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The Stands

Köln, Gebäude 9
30.03.2004

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The Stands
An der Musik scheint es also doch nicht zu liegen, ob eine Gruppe erfolgreich ist oder nicht. Vor nicht ganz einem Monat spielten die Stands im Vorprogramm der Jets im ausverkauften Bürgerhaus Stollwerck in Köln - und schienen dort auch allgemein zu gefallen. Ihre Mischung aus Byrds-Westcoast-Sound und Liverpooler Augenzwinkern ist ja auch bestens geeignet, im Live-Kontext zu begeistern. Und so wunderte es wenig, dass die Jet-Fans damals kein Problem mit der Retro-Action hatten, die Howie Payne und seine Mannen auf der Bühne veranstalteten. Warum dann allerdings nicht wenigstens ein Bruchteil der Stollwerck-Klientel auch den Weg in's Gebäude 9 fand, ist eigentlich nur noch mit dem Umstand zu erklären, dass die Jets und nicht die Stands in einem Handy Werbespot als Soundtrack laufen. Denn wirklich schlechter geworden sind sie in dem Monat definitiv nicht.
Eher wirkten sich die ernüchternden Besucherzahlen und die unerklärlich lange Wartezeit, die im Gebäude 9 ohne erkennbaren Grund vorgegeben wurde, hinderlich für einen wirklich gelungenen Konzertabend aus. Eingehüllt von gewaltigen Kunsteis-Schwaden, die für eine echte Rock'n'Roll-Truppe natürlich dazugehören, schlichen sich die Stands erst kurz vor 10 auf die Bühne und legten dann auch gleich los. "She Speaks O'Those Things" läutete das Set ein - und gehörte nicht zu den Stücken der Debüt-CD "All Years Leaving" - was für eine neue Band natürlich cool ist. Doch Howie Payne, das verriet er uns en passant, ist ja auch ein alter Hase, der schon so einige Stationen im Rock-Biz durchlaufen hat. Deswegen weiß er auch etwas davon, wie man sich auf der Bühne verhalten muss. Z.B. indem man seine Tracks nicht einfach bloß so runternudelt, sondern in "ordentlichen" Live-Versionen darbietet. Dieses Rezept ist natürlich für eine spielfreudige, hungrige, junge Band genau das Richtige. Besonders Howie und Steve Pilgrim, der hinter den Drums das Tier gab, hatten sichtlich Freude daran, sich immer wieder gegenseitig anzufeuern und zu duellieren. Das reichte dann bis hin zum originären, halbpsychedelischen 60s Drumsolo. Aber: Im Vergleich mit dem Konzert im Bürgerhaus wirkte das im Gebäude 9 eine ganze Nummer preiswerter und gebremster. Weder saßen Howies Gitarrensoli dort, wo sie sollten, noch hatten die o.a. Exkursionen das richtige Timing. Was das letztlich aussagt, ist aber lediglich, dass auch Musiker wie The Stands von Stimmungen und der allgemeinen Atmosphäre abhängig sind. Weniger verzeihlich war da schon, dass die Jam-Session-Elemente bei lediglich genau zwei Stücken zum Einsatz kam - bei "Always The Same" und dem zuletzt gespielten Track, "The Way She Goes", der schon auf Konserve so angelegt ist. Der Rest wurde dann eher im Schnelldurchlauf durchgehetzt. Gerade knackige Hits wie "It's Only Everything" hätte man gerne länger gehört. Indes bemühten sich die Stands durchaus, Variation in ihr Tun zu bringen: Zu "Shine On", das im Folgenden solo dargeboten wurde, wechselte Payne zur akustischen Gitarre, später schnallte er sich noch eine Mundharmonika um und "Some Weekend Night" geriet zu einem überraschend rockigen Stakkato-Track, den z.B. auch die frühen Kinks nicht besser hinbekommen hatten. So etwas relativierte dann auch den Eindruck, dass die Stands bloße Byrds-Apostel seien, den man noch im Stollwerck hätte gewinnen können (immerhin spielte ja bloß Gitarrist Robbie Rickenbacker - und das auch nicht durchgängig). Dann war das Konzert - nach ungefähr 60 Minuten - aber auch bereits wieder zu Ende. Zwar gab es noch eine Zugabe - eine recht überzeugende Version von "The Weight", dem Band-Klassiker, bei dem besonders die perfekten Harmoniegesänge der Stands noch einmal begeisterten - aber letztlich ist das für eine Band mit dem Potential der Stands doch ein wenig dünnblütig (Denn Material hat Payne wohl noch genug auf Lager). Letztlich war dies keine schlechte Show, die aber durch wenige Zutaten - ein paar freundliche Worte ans Publikum, eine weniger starr geplante Setlist, ein wenig mehr Spontaneität an geeigneter Stelle - noch wesentlich besser hätte sein können. Aber die Stands haben ja gerade erst angefangen. Jedenfalls gehören sie trotz allem mit zu den Besten der momentan angesagten "The"-Bands und wissen durchaus als lebhafte Live-Truppe zu überzeugen.


