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Magic Carpet Ride

16 Horsepower
At The Close Of Every Day

Hamburg, Markthalle
02.11.2003

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16 Horsepower
In den richtigen Momenten - und das wussten wir ja bereits - können 16 Horsepower auf der Bühne ja richtig magische Momente entfachen. Dann nämlich, wenn die Inbrunst, die David Eugene Edwards und seine Jungs da auf der Bühne ausleben, ungehindert auf das Publikum übergreifen kann und die Exorzisten vom Fach ihre spirituelle Energie entfachen. Selten indes erlebte man einen ganzen Abend solcher Momente - wie in diesem Fall. Dabei sah zunächst mal alles ganz normal aus: Die Markthalle - und insbesondere die freie Fläche vor den Amphi-theatermäßig angeordneten Stufen - war noch dabei, sich zu füllen, als der Support Act, des zu diesem Zwecke auf Trio-Format aufgestockten holländischen Duos At The Close Of Every Day, bereits loslegte.
Das heißt: Loslegen ist hier vielleicht nicht das richtige Wort. Das Projekt des am Bühnenrande sitzenden singenden Drummers Mino Eggersmann und seines Partners in Crime Axel Kabboord pflegt nämlich die gemächliche Gangart. Mittlerweile bekannt klingende Versatzstücke aus dem generellen Bereich der Amerikana wurden hier zu etwas leidlich Eigenem zusammengefügt, das sich bis auf wenige energische Ausbrüche im Bereich des Slow Core abspielte. Pluspunkte waren hierbei Eggersmanns heiseres, aber sehr eindringliches Organ und das geschickte Spielen mit o.a. Versatzstückchen - mal ein wenig schrammelig, mal folky und mit vergleichsweise ungewöhnlichen Harmoniefolgen versehen. Negativ wirkte hingegen, dass man solcherlei Ansätze ja heutzutage wirklich haufenweise geboten bekommt und - was vielleicht schwerer wog - so etwas in diesem Zusammenhang gar nicht hören wollte. Und insofern fiel dann der Zuspruch eher verhalten aus - obwohl die Jungs ja durchaus sympathisch wirkten. Sie erschienen nur in diesem Falle ein wenig deplaziert.
Nach einer kurzen Umbaupause ging es dann los und 16 HP stürzten sich in die übliche Melange aus American Gothic, sowie einer Mischung aus musikalischer Paranoia, Traditionspflege und Wortgetümen von wahrlich biblischer Grandezza - genau das, also, was 16 HP im Kern ausmacht. Kern ist hierbei auch das Stichwort, denn die Aufgabenstellung war die Tour zur Scheibe "Olden", die ja die ersten Gehversuche der Band enthielt. Quasi deshalb also bewegte man sich im Trio-Format ohne Aushilfsmusikanten zurück zu den Wurzeln. Dass 16 HP in der Summe mehr sind, als die einzelnen Bestandteile verraten, wurde an diesem Abend wieder einmal deutlich. Mit Drums, Bass und wechselweise Gitarre, Akkordeon und Banjo emulierte die Band recht erfolgreich ihr ganzes Klanguniversum - ohne das dabei etwa etwas zu fehlen schien. Außer vielleicht dem Kabel des Akkordeons, das ausgerechnet bei "American Wheeze" schlappmachte, wodurch der Vortrag ins stottern kam. Als das aber erst einmal behoben war, gab es kein Halten mehr. Mit einer sehr klug gewählten Spielzeit von etwas über einer Stunde (mehr wäre tatsächlich zu viel geworden) und einer geschickten Songauswahl, bei der neben den alten Hits auch ein paar neue Tracks zum tragen kamen, schafften es 16 HP das Publikum von der ersten bis zur letzten Sekunde im Bann zu halten und mitzunehmen auf einen magischen Teppichflug durch das oben beschriebene musikalische Umfeld.

Was David Eugene Edwards an Virtuosität vielleicht vermissen lässt, wird durch emotionale Brutalität mehr als wettgemacht: Wer den Mann auf der Bühne da leiden sieht, der kommt leicht auf den Gedanken, dass er so etwas wie ein Masochist sein muss, der einfach nicht anders kann, als das letzte aus sich herauszuholen. Wahrscheinlich ist er das auch. Das Gegenteil ist bei Jean Yves Tola der Fall: Der stoische Drummer ist der ruhende Pol des Trios - jedenfalls vom Gemüt her: Musikalisch weiß er durch akzentuiertes und vielseitiges Spiel zu gefallen; einem Spiel, das mehr als einmal den rechten Kick brachte - auch unter anderem durch Zurückhaltung. Bei dieser Show waren es gerade seine und Bassist Pascal Humberts Ideen, die einige der wohlbekannten Tracks wie z.B. "I Seen What I Saw" in einem neuen Licht erscheinen ließ. Beachtlich - wenn man das doch eng abgesteckte Genre bedenkt. Der besagte Pascal Humbert behandelte seine Bässe dabei abwechselnd wie eine Frau oder wie eine Waffe - manchmal auch wie ein zerbrechliches chirurgisches Instrument - jedenfalls niemals beiläufig oder gar nachlässig. Humbert ist so ziemlich der empathischste und körperlichste Bassist, der derzeit herumläuft. Ein ausgezeichneter Sound, bei dem sogar der ansonsten in dieser Beziehung problematische akustische Bass raumgreifend zum Tragen kam, tat ein Übriges um das positive Gesamtbild abzurunden. Wie gesagt: Es war ein guter Abend für 16 HP und sie konnten mühelos ihren Ruf als faszinierender Live Act bestätigen. Auch wenn die Sache vielleicht nicht zu dem Greatest Hits Event geriet, den sich manche gewünscht hätten - denn nostalgisch verklärt war diese Show ganz und gar nicht. Es wäre wünschenswert, wenn es mehr Band gelänge, den eigenen Back-Katalog dermaßen frisch und würdevoll aufzuarbeiten - bzw. am Leben zu erhalten.

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Surfempfehlung:
www.16horsepower.com
www.atthecloseofeveryday.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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