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Ian Anderson - Homo Erraticus

Ian Anderson - Homo Erraticus
Calliandra/Kscope/edel
Format: CD

Er hat es wieder getan: Nach dem vergleichsweise großen künstlerischen wie geschäftlichen Erfolg der Thick As A Brick-Wiederbelebung "TAAB2" ist Gerald Bostock wieder da! Und erweist sich erneut nicht als schlapper Versuch, diese Kuh noch ein weiteres Mal auszumelken. Sondern als spannendes und anspruchsvolles Album, das bei all seinem Bemühen um authentische Sounds (beispielsweise wurden soweit möglich Originalinstrumente genutzt, die schon bei TAAB1 im Einsatz waren) zeitgemäß bis stark gesellschaftskritisch daherkommt. Der nunmehr unter seinem eigenen Namen bzw. als Jethro Tull's Ian Anderson veröffentlichende Schotte hat diesmal sogar einen doppelten Fiktionsboden eingezogen: die von ihm vorgeblich nur vertonten und auf die Bühne gebrachten Auslassungen Bostocks beruhen hiernach auf einem unveröffentlichten Manuskript des Amateur-Historikers Ernest T. Parritt (1865-1928). Dies motiviert den Parforce-Ritt durch die vornehmlich britische Geschichte, zu dem diese 15 Stücke uns einladen - unterteilt übrigens in die biblischen Teile Chronicles, Prophecies und Revelations.

Alle Trademarks sind an Ort und Stelle - gleich in den ersten Sekunden werden wir von Andersons Querflöte, einer nach Portativ klingenden Orgel sowie einer Les Paul mit authentischer Siebziger-Jahre-Verzerrung für die Reise eingestimmt. "Doggerland" ist folkiger Progrock mit einer Metal-Klinge und damit eine optimale Ouvertüre. "Heavy Metals" nutzt noch eine weitere Fiktionsschicht, denn das Lied wird zumindest eingangs aus der Perspektive eines (Waffen-)Schmieds gesungen, wobei das elisabethanische Idyll der Musik durch die gesungenen Namen der Rüstungskonzerne ironisch gebrochen wird. Beim besonders melodischen "Enter The Uninvited" marschieren anfänglich nur die römischen Legionen ein. Das dezente Rappen, in das Master Anderson verfällt, verrät aber alsbald, dass es hier auch noch um andere Heimsuchungen geht: "Pizza Palace, Burger Kingdom, Nylon Stockings, ..." Das mysteriöse "Puer Ferox" scheint fast die Eingangssequenz von "Songs From The Woods" zu zitieren. Elegante Einheit von Form und Inhalt auch bei den Mönchs-Chören (u.a. von Ryan O'Donnell) von "Meliora Sequamur", das in einer Zeit spielte, als Kirche und Klöster noch ein Bildungsmonopol besaßen und verteidigten.

John O' Haras Akkordeon- und Florian Opahles Gitarrenspiel prägen "The Engineer", während in der Verarbeitung zweier Weltkriege "Tripudium Ad Bellum" die legendäre Querflöte federführend agiert und sogar mal "Bourrée" umspielt. Und so geht es weiter, bis zum vorläufigen Finale von "Cold Dead Reckoning", das auch einen (düsteren) Neubeginn markiert.

Es ist bemerkenswert, wie wunderbar Ian Anderson wieder allen eine Nase dreht, die ihn zu simpel mit seinen Kunstfiguren gleichsetzen, aber auch all jenen, die ihm ein textlich wie musikalisch schlicht beeindruckendes Konzeptwerk wie "Homo Erraticus" nicht mehr zugetraut haben.

Wie inzwischen fast üblich, ist das Album in verschiedenen Editionen erhältlich, die edelste enthält neben einem sechzigseitigen Buch auch eine DVD mit dem 5.1-Surround-Mix des Albums, eine weitere DVD mit "Making Of" und Interviews sowie eine Bonus-CDs mit Audio-Kommentaren und frühen Produktionsstufen ("Hotel Demos").



-Klaus Reckert-


Album Teaser
Interview
Playlist Jethro Tull


 
 
 

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