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The Alan Parsons Project - The Complete Albums Collection

The Alan Parsons Project - The Complete Albums Collection
Arista/Legacy/Sony Music
Format: Boxset

Dieses Monster-Box-Set präsentiert die Veröffentlichungshistorie des The Alan Parsons Project (APP) von 1976 bis 1987 vollständig - also die der Kooperationsjahre von Alan Parsons mit dem 2009 verstorbenen Eric Woolfson, welche die meisten alten Fans auch vorrangig interessieren wird (allerdings haben die beiden auch für das 1990 veröffentlichte “Freudiana” letztmals zusammengearbeitet). Zum ersten Mal werden bündelt diese Box alle zehn Alben dieser Phase. Dazu enthält sie das sagenumwobene unveröffentlichte fünfte Album von The Alan Parsons Project: "The Sicilian Defence", dazu weiter unten mehr.

Der Rezensent hat sich der nostalgischen, zeitraubenden, aber ansonsten bereichernden Aufgabe unterzogen, die 11 CDs weitestgehend am Stück hintereinander weg zu hören. Der komprimierte Eindruck: Es geht weiterhin nichts über das 1976er Debütalbum "Tales Of Mystery And Imagination: Edgar Allan Poe", auch wenn man sich daran noch am ehesten hätte "satt" hören können - und auch wenn Maestro Parsons selbst in den Liner Notes "Eye In The Skye" als "arguably our biggest album" bezeichnet.

Aber beim Erstling ist die Rezeptur der komplett durchkonzipierten Themenwerke einer kompetenten Truppe von Soundtüftlern mit Gastmusikern besonders schlüssig aufgegangen. Und die resultierende Musik verzaubert bis zum heutigen Tag. Durch Gäste wie Arthur Brown, aber vor allem durch die nie wieder ganz so unheilvoll-geheimnisvollen Orchester- und speziell Hörner-Arrangements von Andrew Powell (u.a. Kooperationen m. Cockney Rebel, Ambrosia, John Miles, Dave Gilmour, Kate Bush, Al Stewart, aber auch Stomu Yamastha und sogar Pierre Boulez) - allen voran natürlich "The Fall Of The House Of Usher", übrigens mit Francis Monkman (u.a. Curved Air) am Cembalo.

Nach diesem furiosen Start bilden die Alben "I Robot" (großartig: das Titelstück als erstes der spacigen Instrumentals, denen noch so viele folgen sollten; Steve Harley singt "The Voice"; "Genesis Ch. 1, V. 32" zitiert die Harmonik von György Sándor Ligetis "Lux Aeterna") und "Pyramid" (Colin Blunstone [The Zombies] singt "The Eagle Will Rise Again") ein Hochplateau - von dem aus mit "Eve" leider ein gewisser Abstieg ins zunehmend Seichte begann - woran auch großartige Mitwirkende wie Chris Rainbow (voc; u.a. Camel) oder Clare Torry (voc; u.a. Pink Floyd) nichts ändern konnten. Das in München aufgenommene "The Turn Of A Friendly Card" erinnert bisweilen noch am ehesten an die ersten drei Alben. Elmer Gantry (voc; u.a. Cozy Powell) verbreitet ein gewisses Rock- und Ian Bairnson bei "Games People Play" sogar erhebliches Mark Knopfler-Flair.

"Eye In The Sky" sieht APP zurück in den Londoner Abbey Road Studios und das mit der bewährten Riege von Musikern wie Lenny Zakatek, Colin Blunstone, Chris Rainbow, Ian Bairnson, Stuart Elliot, David Paton und sogar noch ergänzt durch den großen Mel Collins (sax). Doch das damalige Erfolgsalbum verpufft in der Gegenwart ziemlich folgenlos.

Auf "Ammonia Avenue" bietet das Instrumentalstück "Pipeline" (wieder mit Mel Collins) ein einsames, bescheidenes Highlight. Das ist bei "Vulture Culture" vermutlich das - allerdings arg an "One More River" von "Pyramid" erinnernde - Titelstück. Auf "Stereotomy" erscheinen die fragwürdigen Segnungen der Gitarren-Synthesizer, nehmen die Drum-Computer und Sequencer überhand, hier erscheint aber auch Gary Brooker (voc; u.a. Procol Harum), der "Limelight" Licht und Glanz verleiht.

