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Exploded View - Exploded View

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Sacred Bones/Cargo
Format: CD

Irgendwie hat das musikalische Wirken von Anika Henderson viel Zufälliges: 2010 geriet die Frau, die sich wahrscheinlich heute darüber kaputt ärgern dürfte, in ihrer Vita jemals "politische Journalistin" als Berufsbezeichnung erwähnt zu haben, weil sie seither nämlich auf diesen Begriff eingedampft wird, über eine Ausschreibung an ein Studioprojekt, mit dem Geoff Barrow von Portishead seine Vorlieben für Dub-Ästhetik und Krautrock-Unerbittlichkeit mit Hilfe einer unverbrauchten und unprofessionellen Stimme ausloten wollte. Das Ergebnis war das bemerkenswert unfertig erscheinende Debüt-Album "Anika", das zum Großteil aus abenteuerlich verstiegenen Coverversionen bestand und durch eine bemerkenswert ungeschönte, ehrliche und experimentelle Imperfektion in Erinnerung blieb. Als Anika nun in Mexiko Proben für ihre ersten Konzerte dortselbst abhielt, ergab sich die Möglichkeit, mit Produzent Martin Thulin und den Musikern Hugo Quezada und Hector Melgarejo an einem ganz neuen Konzept zu arbeiten. Hier arbeitete man nämlich live im Studio - inklusive Field-Recordings - auf improvisatorischer Basis an gemeinsamen Stücken, die sich im Vergleich mit jenen aus dem Barrow-Projekt stilistisch sehr viel abwechslungsreicher und erstaunlicherweise auch konkreter zeigen. Sogar so etwas wie Melodien und Songstrukturen sind hier zu erkennen - auch wenn das unerbittliche, gemeinsame rhythmische Gerüst immer noch die Haupt-Basis bietet.

Ein geschickter Zug war hier sicherlich, die Aufnahmen nicht endlos auszudehnen, sondern zumeist nach drei Minuten den Regler herunterzufahren, was dazu führte, dass das Ganze weit weniger fragmentarisch und beliebiger rüberkommt, als die Ausgangslage eigentlich hätte vermuten lassen - ohne dass der hypnotische Aspekt übrigens dabei ganz unter den Tisch gekehrt wurde. Natürlich ist Anika Henderson bei all dem immer noch keine klassische Sängerin geworden, aber ihre vokalen Bemühungen erscheinen heutzutage doch sehr viel souveräner und vor allen Dingen treffsicherer als zu Beginn ihrer Laufbahn.



-Ullrich Maurer-




 
 
 

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