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Kristoffer Gildenlöw - Rust

Kristoffer Gildenlöw - Rust
Glassville/Alive
Format: CD

Eine der erfreulichsten Überraschungen des Jahres: Auch wenn er nicht mehr gerne so eingeführt wird, kennen die meisten Kristoffer Gildenlöw noch vor allem als den jüngeren Bruder von Pain Of Salvations Daniel Gildenlöw, dessen Band er auch angehörte, bis er der Liebe wegen von Schweden in die Niederlande zog. Auch das durchaus spannende, in der neuen Heimat gemeinsam mit seiner Frau Liselotte Hegt (u.a. Cirrha Niva, Epysode, A. A. Lucassen) an den Start gebrachte Dial-Projekt hatte nicht auf sämtliche Qualitäten des Solodebüts "Rust" vorbereitet, an dem der Künstler sechs Jahre geschnitzt hat.

Zum einen geht es hier nie um Prog(metal). Zum anderen hat sich Kristoffer offensichtlich freigesungen. Während er auf Dials bislang einzigem Album "Synchronized" die eigene Stimme gerne hinter Verfremdungseffekten oder weiteren Stimmen "versteckte", scheint das auf "Rust" kaum noch nötig gewesen zu sein, der Telefonstimmeneffekt dominiert nur den zarten Einstieg "Callout" - wohl die eindringlichste Vertonung von Einsamkeit, die man lange gehört hat.

Und es ist nachvollziehbar, dass er die Scheu beim Singen verloren hat: Beim wie ein Hörspiel beginnenden "Believe" ist der große Bruder des Schweden als Assoziation kaum noch zu vermeiden - und das ist nicht als Häme, sondern als großes Kompliment gemeint, denn die Mehroktavenstimme von Daniel G. ist zu Recht legendär. Die kinderliedhaft simple Melodie von "Follow Me Down wird erst durch die aufwändige Produktion einschließlich Kinderstimmen und schönem Cello-Part zu einem Kleinod. Dafür wird "OverWinter" allein schon durch die nicht mehr abschüttelbare Melodie und das herrliche Fretless-Bass-Spiel zu einem der Höhepunkte von "Rust". Abermals erinnern die zwischen tiefen Lagen und Falsett wechselnde Stimme und vor allem der Ausdruck im besten Sinne an eine Pain Of Salvation-Ballade. Das schamanische Summen auf "Längtan", das die Sehnsucht nach dem Frühling behandelt, ist eine Verbeugung vor Joik, dem traditionellen Obertongesang der Samen (vgl. auch die aktuelle Mr. Fastfinger-Rezension). Das Titelstück irritiert einerseits mit dem Sample der Auslassungen einer älteren Dame (sie ist 80), die erzählend und selbstkritisch auf Ihr Leben zurückblickt. Und entschädigt den, der sich darauf einlassen mag, mit einem Traum von einem erst akustischen, dann elektrifizierten Gitarrensolo, das sich nicht hinter dem von Guthrie Govan für Steven Wilsons "Drive Home" zu verstecken braucht.

Textlich bewegt sich das Album entlang eines roten Fadens von Lebensphasen, Altern, Tod. Die resultierende Stimmung von "Rust" ist introspektiv, erzählerisch, oft melancholisch und doch wohltuend. Außerdem ist sie "familiär": Kristoffer hatte viele Menschen um Mitwirkung gefragt, die ihm derzeit menschlich und/oder musikalisch besonders wichtig sind. Am Ende waren es 27 die mitgemacht haben, darunter Ruud Jolie (guit; u.a. Within Temptation, Maiden United), Fredrik Hermansson (key; ex-Pain Of Salvation), Ola Hedén (ex-The Flower Kings; Neal Morse Band) oder Wudstick (voc; Ayreon).

Die Digital-Version dieses auf seine stille Weise wundervollen Albums enthält den hörenswerten Bonustrack ("Take Me Home", siehe unten). Überdies wird (bereits seit 2012) eine limitierte Version in farbigem Vinyl angeboten.



-Klaus Reckert-


Album Teaser
"Save My Soul", live
"Take Me Home", live


 
 
 

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