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Alela Diane & Ryan Francesconi - Cold Moon

Alela Diane & Ryan Francesconi - Cold Moon
Believe/Soulfood
Format: CD

Vor vier Jahren sah es ein wenig so aus, als würde Alela Diane ihren puritischen Folk-Anfängen endgültig den Rücken kehren. Für ihr Album "Wild Divine" formte sie gemeinsam mit ihrem Mann Tom Bevitori eine echte Band, der langjährige R.E.M.-Produzent Scott Litt drückte die richtigen Knöpfe für den Erfolg und ihr Label Rough Trade sah die Dame aus Portland in Gedanken vermutlich schon auf den vorderen Plätzen der Charts. Doch dann kam alles ganz anders: Der Erfolg blieb aus, ihr Label setzte sie vor die Tür, ihre Ehe ging in die Binsen und statt zu neuen Ufern aufzubrechen, stand sie plötzlich wieder am Anfang.

Mit dem in den USA selbst veröffentlichten Album "About Farewell" gelang ihr 2013 dann allerdings ein beeindruckender Neustart, mit dem sie nicht nur zu ihren solistischen Ursprüngen zurückkehrte, sondern auch die Trennung von ihrem Mann in musikalisch wie textlich stets wohlüberlegten Songs verarbeitete. Damals war Portlands musikalische Allzweckwaffe, Heather Woods Broderick, oft ihre einzige Begleiterin, und auch auf ihrem neuen Album hat Alela zumeist nur einen einzigen Mitstreiter an ihrer Seite, Ryan Francesconi, "le guitariste culte de Joanna Newsom", wie ihn der Aufkleber auf dem Albumcover vorstellt (Frankreich ist Alelas größter Absatzmarkt).

Anders als Heather, die bei "About Farewell" Alelas bereits eingespielte Lieder "nur" ausschmückte und veredelte, ist "Cold Moon" eine echte Kollaboration. Ryan steuerte Instrumentalstücke bei, Alela Texte und Gesang. Eigentlich zunächst nur als zwanglose Fingerübung der damals von einer Schreibblockade geplagten Musiker gedacht, entstand so binnen kurzer Zeit ein zeitlos schönes Winteralbum, das musikalisch auf das Nötigste reduziert ist und trotzdem nie karg oder gar unfertig klingt. Zusammen bringen die beiden die Leere der langen Tage der kalten Jahreszeit zum Klingen, der Gitarrist mit seinem fantasievollen, sich beständig windenden Gitarrenspiel, die Sängerin mit ihren gewohnt kunstvollen Gesangsmelodien, hier und da zusätzlich dezent umspült von Streichern und Posaune. Hatte Alela auf ihrem letzten Album ungewohnt klare , direkte Worte gefunden, kehrt sie nun zu poetischeren Formulierungen zurück, und zunächst hat man das Gefühl, dass sie ihre eindringliche Stimme dieses Mal eher als zusätzliches Instrument denn als Träger von Botschaften einsetzt, bevor sich langsam das Thema Vergänglichkeit als roter Faden der oft an der Schnittstelle von Mensch und Natur angesiedelten Texte herausschält und so dem Album mehr Tiefgang verleiht, als es das kontemplative Grundsetting auf den ersten Blick vermuten ließ. Freigeistig, erhaben, bewegend, aber auch anspruchsvoll - "Cold Moon" ist all das.



-Carsten Wohlfeld-




 
 
 

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