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The Rockfather of God

Frank Black & The Catholics
Serafin

Köln, Gebäude 9
10.11.2003

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Frank Black & The Catholics
Preisfrage vom offiziellen Plakat: Wie klingen Serafin denn eigentlich (also jene aufstrebende englische Band, die Frank Black auf seiner Tour begleiten durften)? Antwort: So, als seien Jane's Addiction auf Weezer getroffen. Wenn man mal die beiden Namen außer Acht lässt und statt dessen interpretiert, was eigentlich gemeint ist, läge man mit dem Vergleich ungefähr richtig. Denn Serafin machen harte Rockmusik mit poppigen Grundtönen (in Form gelungener Melodiebögen). Sänger Ben Fox schreit, brüllt und faucht dabei wie Kurt Cobain zu seinen besten Zeiten, und dass vor dem Konzert Iggy Pop zum Einstimmen von der CD kam, passte dann auch ganz gut. Serafin können das, was man gemeinhin mit "rocken" bezeichnet, nämlich wirklich nicht schlecht - und das, obwohl sie Engländer (und Schotten) sind. Drummer Ronny Growler erwies Stehvermögen ("Das ist aber ein mächtig großes Bier", meinte Fox schelmisch) und spielte gleich am Rande der Bühne sitzend mehrere Drumsticks kaputt. Und dazu gab's energisches, stakkato-artiges Gitarren-Sperrfeuer mit den aromatischen Songs des gerade erschienenen Debüt-Albums "No Push Collide". Nicht schlecht, Herr Specht - und wirklich gut zum Folgenden passend.
Nach dem unvermeidlichen Rückbau der Bühne - zwei komplette Bands brauchen nun mal eben Platz - war's an der Zeit für den Meister. Frank Black ist im Laufe der Jahre nicht wirklich hübscher oder gesprächiger geworden - und so hielt er sich auch gar nicht erst mit irgendwelchem showmäßigen Firlefanz auf. Mit "Nadine" vom neuen Album "Show Me Your Tears" staksten er und die Catholics zunächst mal verhalten ins Programm. Das Album (das für die Tour besser "Show Me Your Sweat" geheißen hätte) spielte dann im Folgenden aber eine erstaunlich unterrepräsentierte Rolle. Statt dessen überraschte Herr Thompson gleich zu Beginn mit "Monkey Gone To Heaven" und "Velouria". Da wurde doch nicht etwa für die anstehende Pixies Re-Union geübt? Das Publikum jedenfalls war da, wo der Affe schon waren: Im Himmel. Ganz so schlimm wurde es aber dann doch nicht: Von den Pixies gab es zum Schluss noch "Where Is My Mind?" und dann als letztes offizielles Stück "Black Rider" von Tom Waits. Ansonsten aber bediente sich Black Francis bei seinem eigenen Back-Katalog. Und zwar ausgiebig und meistens auch ziemlich laut. Mit z.T. drei Gitarren gleichzeitig gab's zunächst mal die volle Dröhnung. Besonders der auf erschreckende Weise wie Andy Warhol aussehende Rich Gilbert an der fingerfertigen Lead-Gitarre (und den Keyboards) sowie der hyperaktive David McCaffrey am Bass zeigten sich hierbei von ihrer exhibitionistischen Seite (zumindest was die exaltierte Performance betraf). Frank indes steuerte stoisch durch sein Programm - kaum einmal die Augen öffnend, nüscht sagend und genau ein Mal lächelnd. Wäre er nicht so in seinem Tun aufgegangen, so hätte man denken können, ihm mache das am Ende womöglich alles gar keinen Spaß. Aber weit gefehlt: Es fällt ihm halt nur schwer, sich selbst zu amüsieren! (Und das sagen nicht wir, sondern er!). Herauszuheben wäre vielleicht noch das seltsame Bühnen-Setting: Es gab je eine Pedal Steel Gitarre auf jeder Seite (obwohl beide nur vereinzelt zum Zuge kamen) sowie das mit zwei Vox-Verstärkern zugebaute Schlagzeug, an denen Frank seine Feedbacks auslebte. Witzig übrigens, dass er sich dabei wie Bob Dylan von hinten bemonitoren ließ - was sich indes Performance-mäßig kaum bemerkbar machte.
Nun gut: Etwa zur Mitte des Konzertes wechselte Frank zu "New House Of The Pope" zur akustischen Gitarre. Eine richtige Lagerfeuer-Romantik wollte aber trotzdem nicht aufkommen, denn es wurde nach wie vor auf die Tube gedrückt. Auch "Horrible Day" oder später "Farewell Bend" gerieten gar nicht so countryesk, wie es vielleicht hätte sein können. Und dann war da ja auch noch Rich Gilbert, der - immer wenn er zur Gitarre griff (und wann tat er das nicht) - das lautstärkenmäßige Kommando an sich riss. So richtig zum relaxen kam da wahrlich niemand. Es ist aber auch die Frage, ob das Not tat, denn Frank Black funktioniert einfach am besten, wenn er so richtig die Sau raus lassen kann. Und dann ist es angesichts seiner komplexen und verstiegenen Kompositionen auch gut, dass er einen Virtuosen wie Gilbert an Bord hat! Natürlich kann eine Legende wie Frank Black niemanden so richtig mit der Songauswahl eines einzigen Konzertes vollends beglücken. Es gab aber doch eine nette Sammlung - wenngleich eher fixiert auf die letzten Scheiben und eben die Verbeugungen vor den Pixies Fans. Nur einmal griff der Gute so richtig daneben - dann nämlich, als er sich zum einzigen Mal ans Publikum wendete und dieses zur einzigen (aber ziemlich langen) Zugabe mit "Hallo Deutz" begrüßte. Deutz aber ist ein in Köln nicht so recht respektierter, dezentraler (manche sagen gar "abtrünniger") Stadtteil, in dem eben das Gebäude 9 liegt. Das kam dann nicht so gut an. Ansonsten aber lief dieses Set unter dem Motto "solider Showcase" - kein richtig großer Konzertabend also, aber ein unterhaltsamer guter.

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Surfempfehlung:
www.frankblack.net
www.serafin.co.uk
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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