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Octopus' Garden

Thom.

Köln, Underground
03.11.2004

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Thom.
"Schön, dass heute Abend doch so viele den Weg hierher gefunden haben", begrüßte Thomas Hanreich alias Thom. das Publikum im Kölner Underground, "das ist ja leider nicht immer so." Vermutlich hat Thomas jetzt also auch am eigenen Leibe erfahren, dass es nicht so einfach ist, den Erfolg der Mutterband (in dem Fall Vivid) auf die Solo-Karriere zu transponieren. Um so erfreulicher also, dass sich gerade im schwierigen Köln doch so an die 100 Begeisterte eingefunden hatten, um mal zu sehen, was Thom. denn live so aus dem Kapital macht, das er mit dem BMW-Werbespot und dem Soundtrack des neuen Wim Wenders Film "Land Of Plenty" angesammelt hat. Um bei diesem Bild zu bleiben: Er hat es gewinnbringend angelegt.
Mit einer knackigen Profi-Band im Rücken (u.a. mit Leuten von Heyday, Uncle Ho oder Nena) schaffte es Thom. mühelos, als Live Act von eigenen Gnaden zu überzeugen. Warum? Weil er durchaus einen Unterschied zwischen Studioproduktion und Live-Vortrag macht. Anstatt also etwa zu versuchen, die reichhaltigen Arrangements seines Debüt-Albums "Gods & Monsters / Istory" irgendwie zu replizieren - etwa mit Samples oder Synthie-Sounds - setzte er statt dessen auf Reduktion und Transparenz. Das Ergebnis war dann eher eine Rockshow mit einem erstaunlich präsenten Frontmann. Erstaunlich deswegen, weil er sich auf seiner Solo-CD ja als Frontmann extrem zurück genommen hatte, besonders gesanglich - auch weil er dieses bei Vivid seiner Meinung nach zu exzessiv betrieben hatte. In dem Zusammenhang machte es aber durchaus Sinn. Hier hatten wir dann zum Beispiel eines der seltenen Konzerte, wo bei dem man die Vocals besser verstehen konnte, als auf Konserve. Ein gutes Beispiel hier für war sein - gleich als dritter Track gespielter - BMW-Hit "Principle Of Joy". Auf Tonträger ist dies ja eher eine atmosphärische Angelegenheit - fast eine Ballade - während im Live-Kontext eine druckvolle Rocknummer daraus wurde, die z.B. auch U2 gut zu Gesicht gestanden hätte. Der Solo-Performer Thomas Hanreich scheint dabei sogar noch eine Spur straighter zu sein als der Vivid-Vorsitzende. Vorbei sind die Zeiten, in denen er sein Mikro wie eine Pizza-Stück auf die Hand legte und sich mehr oder minder esoterisch vor sich hinwiegte. Der Thomas 2004 steht mit Igel-Frisur und der umgeschnallten Akustik-Gitarre da, zappelt herum und lässt es auch mal ganz schön krachen. Dafür wurden zwar durchaus auch gerne Vivid-Blockbuster wie "Everything & Nothing" hergenommen, aber erstaunlicherweise erfuhren auch so einige der "Istory"-Tracks eine Art Wiedergeburt. Zwar nicht unbedingt reinrassige Balladen wie "This Is Not Berlin", aber z.B. die Tracks, die auch auf der Scheibe mit der Dynamik flirten, wie z.B. "The City In The Sea" (mit einer orgiastischen Mittelpassage, bei der alle ausrasteten) oder das zur Zugabe gegebene "The Sound Of My Life", die somit zu den lebendigsten Tracks des Abends gerieten.

Einen großen Anteil am Gelingens dieses Unterfangens hatte sicher auch die abgehangene Band, die zwar so cool erschien, dass niemand wirklich ins Schwitzen geriet, mit der sich der Meister aber offensichtlich prächtig verstand. Auch mit dem griechischen Bassisten Theo, der indes irgendwelche Würgemale vorzuweisen hatte, von denen er behauptete, dass sie von einem Octopus stammten - was dann zu teilweise surrealen Dialogen mit dem Publikum führte. Thom. war überhaupt sichtlich darum bemüht, mit diesem auf Augenhöhe zu bleiben und es einzubeziehen - so bat er z.B. den Kameramann des WDR ins Auditorium zu leuchten, damit er sich die Leute einmal anschauen konnte. Dabei zeichnet es ihn durchaus aus, dass er sich und seine Veröffentlichungs-Politik durchaus auf die Schippe nahm ("...da jibbet zwei verschiedene Platten von diesem Thom., wobei auf beiden derselbe Scheiß drauf is.."). Wenn das jetzt also nur ein temporärer Ausflug in Solo-Gefilde war, wie Thomas im Interview andeutete, dann war es jedenfalls ein äußerst kurzweiliger. Vivid, die Band, muss hier dann erst mal wieder aufschließen.

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Surfempfehlung:
www.thom-music.de
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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