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Konzert-Bericht
 
Die Mischung macht's

Helldorado
Larsen & Furious Jane

Köln, Hard Rock Café
14.12.2004

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Helldorado
Das erste Konzert der neuesten norwegischen Überraschungscombo, Helldorado, auf Kölner Boden fand an einem dann doch eher ungeeigneten Ort statt. Weil sich die versammelte Club-Szene dem möglichen Ereignis verschlossen hatte, wich man notgedrungen auf das örtliche Hard Rock Café aus. So weit, so gut, aber das mondäne Speiselokal auf der Rückseite des neuesten Kölner Luxus-Hotels ist nicht wirklich als Live-Club geeignet. Weder gibt es eine richtige Bühne, noch eine vollständige PA. Da helfen die Hemden von Eric Clapton und Hosen von Jon Bon Jovi, die überall herumhängen, nicht wirklich. Außerdem möchte nicht jeder Konzertbesucher sich nicht den ganzen Abend von den Bedienungen strafend mustern lassen, weil er nun mal kein überteuertes Abendbrot bestellen möchte. Davon mal abgesehen lösten die Protagonisten die Aufgabenstellung (großteils desinteressiertes Publikum zu interessieren und dabei die Cappuccino-Maschine zu übertönen) mit Bravour.
Kurz bevor gegen 21 Uhr die norwegischen Schmalztollenfans von Helldorado vor die Bühne treten konnten (anders war es aus Platzgründen nicht möglich), kam tatsächlich noch die vom Helldorado-Manager kurzfristig engagierte dänische Support-Band von der Autobahn gehechelt und zeigte echten Pioniergeist. "Wir sind Larsen & Furious Jane und sind gerade 14 Stunden unterwegs gewesen", murmelte der Kopf der Truppe, Torsten Larsen, fast schüchtern ins Mikro. Dabei ist das doch durchaus eine beachtenswerte Leistung: 14 Stunden auf der Autobahn im Stau stehen, um dann 1/2 Stunde vor eher misstrauischem Publikum zu spielen - ohne Aussicht, die Kosten auch nur annähernd wieder reinzuholen - muss einfach anerkannt werden. Der "Furious Jane"-Teil des Bandamens ist schlicht irreführend. Sollte es nicht eine Beatbox namens "Furious Jane" oder etwas in der Richtung geben, muss das als misslungener Gag aufgefasst werden. Denn die Band besteht normalerweise aus sieben Herren, die für diesen Auftritt jedoch auf Quintettgröße eingedampft auftraten. Deswegen, so Torsten, müsse man ganz schön mit den Instrumenten hantieren. Es erwartete die Zuhörer abwechslungsreiche Gitarrenpop-Songs mit teilweise drei Gitarristen, ansonsten angereichert mit Trompete, Mundharmonika und Steel-Gitarre. Das Problem von Larsen & Co. waren weniger die Songs, die mit einigen schönen Hooklines, Riffs und Melodien aufwarten konnten, und auch stilistisch einiges zu bieten hatten, sondern Larsen selbst. Denn der blonde Frontmann wirkte - ebenso wie seine Jungs und besonders im Vergleich zu dem, was dann folgen sollte - eher uncharismatisch; was sich besonders bei den balladesken Klangtupfereien der akustischen Tracks bemerkbar machte. Am besten waren Larsen & Furious Jane beim Gasgeben - dann ging sogar Torsten Larsen aus sich heraus und klang dabei wie ein jugendlicher Van Morrison. Oder zumindest wie eine Mischung aus Kermit dem Frosch und Van Morrison.

Dann jedoch wehte ein Hauch von echtem Rock'n'Roll durch das Hard Rock Café. Helldorado haben ihre Musikgeschichte mit Gewinn studiert und stellen was stilistische Spielerein betrifft, so manche Genre Band locker in den Schatten. Dabei sehen sie mir ihren Western-Hemden und den Pomadefrisuren der beiden Frontleute Dag S. Vagle und Bard Halsne noch verdammt cool aus - ungefähr so, wie jene Bands, die in Tarantino Filmen immer in der Ecke spielen, während im Vordergrund irgendein Gemetzel stattfindet. Gemetzelt wurde dann - zumindest im übertragenen Sinne - auch hier, denn inhaltlich sind die Songs der Norweger nichts für Zartbesaitete. Auch wenn Dag darauf hinwies, dass die Songs eher von Mädels handeln, lassen Titel "Blood Shack", "Dead River" oder "The Devil's Kiss" daran doch eher Zweifel aufkommen. Wie bereits angedeutet, sind Helldorado - übrigens sowohl auf Konserve, wie Live - nicht eindeutig zu packen, wenn es um den Stil geht: Ist es Rock? Ist es Surf-Musik? Ist es Hardrock? Ist es Punk? Ist es Gitarrenpop? "Eher ja" muss die Antwort lauten. Zunächst mal lieben Helldorado den Twang. Von den ersten Tönen des schleppend-düsteren Openers "Lost Highway" bis hin zu den fast Kunstrock-artigen, virtuosen Gitarrentrillern des Surf-Punk-Instrumentals "Killer And The Highway" spielt der Twang eine überragende Rolle. Sollte übrigens irgendjemand an der musikalischen Integrität der Jungs Zweifel gehegt haben, so wurden diese mit der schmirgelnden Cover Version des Townes Van Zandt-Klassikers "Waiting Around To Die" souverän beiseite gewischt. Auch wenn Helldorado ansonsten ein wenig zur Überzeichnung neigen: Das überzeugte dann doch! So darf man Townes covern! Doch auch die eigenen Tracks waren nicht von schlechten Eltern. Wo auf der CD eher der Eindruck überwiegt, hier sei ein 16 Horsepower-Nebenprojekt zugange, so gelingt es Helldorado im Live-Kontext durch federleichten Wechsel zwischen den Stilen, jeden Zuschauer zu verwirren und zu begeistern. Natürlich gibt es hier auch keine desorientierten Streicher, wie auf der Debüt-Scheibe "Director's Cut" - was der Sache aber nicht wirklich schadet, denn somit wird den betreffenden Tracks auch die bleierne Schwere der Konserven genommen. Bemerkenswert ist dann noch die Dramaturgie des Quartetts: Wo andere mit sorgsam ausgetüftelten Spannungsbögen arbeiten, wird bei Helldorado einfach ständig beschleunigt: Im letzten Drittel der Show ist jedes Stück jeweils lauter und schneller als das vorangegangene, so dass man sich des Eindrucks nicht erwehren kann, dass die Jungs erst gegen Ende zu wahrer Größe auflaufen. "Payrolled" ist z.B. ein waschechter Detroit-Rocker, "Diesel & Bones" erinnert an Alice In Chains' bessere Zeiten und "Teenage Queen" ist dann Pop-Punk allererster Couleur. Zwischendurch gibt's dann natürlich auch immer wieder Surf und Twang. Und dabei wurden Helldorado dann auch zu echten Showmen: Dag sprang z.B. zwischendurch auf einen Tisch und zeigte so dem letzten Zweifler, wo die Harke hängt. Aber die gab's zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich eh nicht mehr. Denn als sich die Jungs sich dann mit einem weiteren Rausschmeißer namens "You Sucker" in die Zugaben verabschiedeten, durfte man sich doch durchaus einreden, soeben die Zukunft des Rock'n'Rolls gesehen zu haben. (Was natürlich Quatsch ist, an solch einem Ort aber zumindest passend erscheint.)

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Surfempfehlung:
www.helldorado.no
www.larsenandfuriousjane.com
Text: -Ullrich Maurer-
Foto: -Ullrich Maurer-


 
 

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