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Jim White  - Searching For The Wrong-Eyed Jesus

Jim White - Searching For The Wrong-Eyed Jesus
Plexi/Indigo
Format: DVD

Das ist doch mal das etwas andere DVD-Erlebnis! Hier handelt es sich nämlich nicht etwa um einen Live-Mitschnitt oder eine Doku über die Laufbahn des ehemaligen Models, professionellen Tischfußballspielers und arbeitslosen Musikers Jim White, sondern um eine Art verfilmtes Soul-Searching. Als Andrew Douglas von der BBC Jims 1997er Debüt "Wrong-Eyed Jesus" in die Hände bekam, gab es kein Halten mehr: Fasziniert von der einzigartigen Backstory des merkwürdigen Songwriters beschloss er, die CD quasi zu verfilmen. Hierzu konnte er Jim White und ein Paar seiner Freunde (Handsome Family, Johnny Dowd, David Johansen und David Eugene Edwards) sowie den Südstaaten-Autor Harry Crews gewinnen, die er auf ihrer abenteuerlichen Reise durch den tiefen Süden der USA begleitete. Jim besorgt sich zunächst ein Auto - einen zerbeulten Chevy Impala - mit dem er das Vertrauen der Einheimischen gewinnen will, lädt sich eine Jesus-Statue in den Kofferraum und fährt dann los. Unterwegs sieht man seine Kumpels und ihn an ungewöhnlichen Orten (im Wald, auf einem Bootshaus, im Hotelzimmer, in einem Friseursalon, einem Diner und einer Tankstelle) kommentierende Songs spielen. Dazu erzählt Harry Crews unglaubliche Stories aus seiner Jugendzeit, die eine tiefe mystische Qualität besitzen und für den einen oder anderen Schauer sorgen.

Je tiefer Jim auf der Suche nach seinen Wurzeln in den Süden vordringt, desto abenteuerlicher und abstruser werden die Verhältnisse. Er gerät an Prediger, Wunderheiler, Schamanen und andere religiöse Fanatiker. Besonders befremdlich wirken die Aufnahmen von diversen Gospel-Messen, bei denen sich fanatische Rednecks in religiöse Extasen steigern. Solche Bilder ist man normalerweise nur aus dem nahen Osten gewohnt - nur dass es dort immer Muslims sind, die sich so gebärden und keine weißen, wiedergeborenen, christlichen Fundamentalisten. Das erklärt so einiges in Richtung George W. Bush, der sich unter anderem mittels dieses Bodensatzes der Zivilisation an die Macht katapultierte. So weit scheinen die USA spirituell also gar nicht von ihren selbst erkorenen Intimfeinden entfernt zu sein. Eine Auflösung in diesem Sinne gibt es nicht: Jim White stellt den Jesus auf einem Rastplatz ab und fährt weiter. Erkenntnisse gibt es dennoch zur Genüge. (Z.B. erzählte Johnny Dowd, dass er bei den Aufnahmen z.T. um sein Leben fürchtete.) Bevor demnächst eine Kollaboration von Jim White und Johnny Dowd erscheint, ist dies zunächst mal die ultimative Dröhnung für Fans. Obwohl Jim White hier eher ein Katalysator als etwa Mittelpunkt des Geschehens ist. Die DVD bietet einen ordentlichen Surround-Ton, 16:9 Bild und einige zusätzliche Performances, die aus der Dokumentation herausgeschnitten wurden. Rein handwerklich hat das Ganze wenig mit üblichen Video-Produktionen zu tun, sondern bietet in Bezug auf Kameraführung, Schnitt, Komposition und Regie durchaus filmreife Qualitäten.



-Ullrich Maurer-




 
 
 

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