, wissen indes handwerklich durchaus zu erzeugen. Insofern bekommt man also ein gutes Preis-Leistungsverhältnis geboten!
Sometree hatten sich derweil bereits warmgespielt. Wie das? Nun, irgendjemand hatte es für eine gute Idee gehalten, noch vor dem Konzert im Underground für Maximilian Hecker im MTC zu eröffnen. Was natürlich dazu führte, dass die Band mit ihrem Equipment quasi quer durch die Stadt hecheln musste, um noch rechtzeitig einzutreffen. Da Luke aber punktgenau die Bühne warmgehalten hatten und auch alles reibungslos beim Wechsel klappte, musste man nicht allzulange warten, bis die Combo aus Hannover loslegen konnte. Im Prinzip passte deren Version vom harten Brett dann ganz gut zu dem, was man vorher zu hören bekommen hatte. Oder auch nicht: Denn im Prinzip klingen Sometree ein wenig so, wie Luke früher. Das heißt: Hart und dynamisch können die Kerls um Sänger Bernd auch - aber mit der Melodie hapert's doch ein wenig. Wohl teilweise absichtlich, denn die Sometree-Stücke des aktuellen Albums "Moleskine" sind eine Spur vertrackter als jene von Luke - gehen also so quasi in Richtung modernem Artrock, was auch einige Effekte mit teurem Equipment erklärte - und auch, dass die Stücke deutlich länger waren und mehr Zeit brauchten, um in Fahrt zu kommen. Das hätte man allerdings nach dem Genuss der neuen CD bereits erahnen können. Übrigens führt dieses Konzept der Band dazu, dass die Tracks (zu) leicht zu begreifen sind. D.h: Kennt man eines, dann weiß man ungefähr was einen - allen Variationen zum Trotz - prinzipiell bei den anderen erwartet. Und ehrlich gesagt: Auch wenn man den Körpereinsatz des Quartetts bewundern musste: Das eine oder andere "Nosebleed" - so der Titel eines Tracks - wäre wohl aufgrund der versammelten Lautstärke schon drin gewesen. Es wunderte also insgesamt schon, dass doch vergleichsweise viele Damen im Publikum anzutreffen waren, denn im Prinzip ist Sometree brünstiger Testosteron-Ausstoß pur. Aber zum chillen wird man ja wohl auch nicht ein solches Konzert besuchen...

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Surfempfehlung:
www.sometree.de
www.luke-music.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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