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Pavlov's Dog - The Pekin Tapes

Pavlov's Dog - The Pekin Tapes
Rockville/Soulfood
Format: CD

1975, als ihr Debüt "Pampered Menial" erschien, galten Pavlov's Dog als die bislang am höchsten dotierte Newcomerband überhaupt. Wer alt genug dafür ist, erinnert sich vielleicht noch mit wohligem Schauer an Jugendzentrums-Parties, die zu "Song Dance" wunderbar aus dem Ruder liefen. Oder an dies und das, wozu nur "Julia" oder "Late November" den Soundtrack liefern durfte...

Kaum jemand aber dürfte wissen, dass die Band bereits 1973 ein vollständiges, komplett selbstproduziertes Album aufgenommen hatte - zwar in nur drei Tagen (was damals ja nicht unüblich war), aber schon mit dem festen Willen, es als Debüt zu veröffentlichen. Doch da hatte die Band die Rechnung ohne ihr Label und den Dämon Mammon gemacht. ABC Records hörte das noch unbetitelte Album (Arbeitstitel "Pekin Tapes", nach dem Aufnahmeort Golden Voice Studios in Pekin, Illinois) und nahm Pavlov's Dog ohne zu zögern für 650.000 Dollar unter Vertrag. Statt aber die Tapes zu veröffentlichen, schickte ABC die Band unter die Fittiche des Produzententeams Perlman/Krugman und erneut ins Studio, wo dann das heute - zurecht! - in vielen Musiksammlungen stehende "Pampered Menial" aufgenommen wurde.

Damit waren die "Pekin Tapes" vermeintlich irrelevant geworden - überdies galten sie seit der Zerstörung der Golden Voice Studios durch Feuer als vernichtet. Ganz unerwartet tauchte jedoch dieses Jahr in einem privaten Nachlass eine Kopie der Aufnahmen auf.

Nach aufwändiger Bearbeitung und Wiederherstellung erscheinen diese historischen Aufnahmen jetzt mit 41-jähriger Verspätung beim deutschen Label und Management der Band seit 2004, Rockville Music. Für Fans der Band ist das ein ähnlicher Burner wie es die Entdeckung des Urfaust für Germanisten gewesen sein muss. Denn nur fünf der zehn Songs auf den 53 "Pekin"-Minuten haben es überhaupt auf "Pampered Menial" geschafft - und dies noch in stark bearbeiteten Versionen, was ja der Sinn der Neuaufnahme war. Überdies ist das Nicht-Album-Material aller Ehren wert, beispielsweise das herrliche, von Keyboarder David Hamilton gesungene "Time" zwischen psychedelischer Hippie-Party und ausgefeilten "Orchester"-Arrangements. Ebenfalls von Hamiltons Leadgesang geprägt ist "Clipper Ship", während die Ballade "It's All For You" Gitarrist Steve Scorfina am Gesangsmikrofon präsentiert. Doch auch das swamp-rockige, von David Surkamp mit unnachahmlicher Sirenenstimme interpretierte "Stomp Water Magic" ist faszinierend. Und gerade Moog- und Mellotron-Fans werden das abschließende Instrumental "Preludin & Fellacio In E-Minor" (sic) als Offenbarung erleben. Die hier vorliegende Fassung ist kostbare acht Minuten lang, statt der anderthalb, die für "Menial" überlebt haben. Es war wohl dieses Produzentenwirken und die Missachtung seiner Kompositionen, welches dazu geführt hat, dass Violinist Sigfried Carver nach "Menial" die Band verließ, ganz ähnlich wie übrigens Hamilton.

Doch damit nicht genug, wurde die CD mit den frühesten Aufnahmen der Band überhaupt - vier naturgemäß recht rohen Demos zu u.a. "Natchez Trace" oder "Fast Gun" - auf 68 Minuten Laufzeit gebracht - ein Fest für Freunde des Interpretations- und Versionsvergleichs!

Bassist Rick Stockton wird mit der Aussage zitiert: "Die Aufnahmen zeigen die unverfälschte Tatkraft, die wir hatten und wofür wir berühmt waren, bevor die Musikindustrie uns in die Hände bekam und bremste". Wie sie ungebremst klangen, dazu kann und sollte sich jetzt jeder Fan der legendären Progrock-Band aus Saint Louis selbst ein Urteil bilden.



-Klaus Reckert-


"Theme From Subway Sue" (early version)


 
 
 

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