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Steven Wilson - Hand. Cannot. Erase.

Steven Wilson - Hand. Cannot. Erase.
Kscope/edel
Format: CD

Ears. Cannot. Believe. - der Nachfolger des in Deutschland sogar in die Charts geflogenen "The Raven That Refused To Sing" enthält begeisternde Musik, teils sogar kaum glaublich schöne! Wenn man sich erstmal damit abgefunden hat, dass "H. C. E." tendenziell weniger Jazzrock-Gefreake ("Ancestral") und mehr eingängige Pop-Perlen ("Routine") als die beiden Vorläufer enthält, ergibt sich das Bild eines topmodernen Konsenswerkes, das elegant die Balance zwischen Anspruch und Eingängigkeit hält.

Das in identisch gebliebener Besetzung aufgenommene Konzeptalbum greift die tatsächlich so geschehene Geschichte von Joyce Carol Vincent auf - einer attraktiven jungen Frau, die erst drei Jahre nach ihrem Tod in ihrem Londoner Appartement aufgefunden wurde. Die Dokumentation "Dreams Of A Life" setzte bei Steven den Samen für seine Auseinandersetzung mit der Frage, wie so etwas möglich ist. Wohlgemerkt: Joyce war nicht vereinsamt, schrullig, steinalt - im Gegenteil. Und dennoch hat sie jahrelang niemand vermisst... Dieses bestürzende Konzept wird grandios vertont und meisterlich umgesetzt - bis hin zu Lasse Hoiles Fotografie und Artwork. Details dazu erläuterte uns Steven im Interview (vgl. letzte Surf-Empfehlung).

Zurück zur Musik - wie es ein befreundeter langjähriger Wilson-Kenner nach einer statt Schlaf mit "H. C. E." verbrachten Nacht so prägnant sagte: "Was ich an/bei Wilson so mag, ist, wenn er sich den Humor gönnt, einfach mal das raushängen zu lassen, woher er kommt. Auf '3 Years Older' passiert das alles: Pete Townshend - Genesis - Crosby, Stills & Nash... - alles nur in kleinen Momenten, und auch eben insgesamt Wilson!" Tatsächlich ist es aufgrund des Zaubers dieses Albums und der Existenz von Repeat-Tasten nicht ganz trivial, überhaupt je über Songs wie "3 Years Older" oder über das zauberhafte "Routine" hinaus zu kommen, das der Sängerin Ninet Tayeb ähnlich viel verdankt, wie einem zwölfköpfigen Knabenchor. Nicht, dass es sich nicht lohnen würde, sich "durchzukämpfen". Man denke allein schon an Adam Holzmans triumphales Rhodes-Spiel auf beispielsweise "Home Invasion", Theo Travis' märchenhafte Flötentöne auf "Ancestral" oder Guthrie Govans majestätische Gitarrenarbeit auf "Happy Returns"! Aber wie gesagt, Ohren und Geist bleiben hier ohnehin ständig an irgendetwas Unglaublichem hängen. Und so dauern diese 66 Minuten typischerweise drei bis vier Stunden, ein Phänomen, dessen Erforschung unter dem Namen "Wilson-Paradox" noch aussteht.



-Klaus Reckert-


H. C. E. Teaser
"Perfect Life"
Steven Wilson @ AIR Studios, London, Pt. 1
Steven Wilson @ AIR Studios, London, Pt. 2
Steven Wilson @ AIR Studios, London, Pt. 3


 
 
 

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