"Gaudi" als letztes Parsons-Woolfson-Produkt für Arista ist vom katalanischen Architektur-Genie Antoni Gaudi inspiriert - und bildet einen relativ würdigen Abschluss dieser Phase.

"The Sicilian Defense", dessen Titel aus dem Schachspiel abgeleitet ist, entstand in nur wenigen Tagen in den Super Bear Studios in Frankreich - in der gleichen Zeitperiode in der auch das 1979er Album "Eve" eingespielt wurde. Laut Label-Info ist es "ein zugleich komplexes und experimentelles Album". Andere Quellen sprechen von "atonal, inaccessible, and virtually unlistenable" und davon, dass die Aufnahmen als bewusster Affront gegen die Plattenfirma gerichtet waren, mit der sich die Band gerade im Streit befand. Die Bänder dieser Sessions wurden jedenfalls im März 1981 an Arista übergeben. Dort landeten die kontroversen Aufnahmen der Sage nach im Safe und blieben "drei Jahrzehnte lang ungehört". Zwar wurde Jahre später eine dieser Aufnahmen als "Elsie’s Theme" in einen Bonustitel für ein Re-Release von "Eve" überführt, das komplette Album wird jedoch nun in der Box erstmals veröffentlicht.

"TSD" ist also der von den elf Freunden, von denen man am wenigsten erwartet hat - und überrascht doch positiv: Natürlich sind diese rein instrumentalen Skizzen nur als work in progress, also als Vorstufen zu sehen. Aber - idealerweise zusammen genommen mit einem anderen Zeitdokument, nämlich"Eric Woolfson Sings The Alan Parsons Project That Never Was" (Rezension auf GL.de) - kann man hier einen ganz guten Eindruck von der Arbeitsweise des Projektteams gewinnen, bei dem möglicherweise der Flügel eine zentrale Rolle spielte.

Apropos: "P - Q B 4" (die Songtitel geben Schachzüge an) ist trotz einiger gut hörbarer Verspieler auch heute noch eine schöne, melancholische Piano-Ballade, die John Miles sicher wunderbar gesungen hätte, wenn es denn dazu gekommen wäre. "Kt - K B 3" wäre höchstwahrscheinlich zu einem der typischen APP-Instrumentals ausgebaut worden. An "...Kt - Q B 3" fallen die maschinen-generierten und doch so APP-typischen Chöre auf, an "P - Q 4", einer weiteren Flügel-Skizze, die an Erik Satie erinnernde, hier fast sakrale Schlichtheit. Bei "P x P" nerven die Drum-Computer, aber bei den "Streichern" von "Kt -B 3" kann man schon wieder ahnen, was Alan und Eric daraus hätten machen können. Höhepunkt des Albums ist "Kt - Q B 3", dessen Synkopen allerdings deutlich an "Breakdown" von "I Robot" erinnern.

Jede der wiederveröffentlichten CDs ist im "Vinyl Replica"-Look ausgestattet (das bedeutet leider auch: bis zur Unleserlichkeit verkleinerte Reproduktionen der Texte, soweit vorhanden) und mit der Original-Titelliste (das heißt: kein Remaster, außer für das erst 2013 unter Mitwirkung von Alan Parsons final gemasterte "TSD"). Und es bedeutet: CD-Laufzeiten von teilweise nur 38 Minuten.

Dennoch: Wohl dem APP-Fan, der diese musikalischen Kultgegenstände noch nicht im CD-Format, sondern beispielsweise nur auf zerkratztem Vinyl, auf Tape oder Tonband oder überhaupt unvollständig besitzt - denn ihr oder ihm wird es jetzt sehr leicht (und recht bezahlbar) gemacht, einen Schrein für die relevantesten Veröffentlichungen einzurichten.

Die Box enthält:

“Tales of Mystery and Imagination: Edgar Allan Poe”, 1976
"I Robot”, 1977
"Pyramid", 1978
"Eve", 1979
"The Turn of a Friendly Card", 1980
"Eye In The Sky", 1982
"Ammonia Avenue", 1984
"Vulture Culture", 1985
"Stereotomy", 1985
"Gaudi", 1987
"The Sicilian Defence", 1979/2014



-Klaus Reckert-




 
 
 

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