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Eskobar
Something For Kate/ Lucky Jim

Köln, Prime Club
08.06.2004

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Eskobar
"Wir möchten uns bei unseren Support-Bands Lucky Jim und Something For Kate bedanken", ließ Eskobar-Frontmann Daniel Belqvist zwischen zwei Tracks vernehmen, "die sehen ja irgendwie aus wie Wikinger aus dem Süden [wohl weil sich in genannten Acts mehr Blonde befinden, als in Eskobar]. Wenn man bedenkt, wie wir aussehen, obwohl wir doch aus Schweden kommen, ist das ganz schön scheiße." Nun, ein Platz für Wikinger war der Prime Club am bislang heißesten Tag des Jahres eh nicht. Die Musiker machten sich vielmehr einen Spaß daraus, alle drei Minuten das Publikum zu fragen, ob es denn warm genug sei, oder ob man noch etwas zulegen solle.
Lucky Jim aus England waren kurzfristig als Support hinzugebucht worden - wohl weil der Vorverkauf für deren ursprünglich parallel angesetztes Konzert eher ernüchternd ausgefallen war. Das machte aber nix, da Gordon Grahame und Ben Townsend eine Band mitgebracht hatten, was den klassischen britischen Songwriter-Sound dann in kontemporärer Pop-Glorie aufblühen ließ. Z.B. "You Stole My Heart Away", den grandiosen Opener des aktuellen Albums "Our Trouble Ends Tonight". Da flogen die Jungs geradezu auf den Flügeln der effektvoll eingesetzten Korg-Orgel dahin, dass es eine reine Freude war. Ungefähr ab des dritten Stückes wackelte das Ganze dann zuweilen indes ganz schön. Woran es lag, war nicht zu erkennen - aber irgendwann begann die Band - ausgelöst durch Ben Townsends zuweilen doch ganz schön stolpernde Drums - auseinanderzubrechen und zeitweise spielten dann alle drei in unterschiedlichen Tonlagen und Tempi. Zum Glück war das nur eine Phase und zum Schluss überzeugten Lucky Jim wieder durch dramatischen Brit-Pop vom feinsten, der recht gut ins Programm passte. Was für die Band sprach ist z.B. Grahames Bühnenpräsenz und seine beeindruckend tragfähige Stimme (einen "Belter" nennen die Amis so was) und die ausgezeichneten Songs. Auch der Keyboarder überzeugte durch emsige Arbeit an zwei Tastenbänken gleichzeitig. Unangenehm bemerkbar machte sich indes das Fehlen einer zweiten Gitarre. Hier empfähle sich in Zukunft die Hinzunahme einer solchen - oder aber andererseits der Verzicht auf Soli auf der Akustischen. Jedenfalls kam die Sache jedes Mal ins Stocken, wenn Gordon anfing, sich auf seinem Instrument diesbezüglich auszuleben.

Something For Kate aus Australien (mit der Prototyp-Wikingerin Stephanie Ashworth am Bass) hatten dann quasi ein Heimspiel: Vor wenigen Wochen spielten sie an gleicher Stelle im Vorprogramm von Powderfinger. Wer nun dachte, einfach eine Neuauflage des damaligen Gigs vorgesetzt zu bekommen, sah sich angenehm enttäuscht: Die Setlist war vollkommen umgestellt ("Deja Vu" gab's als allerletztes Stück) und dieses Mal spielten sie sowohl "Ashes To Ashes" als auch "Killing Moon", das es beim Powderfinger-Gig ja nur bis in den Soundcheck geschafft hatte. "Das ist ein cooler Song", meinte Paul Dempsey, der hier sehr viel kommunikativer rüberkam als beim letzten Gig. Als dann allerdings jemand nach "China Girl" verlangte, musste Paul entschuldigend ablehnen - das sei zwar auch ein cooler Song, aber man habe ihn nicht geübt. Dafür spielte er dann auf Zuruf "The Astronaut" von der zweiten CD "Beautiful Sharks" auf der Akustischen. Überhaupt wirkte das Set spontaner als noch das letzte Mal. Ansonsten war wieder festzustellen, was sich bereits beim Powderfinger-Konzert zeigte: Dass SFK eigentlich keinen zweiten Gitarristen bräuchten, da eh alle wesentlichen Impulse vom Kern-Trio ausgehen. Und Stephanie Ashworth ist verdammt noch mal die momentan beste Rock-Bassistin schlechthin. Basta.

Mittlerweile war es beinahe 23 Uhr geworden (was absolut unnötig war, da man das Konzert trotz Lucky Jim keine Sekunde früher anfangen hatte lassen - obwohl der Club von Anfang an gut gefüllt war) und schließlich durften auch die alten Schweden ran. Man kann ja sagen was man will, aber von Dramatik und Pathos verstehen Belqvist und Co. ja was. Nicht nur, dass der Bühnenaufbau und die Lichtdramaturgie konzeptionell stringent durchdacht waren - auch die Musik des Trios (mit bewährter Touring-Band) scheint immer dann am besten zu funktionieren, wenn man sich keinerlei geschmackliche Schranken auferlegt und einfach aus dem Vollen schöpft. Nur so sind grandiose Pop-Operetten wie "Big Sleeper" zu erklären, die im Eskobar-Kontext wunderbar funktionieren, bei vielen anderen Bands indes wahrscheinlich zu peinlichem Sülz verkämen. Der neuen CD, "A Thousand Last Chances" wird ja nachgesagt, dass hier - insbesondere angesichts drei Jahren Pause seit dem letzten Album - nicht viel Neues passiere. Warum auch? Gerade die verlässliche Qualität, mit der Eskobar ihre Gitarrenpop-Hymnen raushauen, ist ja das, was die Band unterm Strich ausmacht. Immer dann, wenn die Jungs nämlich von diesem Erfolgsrezept abweichen - wie z.B. bei "Violence" oder "You Got Me" -, geraten sie automatisch in die Nähe von mainstreamtauglichem Seifenblasen-Rock à la U2. Das wollen wir aber eigentlich nicht. Was wir wollen, sind entweder knackige Rausschmeißer wie "Move On" oder sentimentale Balladen wie "Love Comes First" - zu denen Belqvist auch noch unterhaltsame Anekdoten erzählte: "'Love Comes First' habe ich geschrieben, als ich eines Morgens in einem Hotelzimmer neben einem Mädchen aufwachte, das nicht meine Freundin war - was gar nicht witzig ist", erzählte er zum Beispiel. Dann erfuhren wir noch, dass Eskobar in einem anderen Leben als Band begann, die sich zum Ziel gesetzt hatten, Heavy Metal-Stars wie Ozzy oder Kiss zu werden. Gut, dass das nicht geklappt hat. Zwar gaben Eskobar vorzugsweise die Tracks der neuen Scheibe - indes wurden mit "She's Not Here" und "Someone Told Me" vom ersten Album auch Ausflüge zu den Anfangstagen gewagt. Musikalisch wurde das alles ohne Schnörkel, aber mit viel Effét umgesetzt. Besonders der Tour-Bassist Patricio Cabesas beeindruckte durch stadientaugliche Posen und Daniel Belqvist gefiel sich als hyperaktiver Aushilfs-Perkussionist. Eskobar sind ein weiterer Beleg dafür, dass das Genre des Gitarrenpop - momentan zumindest - in Skandinavien eher am besten aufgehoben ist.

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Surfempfehlung:
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Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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