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Elvis streicheln

Lisa Bassenge Trio

Köln, Stadtgarten
01.11.2004

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Lisa Bassenge Trio
"Der Grund warum wir eigentlich heute hier sind", begrüßte Lisa Bassenge ihre Gäste beim Auftritt im Kölner Stadtgarten, "sind unsere Streichler." Damit gemeint waren drei Herren an Geige, Bratsche und Cello (Tamás Vásárhelyi, Martin von der Nahmer, Rouven Schirmer), die einige der Stücke mit streng kammermusikalischen Streichersätzen untermalten - in der Art, wie das auf der neuen CD, "Three", auch geschieht, jedoch bezeichnenderweise vorwiegend bei Elvis-Tracks: "Love Me Tender", "Are You Lonesome Tonight" oder "It's Now Or Never" zum Beispiel. So hatte man Elvis wohl noch nie gehört. Das ist ja zweifelsohne auch der größte Verdienst des Lisa Bassenge Trios: Das Gegenüberstellen des scheinbar Unpassenden - was dann, nach dem Radikaltreatment der Arrangeure und Kollaborateure (Andreas Schmidt, Piano und Paul Kleber, Bass) und nach der inspirierten Auslegung der Interpretin Lisa Bassenge, dann für sich genommen doch wieder Sinn macht.
Ein schönes Beispiel für das seltsame Eigenleben von Coverversionen á la Bassenge mag der Ellington Klassiker "Caravan" sein. Obwohl - oder vielleicht weil - Lisa & Co. die Stücke meistens so durch den Wolf drehen, dass man diese oft nur noch am Text erkennen kann, bleibt die Seele des Tracks doch oft erhalten. Warum? Weil hier nicht bloß nachgesungen, sondern nachempfunden wird. "Caravan", das ist ja die Geschichte einer Karawane, die durch die Wüste zieht. Und diese Reise wurde hier - wie so oft eingeleitet von einem abstrakten Soundkonstrukt aus Klopf-, Klick-, Schnarr-, und Knacklauten und ein wenig Ad-Libbing - dann quasi mit musikalischen Mitteln nacherzählt. Man hatte praktisch die Oasen, die flirrende Sonne und die endlose Wüste dauernd vor Augen. Und das ist es, was letztlich Lisa Bassenge und ihre Jungs ja auch vom Gros der anderen Jazzer absetzt: Repertoirepflege ja, aber nur mit Radikalkur und lieber auch eher weniger. Denn ihre Stücke sucht sich das Trio weniger im klassischen Jazz-Repertoire zusammen, sondern bei Pop (Eurythmics), Rockn'n'Roll (Elvis, Carl Perkins), Country (Patsy Cline), Schlager (Dean Martin) und - äh - Funk (James Brown). Nicht, dass man das nachher noch erkennen könnte oder sollte. So richtig reinrassige Jazz-Interpretationen kommen nachher aber auch nicht dabei heraus (mal schlägt's im Richtung neue Musik aus, mal schielt's zur Klassik, mal klingt's wie ein Film-Soundtrack (inkl. Sound-Effekte)). Irgendwo sitzen Lisa und ihr Trio zwischen allen Stühlen. Dass Lisa beim Vortrag keine Miene verzieht und eher ein wenig distanziert und kühl wirkt, passt aber ganz gut - so kommen diese o.a. musikalischen Vergewaltigungen auch niemals in die Nähe von Parodien. Natürlich wurden bei dieser Show vorwiegend auch die Tracks des neuen Albums "Three" gegeben (zum Glück ohne Ilse Werner), was aber trotz o.a. Repertoire-Arbeit noch eine interessante Variante zu Tage brachte: Die beiden eigenen Kompositionen "Fall" und "Ellie" fügten sich nicht nur nahtlos in das ganze Ambiente ein, sondern stellten auch insofern die Höhepunkte dar, als dass diese irgendwie auch eine Spur emotionaler gerieten, als der (bis auf einen Textaussetzer bei der Zugabe makellos dargebotenen) dargebotene Rest. Bei einigen Tracks ließen sich Lisa & Co. begleiten von Drummer "ich spiele alles" Martell Beigang, der hier eine wesentlich glücklichere Figur machte als z.B. beim Rockabilly mit Dick Brave. Obwohl: Rhythmus ist beim Lisa Bassenge Trio sicherlich nicht der Dreh- und Angelpunkt. Und auch ohne Taktgeber spielen Andreas Schmidt und Paul Kleber fast so, als seien sie eine Person. Da kann man nicht meckern.

Was überhaupt gefällt, ist, dass beim Lisa Bassenge Trio selten einmal das (zweifelsohne vorhandene) virtuose Miteinander im Mittelpunkt steht, sondern immer der Song - bzw. das Arrangement. So gibt es hier auch kein routinemäßiges Abfeiern von Soli mit Szenenapplaus und selbst Spezialeffekte (wie das Simulieren einer Gitarre mittels angerissener Klaviersaiten) geraten niemals zum Gimmick oder Selbstzweck, sondern stehen im Dienste des Liedgutes. Dass die Sache sich dabei manchmal deutlich unter Zimmerlautstärke abspielt, ist angesichts des heutzutage üblichen, allgemeinen Phonstärken Overkills ein eher angenehmer Zusatznutzen, da so die ganze Angelegenheit persönlicher, intimer gerät. Das Publikum belohnte dies übrigens durch absolute Aufmerksamkeit. Sogar fallende Stecknadeln hätten sich hier noch unangenehm bemerkbar gemacht. Es ist zwar die Frage, ob das Lisa Bassenge Trio mit diesem doch ziemlich radikalen Ansatz etwa neue Interessensgruppen an die von ihr ausgewählte Musik heranführt - ganz auszuschließen ist es aber auch nicht. Jedenfalls ist - aufgrund der unglaublichen stilistischen Spannbreite - ein Lisa Bassenge Konzert in dieser Art eine rundum kurzweilige und spannende Angelegenheit.

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Surfempfehlung:
www.lisa-bassenge.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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