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Ready, Aim, Fire!

Big John Bates & The Voodoo Dollz
Bad Reputation

Köln, Underground
04.05.2004

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Big John Bates
Wenn Big John Bates aus Vancouver, Kanada, in Köln auftaucht, findet sich ja quasi immer geschlossen die ganze Punkabilly-Szene ein, um dem Meister (oder zumindest seinen Voodoo Dollz) zu huldigen. Das muss dann damit erkauft werden, dass eine lokale Band aus der Szene das Vorprogramm macht. In dem Fall waren dies Bad Reputation, eine kompromisslos stumpfsinnige Heavy-Metalbilly-Truppe, die nicht nur so aussah, sondern auch so spielte als sei sie direkt vom Kampftrinken auf der Domplatte eingelaufen. Hier durfte man tatsächlich eine mal eine Band erleben, die es darauf anlegte, keinen Applaus zu bekommen (Also nicht etwa dieses schüchterne Klatschen verunsicherter Einzelner, sondern rein gar nichts). Leider ließen sich die Jungs dadurch nicht bremsen, sondern zogen ihr unsägliches, inhaltlich und musikalisch bodenloses Programm gnadenlos durch. Zum Glück gab's nach einer erfreulich kurzen Umbaupause dann aber gleich die wahre Droge.
Zur Feier der Tour hatte sich Big John zwar eine blonde Frisur zugelegt - das war dann aber auch der einzige Unterschied zum letzten Besuch. Ansonsten gab's die gewohnte Packung: Die schnellste Gretsch in the West, ein von dem aus Liverpool importierten Drummertier Little Bastard virtuos bedientes, wirklich schweißtreibend dahingalloppierendes Schlagwerk und die von diversen Bauchtanzpausen unterbrochenen, wieselflinken Bass-Attacken der wilden sCare-oline. Neues Material war eher spärlich gesät: Dies war bereits die zweite Tour zur "Mystiki"-CD, die ja jetzt auch schon einige Jährchen auf dem Buckel hat. Doch so funktioniert das ja auch alles nicht. Big John Bates ist weniger ein Recording Artist, als vielmehr ein musikalischer Wanderzirkus der besonderen Art. Live kommt das, was Big John und seine Mitstreiter da treiben, ja auch immer viel knackiger und härter rüber, als auf dem geduldigen Tonträger. Was braucht Big John auch neue Scheiben, wenn er statt dessen zum Beispiel jedes Mal neue Voodoo Dollz mit dabei hat? In dem Fall waren dies Jailbait Jenny und Rowdy Rosie. Im Vergleich zu den letzten Vodoo Dollz erschienen diese wesentlich lebhafter und weniger abgeklärt - was natürlich unwichtige Details sind, da auch diese Dollz die Tendenz hatten, sich in schönster Burlesque-Manier bis zu einer gewissen Grenze die Kleider vom Leibe zu reißen. Ein neuer Song Big Johns heißt "Burlesque Is Dead" - was sicherlich für die klassische Burleske gilt (www.musicals101.com/burlesque.htm). Jedoch bemüht sich der Kanadier und seine Truppe ja nach Kräften, diesem Trend entgegenzuwirken. Das Rezept ist relativ simpel und wurde von John folgendermaßen erklärt: Abhängig von der Jägermeister-Zufuhr gibt es mehr oder weniger Songs mit mehr oder weniger Voodoo Dollz. Da im Underground eine ganze Flasche Jägermeister im Umlauf war, gab's von beidem ziemlich viel.

Eine richtige Setlist brauchten Big John & Co. nicht - auch deswegen, weil sie ständig aus demselben Pool von Songs schöpfen. Neben den Tracks von den eigenen Scheiben - wobei die von "Mystiki" überwogen - waren es vor allen Dingen die Cover-Versionen, die musikalisch am spannendsten erschienen: "Tainted Love", "White Wedding", "Too Drunk To Fuck" von den Dead Kennedys oder "Goo Goo Monk" von den Cramps, Big Johns Lieblingsband (zu Ehren des kürzlich verstorbenen Szene-Kings Ray Condo) gehörten sicherlich zu den Höhepunkten der Show. Johns eigene Stücke hingegen klingen, als seien sie 1:1 aus irgendwelchen Pulp-Fiction Novels zusammengeklaubt (was sie wahrscheinlich auch sind). "Kitten With A Whip" oder "Whiplash" z.B. wurden von den Voodoo Dollz entsprechend anschaulich illustriert (teilweise unter Mitwirkung des Publikums), "Gothsylvania" ist sCare-olines Themensong, "Mama Made Me A Monster" der für Little Bastard, "Tombstone Twist" oder "Crankenstein" sind Blueprints für jene Sorte des elektrifizierten Psychobilly, der sich Big John verschrieben hat, seit er auf die Cramps gestoßen ist. Er selbst bezeichnet dies übrigens als "Canadian Western Swing", was aber die Sache eher unzureichend beschreibt. Es gab jedenfalls auch bei dieser Show "Bump & Grind" bis zum Abwinken (übrigens witzigerweise Begriffe, die in der Burlesque-Szene entstanden). Über mangelnde Energie konnte man sich wahrlich nicht beklagen. Eher schon darüber, dass keine Sekunde das Tempo zurückgenommen wurde und der Voodoo Aspekt an diesem Abend dann - trotz gelegentliche Feuerwerfereien der Dollz und des einen oder anderen Bauchtanzes von sCare-oline - dann doch ein wenig zu kurz kam. Aber was soll's: Es wird wohl kaum jemanden gegeben haben, der hier nach subtilen Zwischentönen, Kontext oder einem Leben jenseits des Rockabilly gesucht haben dürfte. Was blieb, war wiederum lediglich die Frage, wo ausgerechnet die jüngeren Rockabilly Fans - von denen es in Köln ja auch eine Menge gibt - an diesem Abend gewesen sein mögen.

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Surfempfehlung:
www.bigjohnbates.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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