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23.03.2018
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Jack White - Boarding House Reach

Jack White - Boarding House Reach
Third Man/Indigo
Format: CD

Ein neues Album von Jack White verkauft sich ja eh - also braucht man da auch nicht auf Erwartungshaltungen, Genrekonventionen, Marketingaspekte oder stilistische Regeln zu achten. Das dachte sich wohl der Meister selbst, als er daran ging, zusammen mit einer Unzahl an Gästen in seinen musikalischen Spielzeugland zu wüten. Genau genommen gibt es auf diesem Werk nur zwei Songs: Den grandiosen Opener "Connected By Love" - eine Art elektronischer Gospel-Song mit Killer-Hooklines und Chören, in dem Gitarrensynthesizer, psychedelische Orgel-Sounds, Bass-Synth-Linien und elektronische Beats durcheinanderwirbeln, dass es eine reine Freude ist - und der letzte Track, eine mit ironischer Distanz vorgetragene Ballade mit Spieldosen-Flair.

Die restlichen 11 Tracks sind ein einziges Pandämonium von Sounds, instrumentalen Experimenten, avantgardistischen Produktionsideen, stilistischer Spielereien, psychedelischer Effekte, spinnerter Nickeligkeiten, Fragmenten und musikalischer Schlenker, Haken und Ösen, die Jack White bewusst eben nicht zu erkennbaren Stücken zusammensetzt, sondern mit einer gewissen Unverfrorenheit und Verachtung in beliebiger Weise aneinanderreiht. Dabei streift er ansonsten ungewohnte Genres wie Funk, HipHop, E-Pop, Weird-Folk und Vaudeville - und verquirlt das mit Blues und psychedelischen Rock-Sprengseln. Das lässt sich dann - je nach Sichtweise - ebenso als "visionär" wie auch als "pure Anarchie" interpretieren. Ein gebrauchsfähiger Tonträger indes ist nicht dabei herausgekommen. Kaum vorstellbar, was er auf der Bühne mit diesem Material anstellen möchte.



-Ullrich Maurer-


 

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