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Andy intim

Andy White

Solingen, Tom Bobadil
19.05.2004

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Andy White
Das Tom Bombadil ist eine Kneipe im Solingischen, in der ab und an weltenbummelnde Troubadoure (wie z.B. Andy White) einkehren, um der staunenden Laufkundschaft ihr Können darzubieten. Das Bombadil ist zwar idyllisch gelegen und charmant eingerichtet, hat aber keinen Biergarten - dafür aber einen Nachbarn, der sehr genau auf den ordnungsamtlich beglaubigten Tonpegel achtet. Nicht die besten Voraussetzungen also, um bei schönem Vorvatertags-Wetter ein Konzert zu geben. Andy lässt sich von solchen Unbilden ja nicht so leicht aus der Fassung bringen - als er erfährt, dass obendrein an dem Abend noch ein Uefa-Cup-Spiel im Fernsehen läuft, legt sich seine Stirne dann aber doch in Sorgenfalten. Auch ein Künstler seines Schlages - der es als waschechter Songwriter von altem Schrot und Korn gewohnt ist zu darben - weiß, dass Fußball, schönes Wetter UND kein Biergarten eine denkbar ungünstige Kombination für vortragende Artisten ist.
Und so wunderte es denn auch nicht, dass Andy zunächst einmal alle Anwesenden namentlich begrüßen konnte - es hatten halt nur die ganz hartnäckigen den Weg ins Solingische gefunden (obwohl das Bombadil wesentlich einfacher zu finden ist, als manch andere Lokalität dortselbst). Zum Glück kam dann doch noch ein wenig Laufkundschaft hinzu, so dass gegen Ende immerhin - ähem - 20 Personen dem Ereignis beiwohnten. Allen anderen sei gesagt: Selber schuld! Denn Andy spielte zu dieser Gelegenheit immerhin sein komplettes neues Album "Boy 40". D.h. fast: "Trying To See God" musste ausfallen, weil es zu laut gewesen wäre. Denn Andy hatte neben seiner allgegenwärtigen 12-saitigen Akustikgitarre noch ein Effektpedal und einen Mini-Disc Recorder mitgebracht, auf dem er diverse Sound-Tracks von den Aufnahmesessions abgespeichert hatte, um diese ggf. zuzumischen. Darunter auch Drumloops u.ä. - was wegen des stirnrunzelnden Nachbarn indes leider auf ein Mindestmaß begrenzt werden musste. Ansonsten gab es aber nichts, was den Fans gefehlt hätte - zumindest solchen Fans, die sich nicht nur für einen verklärten Blick auf die Vergangenheit interessieren. Denn Andy ist einer der Songwriter, die eben nicht ständig zurückblicken. Jedenfalls nicht auf seine eigene musikalische Geschichte. Die neue CD hat er z.B. - im Gegensatz zu opulenten Angelegenheiten wie z.B. das selbstbetitelte Album - quasi im Alleingang eingespielt, um mal etwas Neues auszuprobieren, und hierbei unter anderem mit Electronics und Drumloops experimentiert. Das nächste Album wird mit Sicherheit wieder ganz anders aussehen. Will meinen: Andy Whites Oeuvre lebt. Das geht zuweilen ein wenig unter, da er nun mal eben die traditionelle Schiene bedient, aber an diesem Abend gab es aber keinen Zweifel daran, dass Andy durchaus in der Lage ist, seinem Material auf die eine oder andere Art Beine zu machen. Das war nichts Weltbewegendes - mal ein Sample hier, mal ein Gitarren-Effekt da oder einfach die Art, ein Stück, an das man sich gewöhnt zu haben glaubte, auf eine andere Art vorzutragen (z.B. das perkussiv aufgemotzte "Hysteria" von "Andy White" z.B.). Nebenher zeigte Andy auch wieder einmal, dass er auch ein ausgezeichneter Gitarrist ist. Anders als viele nutzt er nämlich die 12-saitige Gitarre nicht dazu, diesbezügliche Schwächen zu kaschieren, sondern eher, um seinen Songs mehr Fläche zu bieten - wobei indes manch virtuoser Schlenker durchaus gewollt ist.

Abgerundet wurde der Vortrag mit kleinen Stories zu den einzelnen Songs - was besonders zu jenen von "Boy 40" natürlich besonders von Interesse war. Zum Beispiel die, die er zu "Italian Girls On Mopeds" erzählte: Da habe er also mit diesem italienischen Journalisten ein Interview geführt, und da sei ihm dann aufgegangen, dass die Italiener - anders als die Gedicht lernenden Iren - wohl das Thema "Girls On Mopeds" bereits in der Schule behandelten. Besondere Höhepunkte subjektiver Natur waren dennoch die eher straight dargebotenen, eher romantisch / sentimentalen Liebeslieder mit melancholischem Touch, die der Mann wie aus dem Eff-Eff beherrscht: Die Trilogie "When Will You Learn", "The Pain Behind Your Heart" und "Lisa" (die live noch mehr wie eine Schwester von Isis klingt) etwa oder das auf einem Gedicht basierende "A Girl I Once Knew... Invisible", von dem sich Andy heute selber nicht mehr erklären kann, warum es nicht auf einer regulären CD sondern auf der Kompilation "Rare" landete. Obwohl: Andy legte Wert auf die Feststellung, dass er auch in der Lage sei, positiv besetzte Songs wie z.B. "Sunrise" zu schreiben. Nachdem dann das Pflichtprogramm abgearbeitet hatte, erfüllte der Meister noch ein paar Publikumswünsche und zauberte obendrein "Vision Of You" von seinem Frühwerk "Rave On Andy White" aus dem Hut. Nur um mal das Verhältnis zu verdeutlichen: Hätte da etwa Dylan gestanden, wäre so etwas einer Sensation gleichgekommen und mindestens ein Kapitel in dessen Biographie wert gewesen. Doch von so was ist Andy White ja noch weit entfernt. Fazit: Das war ein sehr gutes Konzert und ein ausgezeichneter Showcase für das aktuelle Material. Schade nur, dass sich kaum jemand dafür interessierte.

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www.andywhite.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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