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Konzert-Bericht
 
Storyteller Blues

Chris Eckman

Köln, Yard Club
13.05.2004

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Chris Eckman
Es gab einmal Zeiten, da betätigte sich Chris Eckman als Geschichtenerzähler, der die Songs mittels großartiger, unterhaltsamer Anekdoten erläuterte und ankündigte. Bei seinem offiziellen Debüt als alleinunterhaltender Entertainer (vorher gab's nur einen diesbezüglichen Support Slot für die Willard Grant Conspiracy und die "Generalprobe" beim Orange Blossom Festival) verzichtete er beinahe ganz darauf und ließ seine Songs selber erzählen. Das wirkte: Man hätte das ganze Konzert über Stecknadeln fallen hören können, so dermaßen gebannt hing das Publikum an den Lippen des Storytellers Eckman - so dass dessen Einstand als Solo-Künstler in der Tat als recht gelungen bezeichnet werden durfte.
Zwar verriet er nachher, dass er sich das alles nicht so schwer vorgestellt habe, und das es doch ein ganzes Stück Arbeit gewesen sei - davon war aber beim Konzert kaum etwas zu bemerken. Eckman ist ja - zumindest auf der Bühne - sowieso kein richtiger Schotenhauer und da passte es dann auch, dass er eher ruhig, konzentriert und unaufgeregt zu Werke ging. Die ganze Show schien eh unter dem Motto "weniger ist mehr" zu stehen. Zum Beispiel verzichtete Chris dankenswerter Weise auf den Einsatz seines Line 6 Multieffektgerätes, dem er bei bisherigen Versuchen dieser Art immer exzessiv zugesprochen hatte. Bis auf eine Gelegenheit, als er sich bei einer treibenden Version von "Grand Theft Auto" selber sampelte, um darüber ein paar Soli zu spielen, verwendete er seine Höllenmaschine nur, um ein wenig Reverb auf die Gitarre zu legen. Ansonsten gab es, wie gesagt, Eckman pur: Mit stets geschlossenen Augen arbeitete er sich durch eine gesunde Mischung alter Walkabouts, Chris & Carla und Chris Eckman Solo-Tracks - die er übrigens nur vereinzelt mit den Stücken seines "offiziellen" Solo-Albums "The Black Field" würzte. Das hatte natürlich seinen Grund: "Stopping Off Place", "Death At Low Waters", "Straight To The Stars", "Life: The Movie" oder Willie Nelsons "How Time Slips Away" sind Stücke, die man in zahlreichen Versionen und bei ebenso vielen Gelegenheiten bereits kennengelernt hatte - da war es dann von Interesse, die Songs als solche zu entdecken - ganz ohne Brimborium und nahezu nackert. Und eben auf die Geschichte reduziert. Was manchmal zu interessanten Erkenntnissen führte: "Ich spiele jetzt mal eines der drei oder vier Liebeslieder, die ich jemals geschrieben habe", kündigte Eckman den Song "Crystalline" von "The Black Field" an. Und da wurde es dann auf einmal deutlich, dass die meisten der Walkabouts-Tracks sich tatsächlich eher mit Mord, Verlust, Trauer oder politischen Zuständen befassen (wie z.B. das auf Zuruf dargebotene "Inauguration Day") und eben nicht mit der Liebe. Nun ja, irgendwo muss der Ruf der Walkabouts als große Melancholiker ja auch herkommen (Sind wir mal gespannt, wie die nächste Scheibe ausfallen wird, die Chris, der jetzt ja auch sein Lebensglück gefunden hat, ja wieder als Rock-Scheibe konzipieren will). Noch einen interessanten Gedankenanstoß gab es: Ob denn alle Nietzsche gelesen haben, fragte der Philiosophiestudent Chris Eckman das Publikum, denn Nietzsche habe die Theorie aufgestellt, dass man dazu verdammt sei, immer wieder dieselben Fehler im Leben zu machen - weswegen man diese Aufgabe auch ruhig akzeptieren solle. Dieses brächte ja für einen Songwriter, der in seinen Songs bestimmte Momente einfinge, gewisse Probleme mit sich. Und deswegen sei es ihm ein Anlegen darauf hinzuweisen, dass er das, was er in seinen Songs vortrüge, nicht notwendigerweise immer auch noch empfände (z.B. in bezug auf "Other Side Of Night"). Wem das zu anspruchsvoll war, der konnte sich dann sicher eher schon mit der Aussage anfreunden, dass Eckman "Satisfied Mind" allen Songwritern widmete - besonders jenen, die verstorben sind, wie Townes Van Zandt, Johnny Cash oder Mickey Newbury, und die eine große Lücke hinterlassen haben, die durch nichts mehr geschlossen werden könne.

Subtile musikalische Höhepunkte der Show waren z.B. - neben dem bereits erwähnten "Grand Theft Auto" - "Fadista" das traurige Lamento, mit dem Chris den Tod des Fado, der portugiesischen Folk-Variante beklagt, und wo er als einfühlsamer, exzellenter und dennoch vollkommen unspektakulärer Gitarrist überraschte, die Buzzcocks Cover-Version "Why Can I Touch It", die er seinem Freund Peter von S.Y.P.H. widmete, das selten vorgetragene "Up In The Graveyard" - eines der wenigen ruhigen Stücke von "Setting The Woods On Fire" oder "Glad Nation's Death Song", das Chris als Zugabe spielte und bei dem er - im Gegensatz zum eher getragenen Tempo des Abends - so richtig Gas gab. Chris Eckman präsentierte sich bei dieser Show als bemerkenswert abgeklärter Performer - ganz im Stile seines verstorbenen Freundes Townes Van Zandt - und überzeugte dadurch, dass er eben nicht zu beeindrucken suchte. Das Einzige, was ein wenig Wehmut auslöste, waren die Stücke auf der Setlist ("Villiers Terrace", "Supergirl" oder "Findlay's Motel"), die er leider NICHT gespielt hatte. Doch der Mann ist ja nicht weg von Deutschlands Bühnen!

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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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