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Konzert-Bericht
 
Orangenernte

Orange Blossom III Festival

Beverungen,
11.06.1999
25 Green Way
In vielerlei Hinsicht war das diesjährige Orange Blossom Special schon etwas Besonderes. Zum Beispiel waren WILCO diesmal weder angekündigt (wie in den letzten beiden Jahren), noch traten sie auf (wie in den letzten beiden Jahren). Dann war das nunmehr offiziell zweitätige Festival so angelegt, daß der absolute Höhepunkt in der Mitte des zweiten Tages plaziert war. Es ging hier um den Auftritt der Glitterhouse-Band 25 GREEN WAY (s.u.). Mit ungestümen Werf und voller seelenvoller Leidenschaft widmeten sich Rembert (im schnieken Glitter-Tuxedo), Reinhard (im kleidsamer Königskluft) und die teilweise verkleidete und teilweise entblößte Glitterhouse Crew der liebevollen Neubarbeitung solcher Klassiker wie "Luka" oder "Summer Wine". Da waren alle technischen Monitor-Probleme und alle verspätungstechnischen Improvisationen wie weggeblasen. Da blieb kein Auge trocken. Lediglich Reinhard hatte Probleme mit seiner Mandoline, die diametral zu seinem Körperbau konstruiert schien. Danach war alles andere nur schmückendes Beiwerk.
Chris Carla Tilman
Freitag:

Anfangen durften die "Lokalmatadoren" THE HITCHIN' POST - mit neuen Songs im Gepäck. Dann unterhielt Tilman Rossmy kurzweilig mit lehrreichen Story's und flotten Songs, wobei er allerdings das übliche Programm ziemlich genau halbierte. Dafür kam er dann bei der Zugabe von Chris & Carla's Set (das diese mit den WALKABOUTS darboten) nochmal auf die Bühne und dann gab's eine 8 Minütige Version von "Loswerden", (dem alten REGIERUNG-Stück, was die WALKABOUTS mal gecovert hatten). Tilman improvisierte eine neue Rahmenstory, Carla sang "Loswerden" - natürlich auf deutsch - und das ganze Publikum sang mit. Das hatte dann schon was Klein-Woodstock-Artiges. A propos Woodstock: Ein "bravo" der Wetterplanung. Wieder einmal gelang es dem sympathischen Glitterhouse-Team, das Wetter punktgenau zum Festival gut aussehen zu lassen. Da können sich die Stones mal eine Scheibe von abschneiden! Zwischen TILMAN und CHRIS & CARLA gab's dann noch THE DAKOTA SUITE aus England. Eine seltsame Truppe, die betont langsame und in diesem Zusammenhang irgendwie depressive Stücke darbot. Der Sänger war irgendwie stinkig, der Gitarrist extrem seltsam gekleidet und der Drummer machte durch unliebsame Witzchen auf sich aufmerksam. Das kam aber paradoxerweise so gut an, daß die Band am nächsten Tag nochmal ran durfte.

Todd Thibeaud
Samstag:

Samstag gings bereits Mittags los mit THE ORIGINAL REVEREND JONES. Dieses eine Band aus Hameln, die allerdings irgendwo im Delta-Sumpf zu Hause zu sein schienen. Schön schmutzig und rauh kam deren schmirgelnder Rock'n'Roll zu dieser Zeit genau richtig. Da durften sogar ein paar Witzchen zu Lasten des doch eher mittelalterlichen Publikums gemacht werden. Danach geriet die Sache ein wenig aus dem Ruder, weil der Kreuzzug der GREAT CRUSADES aus Chicago im Stau stecken geblieben war. So gab's dann wie gesagt nochmal DAKOTA SUITE, wobei sich allerdings lediglich der grobkarierte 70's Polyester-Anzug des Gitarristen von dem des Vortages unterschied. Anschließend gab's Rock'n'Roll pur mit TERRY LEE HALE und THE BLIND DOCTORS. Daß dies eine französische Band war, merkte man lediglich, wenn die Jungs sprachen. Ansonsten gab's knackigen, wenngleich auch ziemlich konturenlosen Rock. Leider ist TERRY LEE HALE nun mal nicht der beste Songschreiber der Welt. Schließlich kamen die CREAT CRUSADES doch noch und mußten Ihren Gib in ca. 1/2 Stunde durchprügeln. Das machte aber gar nix, da die Jungs live ziemlich genau 3 x so schnell spielen als auf Platte. Was aber nur half, denn so kamen die etwas schroffen Stücke wesentlich verständlicher rüber. ("Ach so meinten die das"). Besonderer Clou hierbei war der stehende Drummer, der sich so in Rage spielte, daß er sich innerhalb kürzester Zeit die Blues Brothers Verkleidung vom Leib getrommelt hatte. Punktgenau darauf traf TODD THIBAUD ein und begeisterte das Publikum mit seinem geradlinien, perfekt und punktgenau dargebotenen Rock'n'Roll. Da wurde die Veranstaltung dann ganz schnell zur ausgelassenen Fete, denn Todd hatte an diesem Tag Geburtstag. Krönender Abschluß seines Sets war eine Coverversion von "Dead Flowers" - nun ja: Kein Festival ohne Stones-Cover, bitteschön. Den langwerarteten Höhepunkt des zweiten Tages (von 25 GREEN WAY einmal abgesehen) bildeten schließlich die WALKABOUTS. Soeben in den Schoß des Glitterhouse Labels zurückgekehrt, präsentierten sie zum ersten Male und exklusiv Material des im August erscheinenden Albums "Trail Of Stars". Noten und Textstständer allenthalben verrieten wie frisch das Material noch war. Dennoch floß dieses Nahtlos ins sonstige Oeuvre ein. Dieses bestand übrigens aus erfreulich altem Material ("Long Black Veil", "Dead Man Rise") was man schon lange nicht mehr gehört hatte. Die neuen Stücke - meistens düstere Balladen - gefielen durch betont "unrockige" aber totzdem rhythmusbetonte Arrangements, in denen die Keyboards einen immer breiteren Rahmen einnahmen. Carla etablierte sich derweil als originelle Gitarristin. Insgesamt bewiesen die WALKABOUTS an diesem Tag, daß Sie eine solide, weil konsequente, Weiterentwicklung von der Rockband zur "Songband" vollzogen haben. Das Festival (oder "Der Tag der offenen Tür", wie es amtsdeutschtechnisch und formaljuristisch heißen mußte) klang schließlich aus mit einer ergreifend-sinnlosen Rede von Reinhard Holstein aus. Das macht aber nix, da diese Sache mittlerweile soviel Eigendynamik entwickelt hat, daß das nächste OBS kaum noch aufzuhalten sein wird.

Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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