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Diana Krall - The Girl In The Other Room

Diana Krall - The Girl In The Other Room
Verve/Universal
Format: CD

Manchmal kann eine Liaison unter Künstlern ja tatsächlich einmal Früchte tragen. Nachdem die Jazz-Diva #1, Diana Krall, nun mit Elvis Costello liiert ist, fand sie auf einmal den Mut - oder die Inspiration -, sich von dem sicheren, aber auch ausgetretenen Pfad der geschmackvollen Interpretation unanfechtbarer Jazz-Standards zu entfernen und überrascht auf ihrem neuen Album nun nicht nur als Songwriterin, sondern sogar mit einem ziemlich radikalen Stilwechsel. So finden sich auf dieser Scheibe erstmalig kaum Cover-Versionen aus dem Standard-Jazz-Repertoire, sondern stattdessen solche von kontemporären Songwritern wie Joni Mitchell, Tom Waits oder eben auch Elvis Costello. Dessen "Almost Blue", von dem ja bereits Chet Baker eine bislang ultimative Version ablieferte, definiert sie hier z.B. in der Grauzone zwischen Blues und Jazz schlicht neu. Überhaupt entdeckt Diana auf dieser CD den Blues für sich. Ob es nun Tracks von Mose Allison, Bonnie Raitt oder eigene Stücke sind: Hier gibt es rauhe und schmirgelige Varianten der bislang eher als glatt bekannten Interpretin Diana Krall zu finden, die aufhorchen lassen - sowohl was den Gesang, wie auch das beinahe aggressive Pianospiel betrifft. Letztlich verblasst dies aber eher neben den sechs Kompositionen, die sie mit ihrem Herrn Gatten schrieb. Eine intelligentere Jazz-Ballade als z.B. den Titeltrack hat man seit Jahren nicht mehr zu hören bekommen. Die Krönung dieser bemerkenswert konsequenten Scheibe stellen indes zwei Stücke dar, die sich am weitesten vom üblichen Jazz-Standard-Schema entfernen und nahezu spielerisch mit wunderschönen Harmonien und Melodien überraschen: "Narrow Daylight" und das abschließende "Departure Bay" dringen dabei eher in Bereiche vor, die ansonsten von Künstlerinnen wie Norah Jones oder Holly Cole abgedeckt wurden. Was ja weiter nicht verwunderlich wäre, käme das Ganze eben nicht ausgerechnet aus der Ecke einer Interpretin, die man bislang der strikt klassischen Linie zurechnen musste und die zuletzt "Besame Mucho" als Kuschel-Bossa-Nova interpretierte. Ganz nebenbei werden die Songs nämlich mit einem für Jazz-Scheiben ungewöhnlichen Druck dargeboten, der das Ganze mit einem ungeahnten Feuer unterlegt und fast greifbar macht. Beispielsweise swingt so auf Bonnie Raitts "Love Me Like A Man" quasi eine ganze (nicht vorhandene) Big Band mit. Diese CD ist ein Meisterwerk, das all jenen zu denken geben sollte, die sich immer noch an der Idee festhalten, dass es wenigstens im Jazz ein definitives "Falsch" und "Richtig" geben sollte...


-Ullrich Maurer-




 
 
 

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