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St. Thomas

Köln, Gebäude 9
21.10.2004

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St. Thomas
Es sind Konzerte wie dieses, die das ganze System zusammenhalten! "Entschuldigung, dass so wenig Leute hier sind", begrüßte Thomas Hansen alias St. Thomas die ca. 50 Verwegenen, die sich im Gebäude 9 eingefunden hatten, "das ist jetzt der größte Club, in dem wir auf dieser Tour gespielt haben und es sind die wenigsten Leute da... na ja, da haben wir wenigstens mehr Platz..." Man muss die Dinge eben so nehmen, wie sie sind. Der Kölner an sich, das weiß man ja, geht lieber zu Konzerten, für die er richtig viel bezahlen muss. (Z.B. zu Niedecken in die Philharmonie, die am gleichen Abend ausverkauft war) Die, die dann dennoch kommen, tun's aber nicht, weil's weniger kostet, sondern eher aus Liebe zur Musik und um eine gute Zeit zu haben. Und dafür tun's auch St. Thomas (und nicht zu vergessen auch sein Label, Trocadero, das er auch ausdrücklich deswegen lobte).
Gut gelaunt machten Thomas und seine beiden Mitstreiter, Drummer Alex und Bassist Pogo, das beste aus der Situation und brannten ein wahres Feuerwerk an verlotterten norwegisch gefärbten Power-Pop Hits ab. Gleich der erste Track, "Sheer Wonder", zeigte, wohin die Reise gehen sollte: Ins wunderliche Land der kurzen, auf den Punkt sitzenden Schrammelsongmonster. Im Prinzip spielte Thomas die Stücke seiner ersten drei Alben (und etliches neues Material) so, wie sonst auch immer - nur halt nicht auf seiner akustischen Gitarre sondern rein elektrisch. Und das - nicht zuletzt aufgrund der knackigen Rhythmusgruppe - recht tight, kraftvoll und laut. Auch in diesem Modus ging es vornehmlich um die Songs und das Zusammenspiel, und weniger um St. Thomas, den Performer. So hörte man z.B. den ganzen Abend lang nicht ein einziges Solo. Dafür illustrierte Thomas einige Songs mit wilden Tanzeinlagen, die etwa auch einem Adam Green prächtig zu Gesicht gestanden hätten. Eine Sache war indes ein wenig verwunderlich: Aufgrund seiner zuweilen in höchsten Tönen jubilierenden Falsettstimme wird Thomas ja immer wieder mit Neil Young verglichen. Jetzt, wo er quasi in voller elektrischer Montur loslegte und fast Crazy Horse-mäßig aufspielte, klang er merkwürdigerweise weniger als der große Meister denn je. Das lag dann vielleicht daran, dass St. Thomas-Songs - wie er selber das auch immer sagte - gar nicht so viel mit der musikalischen Gemengelage des großen Kanadiers zu tun haben. Ganz im Gegenteil: Thomas Hansen ist einer der wenigen norwegischen Acts, die zum Beispiel tatsächlich auch norwegisches Kulturgut in ihre Songs einfließen lassen - weniger, was die Sprache betrifft, als vielmehr die Harmonieführung und die jodelnde Art, gewisse Chorpassagen zu intonieren. Jedenfalls funktionierte das auch in diesem Rock-Ambiente ziemlich gut. Alte Favoriten wie "Into The Forest" oder "Take A Dance With Me" galt es so quasi gar neu zu entdecken. Das war schon irgendwie etwas Besonderes. Was auch gut passte, da "besonders" Thomas' neues deutsches Lieblingswort war, wie er meinte, und welches er z.B. dazu verwendete, neue Songs anzukündigen.

Dazwischen unterhielten sich alle drei Musikanten ungezwungen mit dem Publikum. "Was macht ihr denn so?", fragte Thomas, "müsst ihr morgen arbeiten? Oder studiert ihr? Oder seid ihr alles Künstler, die den ganzen Tag lang Gedichte schreiben, dass ihr an einem Donnerstag so lange aufbleiben könnt?" - "Oder schreibt ihr vielleicht Romane?", wollte Alex wissen. "Das tun wir Samstags", rief jemand zurück. Das erklärte dann wohl letztlich auch, warum das Publikum die drei dann auch gar nicht mehr von der Bühne lassen wollte, und somit mindestens drei Zugaben (darunter dann tatsächlich auch einen Song auf norwegisch) herausholte. Trotz - oder vielleicht gerade wegen - des intimen Rahmens war dies somit ein erfreulich kurzweiliger Konzertabend, bei dem klar wurde, dass Thomas Hansen seine bei der Tour zur zweiten CD an den Tag gelegte allgemeine schlechte Laune hinter sich gelassen hatte und einen gangbaren Weg für sich und seine Songs gefunden zu haben scheint. Das neue Material klang dann auch schon wieder recht spannend (wenngleich nicht "nach den Doors", wie er das noch im letzten Interview angedeutet hatte) und letztlich vermisste man höchstens vielleicht noch "Dance To The Disco", das in diesem heiteren, entspannten Rahmen sicherlich noch gut dazugepasst hätte.

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Surfempfehlung:
www.stthomas1976.net
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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