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Stärker als die CDU

The Singles
Locas In Love

Köln, Underground/ Essen, Grend
03.05.2004/ 08.05.2004

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The Singles
Zugegeben: Der Titel dieses Artikels stammt natürlich nicht von den Singles, sondern von unseren Redaktions-Schnuckis, den Locas In Love (Sinngemäß hieß es: "Gemeinsam sind wir stärker als die CDU" - was ja gewissermaßen zum Nachdenken anregt, gell?). Aber immerhin geht es ja auch darum, deren von Gaesteliste.de präsentierten Tour zu featuren. Also: Kölns hoffnungsfrohste Under-Radar Band präsentierte sich übersichtlich, gut motiviert und mit neuem Drummer (Mauritio heißt der junge Mann mit der eklektischen Gesichtsbehaarung) und präsentierte neben einigen Klassikern der "Apokalypse"-Kategorie natürlich auch Songs des am längsten demnächst erscheinenden, kommenden Debüt-Albums Deutschlands. Und das in einer erstaunlich munteren Form. Bassistin Stefanie hatte mindestens zwei neue Instrumente im Gepäck und spielte wie ausgetauscht drauflos.
Das hatte nun gar nix mehr mit dem eher spröden Minimal-Approach zu tun, den man bislang aus dieser Richtung gewohnt war. Mauritio - der einzige, dem an diesem Abend nichts kaputt ging und alles gelang (wie Gitarrist Niklas nachher meinte) - marschierte auch eine Idee strammer los, als das Kurt Kreikenbom, sein Vorgänger, tat (der momentan an einer eigenen neuen Scheibe bastelt und deswegen nicht mehr dabei ist). Letztlich war es dann wieder mal die Songauswahl, die überrascht aufhorchen ließ. Nachdem es mit einer Kunstrock-Einleitung losging, die auf die Locas-übliche, gernresprengende Art in das Surf-Rock-Spektakel "Lemmy Caution" überging, folgten abwechselnd neue und alte Stücke - allerdings keine Balladen. Dafür war einfach keine Zeit. Sänger Björn versuchte das auch den bis dahin ungefähr 12 anwesenden Zuschauern zu erklären (das Konzert begann zu einer Zeit, in der ordentliche Discogänger noch beim Frühstück sitzen), gab dann jedoch ernüchtert auf. Egal: Es folgte dann z.B. "I'm Not Like Everybody Else" von den Kinks mit angedeutetem Disco-Rhythmus. Irgendwie haben die Locas die Musikhistorie schon richtig verstanden und überraschen immer wieder mit erstaunlichen, aber letztlich logischen Querverweisen dieser Art. Auch z.B., wenn sie beim letzten Stück der Show, dem polternden Moe Tucker vor niemand anderen als Velvet Underground den imaginären Hut ziehen. Natürlich auf die ureigene Locas-Manier und in deutsch - das (englische Titel und Texte hin oder her) immer noch die Sprache der Wahl ist und z.B. im von Björn und Steffi als solchen vorgetragenen "Dialog" den Ton angibt und zuweilen - wie beim hektisch gebrüllten Punk-Intro zu "Rette unsere Seele" auch schon mal als Waffe eingesetzt wird. Letztlich war dies wieder eine Locas-Show, wie man sie sich wünscht (natürlich auch mit Haken, Ösen und schrägen Akkorden). Die Frage bleibt, ob man sich auch wünschen sollte, dass Steffi jetzt auch noch gesanglich zum Bass-Spiel aufschließen sollte, oder nicht. Eher nicht, denn irgendwo darf ja auch ein bisschen naiver Charme nicht fehlen, oder?

