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The Golden Gods

Kings Of Leon
Regina Spektor

Köln, Live Music Hall
24.11.2003

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Kings Of Leon
Regina Spektor ist eine spinnerte kleine Songwriterin aus New York, die momentan in Paris lebt und deswegen kurzfristig als Unterstützung für die Kings Of Leon einspringen konnte (da deren ursprüngliche Support-Band Jet leider absagen musste). Regina mag lieber Knoblauch als Schokolade, würde es hassen, als Hofkomponistin für Präsident Bush zu arbeiten, schreibt Songs mit Namen wie "Oedipus Daughter" oder "2.99 Cent Blues" und hat so rein gar nichts mit der Rock'n'Roll-Attitüde der Kings zu tun. Vielleicht war ihr kurzer Support-Slot gerade deswegen so amüsant und wurde vom beinharten Publikum relativ dankbar angenommen. "Ich möchte, dass ihr jetzt alle ein kräftiges 'Huh' zum Refrain beisteuerte", meinte sie verschmitzt und stimmte dann ein Lied über "Huh-merica" an, in dem es darum ging, wie schön es sei, in die Sonne zu schießen. Wie gesagt: Spinnert. Anfangs haute sie relativ taktlos auf ein Drumpad ein, besann sich dann indes zum Glück darauf, ihr Piano zu traktieren und ihre wunderlichen Songs (von der CD "Songs") mit Tori-Amos-Kate-Bush-mäßiger Falsettstimme vorzutragen. Kollege Wohlfeld formulierte es recht treffend: Wenn sie nicht nervte, war es ganz gut. Auf jeden Fall aber kurzweilig und sympathisch.
Ob die KOL so richtig sympathisch sein würden, durfte zunächst mal bezweifelt werden. Der Retro-Hype des Jahres hat sich ja auf die Fahnen geschrieben, den Nimbus der authentischsten 70s Band seit den 70s konsequent durchzuziehen. Dazu gehören neben Cord-Jacken, Schnurrbärten und historischem Instrumentarium natürlich auch coole Posen und Superstar-Gehabe. Nun gut: Ganz so schlimm wurde es dann doch nicht. Die Gebrüder Followill gaben sich zwar alle Mühe, den Erwartungen zu entsprechen - unter der Oberfläche schimmerte aber stets auch ein wenig Unsicherheit und Nervosität mit. Das äußerte sich z.B. darin, dass die Band sich nicht mal ansatzweise darum bemühte, einen direkten Draht zum Publikum herzustellen. Das machte die Angelegenheit natürlich zunächst mal dennoch sympathisch - denn ganz so cool, wie die KOL sein möchten, sind sie also gar nicht. Hiervon ausgenommen werden musste ohne wenn und aber Bass-Followill Jared, der schlicht und ergreifend den Prototypen des effektiven No-Nonsense-Rock-Puls-Gebers darstellte. Aber nicht nur, dass er dabei äußerst lässig aussah und in seiner Aufgabe höchst effektiv aufging: Jared ist auch der eigentliche Motor der Kings. Denn Drummer Nathans Spiel ist dermaßen reduziert, dass man ihn fast schon als stoisches menschliches Metronom bezeichnen könnte. In dem Sinne kommt der Live-Act der Kings dem sehr nahe, was Creedence Clearwater Revival einmal auszeichnete (die Band, die den Bass als integrales Instrument überhaupt ins Bewusstsein des Rock'n'Roll rückte!).
Und dann waren da natürlich die Songs des Debütalbums "Youth And Young Manhood". Wie ja alle wussten, die zu dieser Show gekommen waren: Das ist der wahre McCoy, wenn es um die Emulation des Geistes der 70er geht. Wenn schon Retro, dann aber richtig - und nur so. Da braucht es keine feinfühligen Melodien oder subtile Songstrukturen: Ein paar hingeworfene Riffs, ein paar fette Grooves und dazu Caleb Followells heiseres und im internationalen Vergleich nahezu unglaubliches Reibeisen-Organ - und ab geht die Party. So sehr sich die Kings aber im Sinne von "Almost Famous" den 70s verpflichtet fühlen: In einem Punkt halten sie sich glücklicherweise zurück. Mit Ausnahme des allerletzten Tracks, "Trani", gab es keinerlei ausgedehnte Jam-Passagen. Auch Endlos-Gitarren- oder gar Drum-Soli oder sonst etwas, das die Geduld des Zuhörer unnötig auf die Probe gestellt hätte, suchte man vergeblich. Wenn die Kings einmal vom Format des auf CD gebannten Songs abweichen, dann tun sie das - wie im Falle von "Holy Roller Novocaine" - 'I don't feel a thing' - oder dem exzellenten Non-CD-Track "Snow" - indem sie sich in eine Art kollektive Trance spielen, aus der Caleb die Jungs, wenn es Not tut mit einem beherzten Schlussakkord zurück holt. Gitarrist Matthew (der nach dem Aussehen ca. 15-jährige Cousin der anderen Followills) lässt hierbei auch eher weitere Riffs als wirklich prägnante Soli aus der Gitarre fallen. Insofern sind die Kings also keine typische Band der 70er. (Steht das jetzt wirklich hier?) Ansonsten aber gab es wahrlich die volle Dröhnung. Selbstredend wurde fast die ganze CD gespielt (das akustische "Dusty" natürlich nicht), wobei das Programm dann durch einige EP-Tracks wie z.B. "Wicker Chair" abgerundet wurde. Dies indes fügte den Kings aufgrund des Füllmaterial-Charakters solcher Elaborate keine wirklich neuen Dimensionen hinzu. Fazit also: Wer die 70er nicht am eigenen Leib erfahren hatte (und im Publikum waren jedenfalls kaum verklärte Mitt-Fünfziger auszumachen), der konnte bei dieser Show eine Ahnung davon erhaschen, wie es wohl gewesen sein musste, als die Musik noch ohne Pro-Tools auskommen musste. Das spaltete natürlich auch: Im Publikum waren nachher auch Äußerungen zu vernehmen, dass dies ja wohl "Scheiße" gewesen sei - weil eben so gar nichts Besonderes. Man kann es eben nicht allen recht machen.

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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