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Konzert-Bericht
 
The last Rock Star

Elliott Murphy
Cindy Bullens

Solingen, Cobra
16.03.2004

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Elliott Murphy
Vielleicht sollte Elliott Murphy ja öfter Geburtstag feiern. Zu seinem 55. Wiegenfest kamen nämlich doch immerhin ca. 250 Gäste ins Solingische Cobra, um dem Ereignis beizuwohnen - das selbstredend in Konzertform dargeboten wurde. Das war natürlich erfreulich, denn Elliott hatte an gleicher Stelle auch bereits vor einem Bruchteil dieser Menge gespielt. Obwohl Herr Elliott aufgrund der langen Anreise ziemlich spät dran war und auch noch vergleichsweise ungehalten erschien, weil er Tags zuvor in einer Art Wohnzimmer hatte spielen müssen, verflog dieses Ungemach natürlich sofort, als der Meister die begeisterte Menge im Cobra erblickte.
Aus Zeit- und Platzgründen beschränken wir uns bezüglich der Berichterstattung mal auf den offiziellen Teil des Abends: Zunächst durfte Elliotts Kollegin Cindy Bullens die Show mit einem Solo-Set eröffnen. Erst mal das Positive: Cindy, die ja auch auf Elliotts aktueller Scheibe "Strings Of The Storm" mitmachte, war als Gast-Musikerin in der Elliott Murphy Band eine echte Bereicherung und sorgte für einige schöne Momente, indem sie den Elliott-Sound stimmlich, mit Gitarre und Perkussion ausfüllte. Aber als Solo Act - zumindest an diesem Tag - konnte Cindy leider nicht überzeugen. Der Grund war ein ganz einfacher: Cindy war vergleichsweise nervös und hatte unglücklicherweise beschlossen, einige ihrer Rock-Songs ("Hammer & Nails", "Sensible Shoes") zum Besten zu geben, Dazu forderte sie das Publikum auf, sich die Band dazu vorzustellen. Das funktionierte natürlich nicht, denn Cindy akustisch solo ist nun mal keine stampfende Rock-Maschine (wie z.B. Steve Earle, mit dem sie an diesen arbeitete). Eher gefielen da schon ihre balladesken Stücke wie "I've Got To Believe In Something", die meist aus der Neverland-Trauerphase um ihre früh verstorbene Tochter herrühren. Letztlich aber war der Auftritt der Frau, die fast so lange im Geschäft ist wie Elliott selber und die einmal Elvis Presley getroffen hat, eher langweilig.

Bevor Elliott & Co. auf die Bühne durften gab es dann noch ein dem Anlass entsprechendes Intermezzo: Einige besonders treue Fans hatten sich auf der Bühne aufgebaut, um Elliotts Lebensgeschichte in Form einer zweisprachigen, reimfreien Fuge mit Gitarrenmusik darzubieten, die Elliotts Verdienste um die Menschheit in der Art der Lobgesänge auf römische Kaiser auflistete. Diese gipfelte dann schließlich in der Ansage: "Mr. Elliott Murphy, the last Rock Star!" Elliott, der von dieser Aktion offensichtlich überrascht war, bedankte sich dann artig dafür, dass die dunklen Kapitel seiner Karriere in der Laudatio ausgespart worden waren. Und dann ging's los: Dieses Mal war er tatsächlich mit einer vollzähligen Truppe angetreten. Neben einem prächtig aufgelegten Olivier Durand an der Lead-Gitarre und seinem Leib- und Magen-Drummer Danny Montgomery hatte Elliott nämlich noch den spanischen Bassisten Jorge Otero mitgebracht (der auch sang und bei einem Stück Mandoline spielte). Ergo machte es Sinn, dass auf dieser von Gaesteliste.de präsentierten Tour dann auch mal wieder richtig abgehottet wurde. Nicht nur, dass Elliott das Programm mit seinen Up-Tempo Nummern - etwa von der Art des exzellenten Gassenhauers "Green River" - gespickt hatte, nein, bei "Buddy & Peggy Sue" (von Elliotts erstem Blue Rose-Album "Selling The Gold") griff er doch tatsächlich zur elektrischen Gitarre! Und das, obwohl er diesem Instrument doch fast schon abgeschworen hatte und lieber zu seiner akustischen "Old Faithful" greift, weil diese ihm mehr gibt. Jedenfalls zeigte Elliott, dass er durchaus so etwas wie ein Rock Star ist (Allerdings nicht der letzte und ein besonders volksnaher!). Erfreulich bei dieser Tour war auch die Songauswahl. Diese geriet nämlich keineswegs zum üblichen, vorhersehbaren Showcase der aktuellen Scheibe, sondern zu einem kurzweiligen Streifzug durch ca. 30 Jahre Elliott. Und hatte etwa unsere Kritik in Sachen "Cover-Versionen" (siehe Interview) genutzt? Jedenfalls hatte er sich dieses Mal von Bob Dylan "A Simple Twist Of Fate" vorgenommen und von Elvis den "Mystery Train". A propos Elvis: Natürlich wurde auch wieder eine besonders lange Version von Elvis Presleys Birthday aufgefahren und wir erfuhren, dass Elliotts Großvater - wie Elvis - tatsächlich auch aus Tupelo, Mississippi stammte. Was gab's ansonsten noch? Nun, ziemlich viele Gitarrenduelle, einen unermüdlich schuftenden Danny Montgomery (da wackelte die ganze Bühne), einige nette Harmoniegesänge (via Cindy & Jorge) sowie eine bemerkenswert ausgelassene, heitere Stimmung und ein begeistertes Publikum. Abzüge in der B-Note den Abend betreffend gab es bloß dahingehend, dass der übliche "Dusty Roses"-Gröler bereits VOR dem Konzert damit begonnen hatte und dass das Publikum bei Cindys Vortrag doch zuweilen lauter brabbelte als die Künstlerin sang. Auch wenn man nicht mag, was auf der Bühne geboten wird: So etwas tut man nicht! Ansonsten hätte sich Elliott kaum eine schönere Geburtstagsfeier wünschen können. Und er schien den Zuspruch auch genossen zu haben, wenngleich der abgeklärte, coole Mann sich das nicht so richtig anmerken ließ. Ach ja: Und den Song "Last Of The Rockstars" gab's dann tatsächlich auch noch...

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Surfempfehlung:
www.elliottmurphy.com
www.mysongwriters.com/ElliottMurphy/
www.cindybullens.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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Mehr über Elliott Murphy:
Interview
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Konzert-Bericht

Mehr über Cindy Bullens:
Tonträger

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