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Tonträger-Review
 
Richmond Fontaine - The Fitzgerald

Richmond Fontaine - The Fitzgerald
Decor/Indigo
Format: CD

Zufällig ist dieses neue Werk von Richmond Fontaine ziemlich genau das Gegenstück zu "Lost Son", der letzten hierzulande veröffentlichten CD der Band aus Portland, Oregon. "Lost Son" - eigentlich ein fast verschollenes Frühwerk - war eine ruppige, laute Schrammelrock-Scheibe. Das Konzeptalbum über die Randfiguren, die eine Casino-Stadt, wie etwa Reno, die Geburtsstadt von Songwriter Willy Vlautin, abseits der glitzernden Leuchtreklamen bevölkern, ist nun eine düstere, akustische Scheibe geworden, die auch ziemlich weit entfernt ist von der letzten, voll orchestrierten Fontaine-CD "Post To Wire". Ebenso zufällig weist dieses Werk gewisse inhaltliche Parallelen zu Springsteens neuer Scheibe "Devils & Dust" auf, auf der es auch um Außenseiter geht, deren Seele in Gefahr ist. (Mehr noch: Einer der Tracks auf "Devils & Dust" heißt gar "Reno" und spielt eben dort.) Doch natürlich ist dies kein Springsteen-Rip-Off - denn einerseits hat Willy Vlautin natürlich nicht die Ressourcen eines Springsteen und zweitens ist er als gebürtiger Wüstenstaatler doch wesentlich näher dran an den zerbrochenen Typen, über die er singt. So wirken seine Kitchen-Sink-Dramen betont realistisch, aber auch desolat und hoffnungslos - und man hat (anders als beim Boss) auch nicht das Gefühl, dass er sich hier besonders verbiegen muss, um das alles glaubwürdig darstellen zu können. Musikalisch orientiert sich Vlautin dabei eher an den Songs von "Post To Wire" - nur dass diese eben mit gezogener Handbremse arrangiert wurden. Wobei seine Bandkumpels mit ihren subtilen Beiträgen das ihre tun, den sparsamen Geist des Projektes zu beleben. Wie so oft ist dabei weniger mehr und was die Scheibe etwa an Power vermissen lässt, wird durch Atmosphäre mehr als wettgemacht. Mit CDs wie "Lost Son" und "The Fitzgerald" vermitteln Richmond Fontaine zudem ein betont lebensnahes, realistisches Amerikana-Bild und verraten, dass sie ihre Musik keinesfalls aus geschmäcklerischen Gründen so machen, sondern weil es wohl ihrer Natur entspricht. Das meint: Aufrichtigere Scheiben dieser Art wird man wohl kaum finden können.


-Ullrich Maurer-




 
 
 

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