The Singles aus Detroit wurden von Björn unter anderem als "fantastische Tänzer" angekündigt. Waren sie auch. Und zwar Traumtänzer. Denn die unschuldige Art, in der sie hemmungslos die frühen 60er heraufbeschworen, kann man schon nur als idealistisch bezeichnen. Jeder Inch der Singles bat quasi darum, mit den frühen Beatles verglichen zu werden. Eine Band, so Sänger Vince spaßvogelhalber, die man gerade erst entdeckt habe. Tun wir den Jungs also den Gefallen: Im Vergleich zu den Starclub Beatles schnitten The Singles - nun ja, wie soll man sagen - eher besser ab. Zumindest in der Hinsicht, dass sie hier ja ihr eigenes Material spielten und auch eine Nummer sortierter zur Sache gingen, als die Jungs von der Reeperbahn. Der Sound indes - mit Aldi-Bass und Rickenbacker-Gitarren - kam der glorreichen goldenen Zeit des Schepper-Rock schon ziemlich nahe und die Harmoniegesänge von Vince, Bassist Dave Lawson und Drummer Dave Kepp kamen vergleichsweise treffgenau. Mersey war das indes nicht. Dafür gab's dann aber z.B. Buddy Holly oder Beach Boys Referenzen. Es gibt da eigentlich nur ein Problem: Die Beatles entwickelten sich ja nachher doch ein wenig weiter. The Singles aber scheinen angetreten, bis in alle Ewigkeiten Songs dieser Art in die Welt zu setzen (zwei CDs pro Jahr ist das Ziel). Es wird interessant zu beobachten sein, wie lange sie das durchhalten. Denn: Alle Tracks des Sets stammten von der Debüt CD "Better Than Before". Wie damals üblich, beschränken sich die Jungs auf schnelle, knappe Popsongs, die selten länger als drei Minuten sind. Weil man sich längere aufgrund der knappen Aufmerksamkeits-Spannen nicht merken könne, so Vince spielerisch. Eigentlich haben die Singles also quasi nur einen einzigen Song, den sie dann aber immer wieder neu variieren. Langeweile kam jedenfalls zu keiner Sekunde auf. Was auch daran lag, dass sich die Band bemühte, die Tracks noch schneller, lauter und hektischer zu spielen, als auf der CD. Und mit Extras anzureichern: So gab es ein echtes Drumsolo, den Titelsong in Detroit-Deutsch ("Besser alsoowoa" (= "als zuvor")) und zur Zugabe drei neue Stücke. Seltsamerweise spielte die Band diese als Trio, während der Gitarrist Will Yates, der beim Konzert eh bloß stumm und steif in der Ecke gestanden hatte und keineswegs seinem nominellen Ruf als Leadgitarrist nachkam, hinten blieb. Letztlich waren sich die dann immerhin doch ca. 50 Anwesenden einig: Schön, dass es Bands wie The Singles, die sich um aktuelle Trends so gar nicht kümmern und ein ganzes Konzert in Anzügen spielen (in denen sie schwitzten, wie jeder andere, obwohl sie doch so cool sind, wie Vince meinte) überhaupt noch gibt - und daß diese sogar auf Tour gehen...

Von der (verständlichen) Nervosität, die der Band bei ihrem ersten Deutschland-Konzert in Köln noch anzumerken gewesen war, spürte man fünf Tage später beim Gastspiel im RuhrgeBEAT kaum noch etwas. Was mitunter auch daran lag, dass in der Essener "Provinz" sogar ohne zusätzliche Vorgruppe mehr Menschen den Weg zu den Singles gefunden hatten als in der Metropole mit dem Dom. Dementsprechend enthusiastisch ging die Band von der ersten Minute an zu Werke, und sogar Leadgitarrist Will legte nach einigen Songs das stille George-Harrison-Image ab und steuerte des Öfteren sehr brauchbare Soli (und Tanzeinlagen) bei. Dass Vince versuchte, größtenteils auf Deutsch mit dem Publikum zu kommunizieren, war zwar charmant, aber eigentlich unnötig. Immerhin reichte die Erfahrung von einer Woche Deutschland-Tour, um die deutsche Fassung von "Better Than Before" nun etwas akzentfreier rüberzubringen. Dem Publikum gefiel das sichtlich (und hörbar). So sehr sogar, dass es die vier Herren aus Detroit - nach ihren üblichen drei Zugaben-Nummern - ein weiteres Mal auf die Bühne zurückholte. Da das Quartett allerdings sämtliche eigene Nummern - die logischerweise auch in Essen mit allen schon in Köln auffälligen Vor- und Nachteilen behaftet waren - schon gespielt hatte und zum Glück nicht auf die 80er-Jahre-Unart zurückgriff und einfach Songs wiederholte, gab es ganz zum Schluss noch eine Nummer zu hören, mit der sich die Band für gewöhnlich im Proberaum warm spielt. Ein Song zudem, mit dem The Singles alle vorher so schön aufgebauten Beatles-Vergleiche in rund drei Minuten zerstörten: Sie coverten nämlich "Jumpin' Jack Flash" von den Rolling Stones und das - obwohl hörbar ungeprobt - gar nicht einmal schlecht. Nach der Show erzählte Vince Gaesteliste.de dann auch, dass der Auftritt in Essen neben dem in Frankfurt das Highlight der bisherigen Tournee gewesen sei und dass sie schon bald wiederkommen wollen. Darauf darf man sich in der Tat freuen!

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Surfempfehlung:
www.thesingles.us
www.locasinlove.de
Text: -Ullrich Maurer (K) / Carsten Wohlfeld (E)-
Foto: -Ullrich Maurer-

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