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Don't panic!

Nick Cave & The Bad Seeds
Mercury Rev

Düsseldorf, Philipshalle
18.11.2004

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Nick Cave
Dass die Philipshalle verschämt zu einem Drittel abgesperrt und abgehängt war, hatte wohl weniger damit zu tun, dass Nick Cave auf einmal weniger Fans hat, sondern vielmehr wohl mit der finanziellen Lage derselben: 50 Euro für ein Ticket kann sich der normale Goth oder der jugendliche Neuentdecker nämlich offensichtlich nun wirklich nicht mehr leisten - und so waren diese Splittergruppen an diesem Abend denn auch eher unterrepräsentiert. Das Publikum bestand tatsächlich überwiegend aus der Partei der Besserverdienenden und den Hardcore-Fans. Ob das aber der richtige Weg ist, die Branche aus der Krise zu führen?
Eröffnen durften die Show Mercury Rev, die sich ja in letzter Zeit ein wenig rar gemacht hatten (sieht man mal von der großartigen Zusammenarbeit mit Nicolai Dunger ab). Jetzt hatten Jonathan Donahue und seine Mannen Songs des neuen Albums "The Secret Migration" im Gepäck - das indes erst im nächsten Jahr erscheinen wird, weswegen niemand die Stücke kennen konnte. Das führte dann zu einer fast andächtigen Atmosphäre, die indes perfekt zu den verspielten neuen Kleinkunstwerken passte, die eh nur funktionieren, wenn man sich Zeit dafür nimmt. Fast hätte man die Stille des Publikums als Desinteresse auslegen können, wäre nicht nach jedem Stück dann doch artiger Applaus aufgebrandet. Jonathan Donahue ist ja - im Gegensatz zu seinem obercoolen musikalischen Direktor Grasshopper, den ja nun wirklich nichts aus der Ruhe bringen kann (auch nicht sein eigenes, verpatztes Mundharmonikasolo) - einer jener Künstler, die auf der Bühne geradezu aufblühen. Donahue flirtete mit dem Publikum, warf Kusshändchen in die Runde, tänzelte umher und dirigierte seine Band, die die neuen Tracks mit wesentlich mehr Druck und Dynamik vortrugen, als es die eher subtilen (und streicherlosen) Arrangements der Scheibe verraten mögen. Beste Beispiele hierfür war der Opener der CD und des Konzertes, "Secret For A Song", in dem Jonathan etwa anbot, sein Geheimnis - welches immer dieses sein mag - für einen Song eintauschen zu wollen. Einen Song offensichtlich, der gerne eine elegische Rockballade wäre - wie jenes Stück. Am Mikroständer waren eine züngelnde Schlange und eine Blumenranke befestigt. Wollte Jonathan etwa jemanden verführen? Vielleicht. Vielleicht war er aber auch selber verführt worden. Denn die Mercury Rev-Songs - auch die neuen Stücke - strahlen ja immer so eine Art unwirklichen "sense of wonder" aus, der selbst Jonathan zu einem staunenden Kleinkind in seiner eigenen imaginären Wunderwelt macht. So wirkte er jedenfalls. Und glücklich obenrein. Schön, dass sich noch jemand so für die eigene Musik begeistern kann. Am besten funktionierten bei diesem ersten Dry-Run des neuen Materials die Stücke mit der größten Dynamik, wie z.B. "Vermilion", das auch am ehesten Single-Charakter hat - obwohl auch auf "Migration" wieder kein neues "Goddess" zu finden ist. Abgerundet wurde die Show mit ein paar Highlights von "Deserter's Songs" und "All Is Dream" bevor dann die ganze Band an den Bühnenrand trat und sich applaudierend beim Publikum bedankte. Eine bessere Werbung für ihr neues Werk hätten Mercury Rev kaum machen können und man darf schon gespannt sein auf die nächste Headliner-Tour, wo es dann wieder die volle Dröhnung gibt.

Nach dem 30-minütigen Vorprogramm ging es nach kurzer Umbaupause pünktlich um 21.30 Uhr los - Nick Cave und seine Mannen betraten mitsamt einem vierköpfigen Chor die Bühne und legten direkt los mit "Abattoir Blues" - es hat sicherlich nicht wenige Anwesende im Publikum gegeben, deren Hauptfrage vor diesem Gig lautete: "Geht das denn gut so ganz ohne Blixa Bargeld?" Um die Antwort vorwegzunehmen: Es funktionierte. Das mag vor allem daran gelegen haben, dass der Chor anwesend war und einiges an musikalischer Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Dies wirkte sich natürlich bei den neuen Stücken von "Abattoir Blues / The Lyre Of Orpheus" positiv aus, der Gegensatz der Stimmen zwischen Cave und Chor sorgte für ein angenehmes Gleichgewicht. Cave selbst war während des Konzerts durchweg gut gelaunt, zwar legte er sich während des dritten Songs mit der Security an, weil diese einen Fan wohl etwas sehr grob behandelte, aber ansonsten war er voller Energie, locker in der Hüfte, natürlich in schnieker Abendgarderobe gekleidet und einfach gut drauf - als er z.B. "Easy Money" ankündigte und aus vielen Teilen des Publikums Jubel zu hören war, schob er noch ein kesses "I know - it's fucking great!" hinterher. Der Sound war größtenteils in Ordnung, nur bei den wirklich rockenden und lauten Stellen bei z.B. "Supernaturally" oder auch "Get Ready For Love" und dem letzten Song des Hauptteils, "There She Goes, My Beautiful World", neigte die Anlage zur Übersteuerung und hinterließ ein wenig angenehmes Gefühl in den Ohren. Ansonsten aber zeigte sich die Band bestens eingespielt, Warren Ellis und Nick Cave lieferten sich des Öfteren kleinere Einlagen. Als sich die Damen und Herren nach gut einer Stunde Spielzeit von der Bühne verabschiedeten, bekamen einige Anwesende im Publikum große Augen und staunten nicht schlecht - sollte es das gewesen sein, 50 Euro für eine Stunde ausschließlich neue Songs, jetzt vielleicht noch zwei bis drei Songs als Zugabe und wieder raus in den Regen? Die Aufregung war umsonst, denn es folgte nochmals eine Stunde mit alten und älteren Songs - angefangen mit "Red Right Hand" und dem großartigen "Deanna". Wer annahm, dass sich der Chor bei den alten Songs nicht auf der Bühne blicken lassen würde, sah sich getäuscht, denn auch bei diesen Songs kam er zum Einsatz und hauchte ihnen neues Leben ein - und erwies sich keinesfalls als störend. Als die ersten Klänge vom "Weeping Song" zu vernehmen waren, wurden die Blixa-Rufe laut - zu Recht, denn so ganz ohne Blixa will dieser Song einfach nicht funktionieren. "God Is In The House" und "City Of Refuge" leiteten über zum furiosen "Stagger Lee", bevor es im letzten Zugabenblock noch den "Ship Song" und den Song für die Ewigkeit, "The Mercy Seat", als Rausschmeißer gab. Fazit: Ein mehr als gelungener Auftritt, die Abwesenheit von Blixa Bargeld machte sich nur in einigen wenigen Momenten bemerkbar, der Chor war eine perfekte Ergänzung für den Sound des Nick Cave 2004.

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Surfempfehlung:
www.nickcaveandthebadseeds.com
www.nick-cave.com
www.nick-cave.net
www.mute.de/artists/cave.shtml
www.mercuryrev.net
Text: -David Bluhm & Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-

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