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Konzert-Bericht
 
Füße und Reisende

Ai Phoenix
Stockhaus

Köln, Gebäude 9
04.03.2004

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Ai Phoenix
"Guten Tag Köln, wir sind Stockhaus - die kleinste Band aus Bergen in Norwegen", begrüßte Drummer Frode die im Vergleich zu Ai Phoenix' erstem Gastspiel an diesem Orte doch erfreulich angewachsene Zuschauer-Menge (obwohl da sicher immer noch dran gearbeitet werden kann!). Wie er das meinte, mit der kleinsten Band Norwegens, wurde klar, als er an seinem ca. 30 cm großen Kinder-Drum-Set Platz nahm. Das war nun wirklich klein. Er und sein namensgebender Kollege Kristian Stockhaus spielen in der großen Besetzung von Ai Phoenix Bass und Gitarre, haben jedoch auch ein eigenes Projekt - namens Stockhaus - als das sie die Konzerte auf der aktuellen Tour eröffnen durften. Einmal abgesehen von dem zweifelsohne vorhandenen Spaßfaktor, der sich nun mal einstellt, wenn ein erwachsener Mensch mit Pinseln und Bleistiften auf einer Plastiktrommel herumkloppt (das indes vergleichsweise virtuos), boten Stockhaus darüber hinaus sperrige, verschrobene und spröde kleine Gitarrenpop-Nummern, die vom eigenartigen norwegischen Humor der Art "I like your lips, but I go for your feet" leben.
Überhaupt hatten die Herren es mit den Füßen: Um besser im Takt bleiben zu können, zogen sie während des Spielens die Schuhe aus. Hm. Musikalisch war das nun nicht unbedingt eine Offenbarung - aber unterhaltsam war's allemal. Insbesondere aufgrund solch lustiger Übersetzungsfehler wie: "Ich glaube, dein Gitarrenkabel ist so charmant wie mein Deutsch."

Dann gab's schließlich - ziemlich spät - die vergleichsweise gut gelaunte Ai Phoenix Big Band Combo. "Vergleichsweise gut gelaunt" deswegen, weil die Norweger ja schon ein wenig eigenbrötlerisch sind und ihre Songs zuweilen doch eher melancholisch als fröhlich klingen. Zumindest auf CD. Im Live-Kontext spielen die Jungs um Sängerin Mona ja eher gelöst auf und werden auch mal ein Stück lauter. Natürlich bekommt man bei einem Ai Phoenix Konzert immer noch keinen Hardrock geboten, aber doch einen - sagen wir mal - warmen Sommerregen, wenn's sein muss. Ai Phoenix machen keinen Rock, sondern sie schieben die Songs vor sich her. Das ist aber auch schön, denn so bleibt alles immer im Fluss. "Wir mögen keine Setlist, weil wir immer sehen wollen, was auf der Bühne am Abend passiert", meinte Mona - angetan mit einem eigenartig adäquaten 20er Jahre Pippi Langstrumpf-Kostüm - nachdem sie die üblichen Leuchtgirlanden auf der Bühne verteilt hatte, "deswegen müssen wir immer diskutieren, was wir als nächstes spielen. Ich hoffe, ihr habt Geduld mit uns." Nun, eilig hat es ja gewiss kaum jemand, der zu einem Ai Phoenix-Konzert geht. Und so diskutierten die fünf Musikanten dann was das Zeug hielt und fanden dabei einen erstaunlich schlüssiges und kurzweiligen Rhythmus, der sich auch durch eine demographisch ausgeklügelte Setlist nicht besser hinbekommen hätte lassen. Während Mona mit einer betont zurückhaltenden Choreographie (die eigentlich nur darin bestand, dass sie sich versonnen im Takt wog) die Stücke illustrierte, wechselten Patrick, Bosse und ihre Jungs im Hintergrund munter die Positionen und Instrumente und dann gab's im Prinzip ein Ai Phoenix Greatest Hits Programm. Ausgehend von den Tracks der neuen Scheibe "I've Been Gone - Letter One" arbeitete man sich dann also kreuz und quer durch's Phoenix'sche Erbe. Dabei fiel vor allen Dingen auf, wie gut alles zusammen passt.

"Reisende sind der zentrale Gegenstand all unserer Scheiben", erklärte uns Mona mal, "Fernfahrer, Seeleute, Pilger, Piloten und Zugreisende..." und demzufolge nahmen Ai Phoenix die Zuhörer ergo auch mit auf ihre musikalische Reise. Was auch auffiel war, wie langweilig die Scheiben von Ai Phoenix doch im direkten Vergleich zu ihren Konzerten sind. Nichts gegen die Songs: Die sind hüben wie drüben mit ihrer schrulligen Einzigartigkeit zwischen naiver Kindermelodik, schrammeliger Alternative-Instrumentation und psychedelisch-philosophischen Betrachtungen über jeden Zweifel erhaben. Aber auf ihren CDs scheinen Ai Phoenix (jedenfalls im Vergleich zum lebendigen Live-Vortrag) doch des Öfteren eher beinahe einzuschlafen. Wie gesagt, gerockt wird auch live nicht, aber Stücke wie "Somewhere Nice & All", "Autobahn", "Mountains & Castles" oder auch "We Think You Are Very Brave" (das nur scheinbar dem Publikum gewidmet wurde) kommen mit all dem interaktiven Getue, allen Haken und Ösen, die ein Live-Auftritt mit sich bringt, mit ihrer Spielfreude (und hier vor allen Dingen den jaulenden Orgel-Einlagen) und letztlich auch mit den amplitudenartig aufbrutzelnden Energieausbrüchen, zu denen sich insbesondere Mona ab und an mal durchringt, sehr viel besser weg, als die ursprünglichen Studioversionen (übrigens ohne ihren Charme einzubüßen). Man fragt sich dann unwillkürlich, warum die Mädels nicht gleich Live-Scheiben veröffentlichen. Oder aber sie sollten warten, bis die Tracks dergestalt sitzen, wie sie es bei Live-Shows tun, bevor diese eingespielt werden. Letztlich funktionierte das Ai Phoenix-Konzept bei dieser Show hervorragend. Mona brachte dann den Widerspruch, der sich aus einer introvertierten Weltsicht und einem extrovertierten Unterhaltungsanspruch nun mal ergibt, folgendermaßen auf den Punkt: "This is a sad song - but I hope we make you happy."

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Surfempfehlung:
www.bgnett.no/~mokster/ai/index.html
www.stockhaus.no
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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