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Neil Young - Living With War

Neil Young - Living With War
Reprise/Warner Music
Format: CD

Nachdem sich Neil Young mit seinem ambitionierten "Greendale"-Projekt ja dann ja doch irgendwo verstiegen hatte, läuft er auf dem neuen Werk beinahe unbekümmert zu Höchstform auf. Was angesichts des Themas recht bemerkenswert ist. Denn "Living With War" ist nicht mehr oder weniger als eine astreine Politik-Rock-Scheibe - oder, wie Neil es selber formuliert: Ein "Metal Folk Protest Album". Das ganze Material entstand und wurde eingespielt innerhalb von zwei Wochen. Insofern wohnt der ganzen Chose dann auch eine gewisse Frische inne, die sorgsamer durchdachten und ausformulierten Sachen eben zuweilen abgeht. Mit einer elektrischen Band (Rick Rosas und Chad Cromwell), dem Trompeter Tommy Bray und einem 100-köpfigen Chor im Rücken, der weit mehr ist, als nur Gospel, versteht sich Neil auf diesem Werk als eine Art "Joan Of Arc Of Leftist Slogans" - oder anders ausgedrückt: Als die Stimme des Volkes. Bzw. jenes Teil des Volkes, das mit den momentanen Zuständen nicht einverstanden ist.

"Let's Impeach The President" bringt es der Meister ungewohnt deutlich (und ungewöhnlich plakativ) auf den Punkt. Zugegeben, die endlosen Tiraden zum Thema "Krieg ist schlecht und Frieden ist gut" hören sich dann doch ein wenig an wie Kinderlieder für Erwachsene - man darf nur nicht vergessen, dass es der große Kanadier hier auch eher mit großen Kindern zu tun hat. Wo man hinkommt, wenn man in den USA mit sophistischen Spitzfindigkeiten hantiert, davon kann Steve Earle ein Lied singen, der nach 15 Jahren immer noch erklären muss, dass "Christmas in Washington" eben KEIN Weihnachtslied ist. Nein: Den aktuellen Neil kann man nicht missverstehen: Bush ist ein Schurke, der das Volk belügt und betrügt, sich mit Kriminellen umgibt und die amerikanischen Jungs aus niederen Beweggründen in den unverdienten Tod hetzt. Das singt der Mann nahezu wörtlich daher - unterstützt von eben jenem bereits erwähnten Volkeschor. Der Wirkung dieses Agitprop kann man sich schwerlich entziehen - zumal es Neil gelingt, das alles musikalisch recht ansprechend zu verpacken. Es gibt nette Riffs, ordentliche Harmonien, jede Menge ungezügelten Drive und eben auch einen Trötemann. Auch dem Meister, Bob Dylan, zollt Young Tribut: Das ist halt schon alles sehr ernst gemeint, mit der Systemkritik. Alles in allem ist das schon ein recht unterhaltsames Neil Young-Album geworden. Ob und was das vielleicht bewirken mag, sei dahingestellt. Wichtig ist, dass sich ab und an jemand findet, der es überhaupt noch mal auf diesem Wege versucht...



-Ullrich Maurer-




 
 
 

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