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Konzert-Bericht
 
Unzivilisierte Songs

Gus Black

Köln, Yard Club
02.05.2004

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Gus Black
Die einzige Möglichkeit, Dick Cheney, den amerikanischen Vizepräsidenten loszuwerden, sei Bush abzuwählen, meinte Gus Black bei seinem Konzert im Kölner Yard Club. Das habe er ganz genau durchdacht. Denn Cheney sei vermutlich ein Android, den man nicht umbringen könne. Der Mann habe fünf Herzinfarkte überlebt. Und sogar seine (Gus') Mutter, die jeden Abend einen Six-Pack getrunken habe, sei letztendlich gestorben. Nun ja: Eine seltsame Art von Humor hat er ja schon, der Gute. Man sah ihm dann aber auch an, dass ihm das irgendwie peinlich war und es war auch der einzige Ausbruch in dieser Richtung, da in dem Moment eine Saite seiner Gitarre gerissen war, und er die Pause überbrücken musste, in der ein hilfreicher Mensch ihm diese wieder aufzog.
Nein - ein besonders lockerer oder impulsiver Interpret ist Gus Black nicht wirklich - aber dafür ein sehr guter. Solo, nur mit der akustischen Gitarre, einer elektrischen und einer kleinen Höllenmaschine, auf der diverse vorfabrizierte Sequenzen zu finden waren, stellte sich Black der Aufgabe, die Songs seines eigentlich üppig und poppig arrangierten aktuellen Albums "Uncivilized Love" vorzutragen. Und diese Aufgabe meisterte er dann auch ziemlich beeindruckend. Das lag weniger an den Songs - diese sind eher solider, guter Durchschnitt -, sondern an Blacks Bühnenpräsenz und der Art, jedes Stück mit absoluter Inbrunst und Hingabe vorzutragen. Dabei hilft es natürlich, dass Black ein beeindruckender Sänger mit einem unglaublichen Stimmvolumen ist. Gerade die Tracks, bei denen sich die Begleitung auf ein Minimum reduzierte, und bei denen seine Stimme nahezu nackt im Raum stand, gerieten dabei zu den Höhepunkten der Show. Als Beispiel mag hierfür seine Cover-Version von Sabbaths "Paranoid" (er erzählte uns ja mal von seiner Schwäche für klassischen Hard Rock), dass er - wie später "Don't Fear The Reaper" als elegische Ballade vortrug. Hier riss zum zweiten Mal eine Saite seiner akustischen, was er dadurch überbrückte, dass er - während er sich die elektrische umschnallte, einfach ohne Begleitung weitersang und dabei wahrlich keine schlechte Figur machte. Beim besagten Blue Oyster Cult-Stück bezog er dann auch noch das Publikum ein, das - zunächst zögerlich, dann aber mit Begeisterung - die Titelzeile weitersang, während Black dazu ad-libte. Doch natürlich gab's vorwiegend eigene Tracks zu hören. Dabei zeigte sich, dass Black nicht alle der Tracks als persönliche Kabinettstückchen betrachtet, sondern einigen - wie "Violent Rain" z.B. - durchaus auch politische Dimensionen beimisst. Obwohl Black nun wirklich kein Plauderer vor dem Publikum ist, ließ er sich hierbei doch zu ein paar Bush-Attacken hinreißen. Black - und dies war eine weitere Erkenntnis des Abends - ist zudem ein cleverer Songwriter, der mit seinem Möglichkeiten bewusst hausieren geht. Dies bedeutet: In den sanfteren Passagen sich auf seine Stimme verlassend und ansonsten das Heil in der Flucht nach vorne suchend - was sich in kräftig geschlagenen, simplen Akkorden äußerte, die zuweilen - wie im Falle des älteren Stückes "Gravity" von seiner zweiten Scheibe "Word Of Mouth Parade" - das Ganze auch trugen. Andererseits ist das aber erklärlich, denn ein besonders einfallsreicher Gitarrist ist Gus eben nicht. Das zeigte sich am uninspirierten Geschrammel auf der elektrischen Gitarre ebenso, wie bei dem uninspirierten Geplänkel zu den per Harddisk eingespielten Background-Sounds (insbesondere bei dem Gag-Stück "Debut", auf dem sein Söhnchen brabbelt und zu dem er seiner akustischen Gitarre bloß ein paar schräge Piepser entlockte). Doch das braucht's ja auch nicht. Gus Black ist schließlich kein Poser, sondern ein Songwriter. Und zwar ein recht konsistenter.

Anstatt sich voll und ganz auf sein aktuelles Werk zu verlassen, spielte er nämlich ziemlich viele Stücke seiner beiden ersten CDs, die er noch unter dem Namen "Gus" veröffentlichte. Diese sind mittlerweile nicht mehr zu bekommen, da das Label kollabierte, und deswegen hält Gus die Stücke auf diese Weise am Leben. Sowohl die alten, wie auch die neuen Stücke ergeben dabei eine durchaus nachvollziehbare Einheit, die Gus wirklich als Mann mit einer eigenen Stimme definieren - und das, obwohl die Stücke selber, wie schon angedeutet, eher unauffällig daherkommen. Das das Ganze dennoch glaubwürdig, mit einer gewissen Selbstverständlichkeit und im gewissen Sinne im Stile klassischer Vorreiter daherkam, zeichnet Gus Black also auch als in sich ruhenden, ziemlich selbstsicheren Interpreten aus, der genau weiß, was er will, kann und darf. Letztlich waren also sogar die schon erwähnten, eingespielten Passagen wie bei "Cadillac Tears" eher unnötig: Gus pur ist - zumindest als Performer - der wahre Deal (Was nicht heißen soll, dass seine Scheibe schlecht ist - es ist halt bloß ein anderes Ding). Unzivilisiert waren seine Songs bloß in dem Sinne, als dass er diese hier auf's Wesentliche reduzierte und sich ab und an kleine Unebenheiten - wie z.B. das Gitarrengefrickel und gelegentlich gerissene Saiten und die damit verbundenen Kunstpausen - einschlichen. Fazit: Auch wenn Gus, der Perfomer, sich eher als spröder und ungelenker Typ offenbarte, wurde dies durch seine Qualitäten als Songschmied, Sänger und Interpret mehr als aufgewogen. Dies war ein klassischer, angenehmer Songwriter-Abend auf einem durchgängig angenehmen Level, der ganz ohne Durchhänger oder negative Überraschungen auskam. Und das ist schon viel wert.

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Surfempfehlung:
www.gusmusic.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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