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Television Personalities - My Dark Places / Fashion Conscious

Television Personalities - My Dark Places / Fashion Conscious
Domino Records/Little Teddy
Format: CD

Elf Jahre lang (die diversen Wiederveröffentlichungen und das aus Resten und Coverversionen zusammengeschusterte Album "Don't Cry Baby... It's Only A Movie" einmal nicht mitgerechnet) hat uns Mastermind Dan Treacy auf ein neues Album der Television Personalities warten lassen - und uns dann mit der Vertragsunterzeichnung beim renommierten Domino-Label (Vertrieb: Rough Trade) und der Rückkehr von Ed Ball, als Gründer von The Times, Creation-Records-Unikum und Ur-TVP-Bassist selbst eine lebende Legende, den Mund wässerig gemacht.

Abgeliefert hat er allerdings nun ein Album, das die Vermutung nahe legt, dass an all den Gerüchten über ihn in den letzten Jahren - Drogensucht, Obdachlosigkeit, Gefängnisaufenthalt - etwas dran zu sein scheint. Auf dem keinesfalls ironisch "My Dark Places" betitelten Werk präsentiert sich Treacy als tragische Figur, die von den düstersten Seiten des Lebens aus erster Hand berichten kann. Das mag man mit viel Wohlwollen als Parallele zum 1985er Meisterwerk "The Painted Word" deuten. Warum die britische Presse dieses neue Album allerdings schon vor der Veröffentlichung über den grünen Klee lobte, erklärt es nur bedingt. Vor allem auf Seite 1 fällt auf, dass die Texte weniger eloquent als bei früheren Großtaten sind und sich die Musik aus teilweise dürftig (bzw. ungeschickt altmodisch) produzierten, improvisierten Versatzstücken zusammensetzt. Außerdem scheint Treacy auch ein wenig seine Singstimme abhanden gekommen zu sein, denn oft spricht er seine Texte mehr, als dass er sie singt. Das nervt zuerst gewaltig, gibt sich aber bei mehrmaligem Hören glücklicherweise etwas. Seite 2 hat mehr Struktur und mit "She Can Stop Traffic" und "I Hope You're Happy Now" auch einige richtig gute Mod-Pop-Songs alter Schule zu bieten, aber eine Rückkehr der klassischen TVPs, die sich einige von dieser LP erhofft hatten, ist es nicht.

Auch nicht aus der klassischen Phase der Band, aber immerhin aus den Jahren vor Treacys Abtauchen setzt sich das zeitgleich erscheinende Album "Fashion Conscious" zusammen, auf dem - erstmals auf CD - alle Songs versammelt sind, die Treacy Mitte der 90er für das Münchner Little Teddy-Label (Vertrieb: Broken Silence) ausschließlich auf 7"s veröffentlicht hat. In seinen eigenen Songs ("Time Goes Slowly When You're Drowning", "Now That I'm A Junkie") mag sich da schon das drohende Unheil ankündigen, doch vor allem in den Coverversionen, die gut ein Drittel dieses Albums ausmachen, steckt echtes Herzblut: In "I'm Not Like Everybody Else" von den Kinks gleich zu Beginn, "I've Been Down So Long It Looks Like Up To Me" von Lee Hazlewood oder John Lennons "Whatever Gets You Through To The Night". Auch wenn wir nicht gedacht hätten, dass uns das mal über die Tastatur kommt: Ein bisschen mehr vom Geist dieser Sessions hätten wir uns auch für "My Dark Places" gewünscht.



-Carsten Wohlfeld-




 
 
 

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