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Goofy Good Times

Golden Smog
Martha Wainwright

New York, Bowery Ballroom
22.08.2004
Golden Smog
Dieses war ein Konzertereignis, wie man es bei uns wohl nicht so schnell zu sehen bekommen wird. Immerhin ist Golden Smog mittlerweile zu so etwas wie einer Legende geworden. Ursprünglich gegründet als Jux-Projekt von den führenden Mitgliedern von Wilco, den Jayhawks und Soul Asylum geriet das Ganze im Laufe der Jahre zu einer richtigen Band. Standen anfangs bloß (ungeprobte) Cover-Versionen auf dem Speisezettel, so beschlossen Gary Louris, Jeff Tweedy & Co., peu á peu eigene Songs zu verfassen, was dann zu immerhin drei Longplayern führte. Nachdem Tweedy dann keine Lust mehr hatte, geriet Golden Smog ins Hintertreffen und man trifft sich seitdem nur noch gelegentlich zu Auftritten wie diesem (in dem Fall eine Benefiz Veranstaltung im Rahmen des HOWL-Festivals).
Mittlerweile hat Tweedy allerdings auch wieder Blut geleckt und Interesse gezeigt, eine weitere Scheibe aufzunehmen, so dass die Chancen ganz gut stehen, dass Golden Smog eine Zukunft haben. An diesem Abend ließ sich durch die Abwesenheit Tweedys indes niemand vergrämen: Obwohl es nur eine fingernagelgroße Anzeige in der Village Voice gegeben hatte, und obwohl der Eintritt mit 25$ nicht eben bescheiden bemessen war, war der ziemlich voluminöse Bowery Ballroom ziemlich schnell gut gefüllt. Das Vorprogramm gestaltete Martha Wainwright - ein weiterer Spross der an kreativen Köpfen eh nicht armen Wainwright-Sippe und ihres Zeichens die Schwester von Rufus Wainwright (der es sich nicht nehmen ließ, bei einem Track die Vocals zu übernehmen). Martha hat eine beeindruckend durchdringende, tragende Stimme und eine absolut souveräne Bühnenpräsenz. Leider spiegelt sich das nicht so recht wider in ihrem vergleichsweise spröden Songmaterial (eine Stimme wie diese benötigte eigentlich weit ausholende Melodiebögen) und auch ihrer eher strikte Rock-Band bildete nicht den Background, der hier passend gewesen wäre. Wenn dann allerdings einmal die Mischung stimmte (wie z.B. bei dem Stones-Cover "Street Fighting Man"), dann entwickelte sich jenes je-ne-sais-quoi, das im richtigen Moment für magische Momente sorgen kann. Martha ist bereits seit einigen Jahren im Live-Zirkus unterwegs und auch als Gastsängerin bei diversen Studio Produktionen zu hören (u.a. bei Rufus), hat es unter eigener Regie indes bloß zu einer EP gebracht. Dennoch: Das ist ein Name, den man sich merken sollte. (Also Martha - Wainwright kennt man ja sowieso)
Als dann Golden Smog auf die Bühne kamen, durfte man sich auf eine komprimierte Zeitreise in Sachen Rockmusik freuen. Neben den eigenen Songs der erwähnten drei Alben bildeten natürlich die o.a. Coverversionen das Rückgrat der Show. Immerhin waren diese jetzt zumindest eingeplant. Drummerin Linda Pitmon (eine gute Freundin von Gary Louris und Ron Perlman von den Jayhawks), die kurzfristig engagiert wurde, erzählte uns zum Beispiel, dass sie in fünf Tagen 40 Songs einstudieren musste (es gab insgesamt zwei Konzerte an zwei Tagen). Müßig zu erwähnen, dass dennoch alles nicht nur wie aus einem Guss klang, sondern obendrein so, als spielten Golden Smog seit 20 Jahren jeden Tag zusammen. Beachtlich, wenn man bedenkt, dass das eben NICHT so ist und obendrein die Musikanten munter die Instrumente untereinander wechselten. Gary Louris, der Jayhawks Kopf und so etwas wie der Anker des Abends (obwohl die Lead-Spots paritätisch über alle Fraktionen verteilt wurden), legte dann auch eine ganz andere Energie an den Tag, als er das mit den Jayhawks tut und ließ seiner Gitarre dann so manches sendungsbewusste Rock-Riff entfleuchen. So kamen denn auch eigene Tracks, wie z.B. "Looking Forward To Seeing You" von "Weird Tales" eher als straighte Rocker rüber denn als Americana-Fingerübungen (wie auf der Konserve). Das ging aber unterm Strich vollkommen in Ordnung, denn das oberste Credo des Abends war es schließlich, Spaß zu haben und tolle Songs zu spielen. "Wenn wir schon mal in New Yorks sind", kündigte Dan Murphy z.B. eine hinreißende Version von Split Enz' "I Got you" an, "dann müssen wir natürlich auch coole Songs spielen." Und das taten sie dann auch: Es gab "Coming Down Again" von den Stones, Bowies "Starman", "Love Is The Drug", "Life During Wartime" von den Talking Heads, das merkwürdigerweise nahtlos in "You're So Vain" überging und als abschließenden Rausschmeißer "That's When I Reach For My Revolver" vom Mission Of Burma, das einem noch auf dem Nachhauseweg im Kopf herumdröhnte. Die Krönung der Show war indes eine ungefähr 10-minütige Version des VU-Klassikers "What Goes On", bei der dann obendrein noch Steve Wynn als Gast-Gitarrist auf die Bühne gebeten wurde. So fühlen sich 30 Jahre Musikhistorie an, wenn sie auf die richtige Art in ein paar Riffs und hingerotzte Soli gequetscht werden! Und so gut dürfte dieses Stück nicht mal die Velvets selber in ihren besten Zeiten hinbekommen haben. Das Kennzeichnende dieser Show war dann auch, dass hier vor allen Dingen Fans am Werk waren, die - ohne jede Ehrfurcht übrigens - ihren Hut vor den Altvorderen lüpften und eine Menge Spaß dabei hatten.
Surfempfehlung:
www.allmusic.com/cg/amg.dll?p=amg&sql=11:mr6qoayabijx
www.marthawainwright.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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