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Tonträger-Review
 
Lucinda Williams - World Without Tears

Lucinda Williams - World Without Tears
Lost Highway/IslandMercury/Universal
Format: CD

Eines vorweg: Auf ihrer neuen CD singt Lucinda Williams nicht etwa von einer Welt ohne Tränen, sondern von der Unmöglichkeit einer Welt ohne Tränen: "Woher sollte in einer Welt ohne Tränen der Trunkenbold das Gesicht nehmen, auf das er fallen kann?", fragt sie im Titeltrack. Inhaltlich ist dies die definitiv die bislang desolateste Scheibe der Königin des Alt-Country. Besonders deutlich wird das beim herausragenden Kernstück, "Everything Is Wrong", wo Lucinda zu einem düsteren Groove mit bis zur Unkenntlichkeit verfremdeten Gitarren und E-Piano-Sounds - das verpfuschte Leben eines der von ihr mit Anteilnahme ausgewählten Außenseiters der Gesellschaft besingt - oder besser: sprechsingt, beinahe gar "rappt". Es kommt dabei dem Sujet entgegen, dass Lucindas klagendes Timbre für derlei Themen geradezu wie gemacht scheint. Musikalisch ist die Scheibe beinahe eine Antithese zu allem, was Lucinda bislang gemacht hat. Das meint: Ewig lange Pausen zwischen den Scheiben, an denen dann bis zur Perfektion herumgeschraubt wurde. Die neuen Stücke wurden quasi live im Studio eingespielt. Es sei erlaubt anzumerken, dass die aus diesem Umstand resultierenden Ungereimtheiten (z.T. recht beliebige, uninspirierte Soli, die übermäßige Betonung einer Tremolo-Gitarre, Spielfehlerchen) auf diesem Level nicht immer nur charmant wirken! Aber für Lucinda ist diese Abkehr vom Gewohnten, über deren Gründe man im Interview von Herrn Wohlfeld nachlesen kann, der größtmögliche Schritt - und muss deshalb geachtet werden. Am Interessantesten wird es immer dann - wie bei "World", beim rauhen Blues "Bleeding Fingers" oder wie bei der im ungewöhnlichen Tuning vorgetragenen Liebeserklärung an "Minneapolis" - wenn sich Lucinda so weit wie möglich vom gewohnten, countryesken Terrain entfernt. Aber auch die "normalen" Tracks, darunter das besonders runde Titelstück, ragen immer noch über das Mittelmaß vieler anderer ähnlich gearteter Scheiben heraus. Es wird interessant sein zu beobachten, ob dieser "versehentliche Ausrutscher" in Sachen Produktionsweise zukünftig weitere Früchte trägt, und sich in Zukunft vielleicht sogar auf's Songwriting auswirkt.


-Ullrich Maurer-




 
 
 

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