The Stands
NACHGEHAKT BEI: THE STANDS

Vor dem Konzert traf sich der Gaesteliste.de-Korrespondent noch mit Howie Payne, um ein paar grundlegende Dinge zu klären... GL: Woher kommt eigentlich die Routine, die Howie Payne und seine Band da auf der Bühne so hemmungslos ausleben?

HP: "Ich war vorher schon in einigen Bands, ich habe alles mögliche gemacht. Ich war in einer Garagen-Band, die so eine Mischung aus Velvet Underground und MC5 gemacht hat - kreischen, schreien, auf der Bühne herumrollen - so was in der Art. Wenn du sowas dann mal gemacht hast, schaust du dich nach etwas anderem um. Dann habe ich Folk-Sachen gemacht und schließlich war ich dann zusätzlich in einer Band, in der ich nicht der Songwriter, sondern der Gitarrist war. Das war ein Soul Band, die so in Richtung Terry Callier, Bill Withers oder Curtis Mayfield gearbeitet hat. Was ich hier gelernt habe, war eine Art Erleuchtung. Du meinst nämlich immer, das sei eine laute Musik - James Brown und so. Das ist es aber nicht. Auf der Bühne kommt es hier auf gute Grooves an und nicht auf Lautstärke. Gleichzeitig Folk und Soul zu spielen, führte dann zu dem generellen Feeling, das bei unserer Scheibe vorherrschte. Es geht darum, nach dem Groove und der Melodie zu suchen, und nicht darum, laut zu spielen."

GL: Ist das dann musikalisch die beste aller Welten?

HP: "Zur Zeit der Aufnahmen war es das, ja. Aber natürlich veränderst du dich musikalisch doch recht schnell. Was ich wollte, war die Aufnahmen wie ein Heim-Video erscheinen zu lassen, bei dem du der Band im Studio zusiehst. Wir haben also fast alles live eingespielt. Wenn ich mir die Scheibe anhöre, höre ich das auch raus und denke, dass das in diesem Sinne auch eine gute Scheibe ist. Das heißt aber nicht, dass ich sie mir jeden Tag anhöre. Ich habe also bereits damit begonnen, an neuen Songs zu arbeiten - wobei ich nicht weiß, was das sein wird. Ich versuche immer zu variieren: Mal ein Shuffle, mal ein Walzer, mal ein Rock'n'Roll Song, mal eine Polka... was immer dem Song nutzt, werde ich machen."

GL: Wenn man heutzutage eine Gitarrenband gründet, dann muss man sich ja wohl darüber klar sein, dass es diesbezüglich schon alles gegeben hat, nicht wahr?

HP: "Also da gibt's zwei Dinge: Du musst es mit dem Herzen machen und du darfst keinen Gedanken daran verschwenden, dass du wie andere Gitarrenbands klingen könntest. Es geht für mich immer um die individuellen Ausdrucksmöglichkeiten. Mag sein, dass ich wie ein anderer Sänger klinge, mag sein, dass die Harmonien und Riffs in einem Song ähnlich klingen wie in einem anderen. Aber ich habe mich bestimmt nicht so gefühlt, wie diese andere Person, als ich diesen oder jenen Song schrieb."

GL: Wo sieht Howie denn seine Liverpooler Wurzeln in der Band repräsentiert? (Wenn man mit ihm spricht, dann hat man zuweilen den Eindruck, John Lennon zuzuhören).

HP: "Ich bin niemand, der an Grenzen glaubt, ich sehe mich also nicht als englischer oder britischer Künstler oder so was. Ich denke aber, dass es einen spezifischen Liverpooler Sound gibt, den wir alle irgendwie erben..."

GP: Der Klang des Basses vielleicht?

HP: "...ja, das ist so eine Sache. Es geht um Melodien und Harmonien. Die bekannteste Band aus Liverpool waren natürlich die Beatles. Mich fragte mal jemand, warum denn alle Bands aus Liverpool wie die Beatles klingen. Ich meinte dazu, dass das umgekehrt sei und das die Beatles wie eine Liverpooler Band geklungen haben. Das ist dieses Ding. Ich habe aber auch eine lange Zeit in New York gelebt, wo ich viel HipHop und Latin und Soul gehört habe. Ich habe meine musikalische Erziehung in New York genossen - und das macht sich dann auch in meiner Musik bemerkbar. Ich denke, in dem Sinne ist 'All Years Leaving' so etwas wie ein transatlantisches Album..."

GL: Und warum heißt die Band The Stands - einmal abgesehen von der Tatsache, dass das eines der wenigen verbleibenden einsilbigen Worte ist, das in der englischen Sprache für so etwas noch übrig war?

HP: "Das ist wahrscheinlich der Hauptgrund! Nein, ich denke, es ist wegen einer Band namens The Standells aus den USA, die ich gerne mag. Und ich mag Bands mit The's und 'S' im Namen wie bei den Stones und so. Jedenfalls stehen wir weder für eine Sache ein, noch darauf, wenn du das meinst..."

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Surfempfehlung:
www.the-stands.com
Text: -Ullrich Maurer-
Fotos: -Ullrich Maurer-


 
 

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