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Bob Dylan - Modern Times

Bob Dylan - Modern Times
Columbia/Sony BMG Music
Format: CD

Eines konnte man Bob Dylan bisher noch nie vorwerfen: Vorhersagbarkeit. Die Konzerte seiner "Neverending Tour", mit der er seit 1988 praktisch jedes Jahr für zehn Monate um den Globus reist, waren jahrelang so etwas wie eine Lotterie: Nie konnte man genau wissen, wie der Meister in Form sein würde und was für Songs er aus dem Hut zaubern würde. Das galt bis zuletzt auch für seine Alben. Zwei aufeinanderfolgende Werke mit einem praktisch identischen Sound hat Dylan eigentlich noch nie veröffentlicht. Sein letztes Studioalbum "Love & Theft" von 2001 war sogar eines der sound- und stiltechnisch experimentierfreudigsten seiner inzwischen über 45-jährigen Laufbahn. Doch genauso wie er zuletzt bei seinen Konzerten Songrepertoire und Soundgewand aus eigenem Antrieb verknappte und so - positiv ausgedrückt - eine bisher eher unbekannte Fokussierung erreichte, reicht es ihm auch auf "Modern Times", den mit dem Vorgängeralbum eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Das ist insofern geradezu verwirrend, als Dylan noch nie in seiner Karriere mehr Zeit zwischen zwei Alben mit neuem Material verstreichen ließ als dieses Mal. Trotzdem merkten erste Rezensenten bereits treffend an, dass sich das neue Album anhört, als sei es fünf Wochen (und nicht fünf Jahre) nach "Love & Theft" entstanden. Das heißt nicht, dass die Platte schlecht wäre, sie ist ohne Frage jederzeit solide, streckenweise gar gewohnt genial. Sie ist lediglich nicht die Art von Meisterwerk, das viele Dylan gerade nach seiner großen Renaissance Ende der 90er im Fahrwasser seines Grammy-Albums "Time Out Of Mind" zugetraut hätten. Lediglich "Workingman's Blues #2", bei dem der Vibe von "Time Out Of Mind" widerhallt, das fast neunminütige Schlussstück "Ain't Talkin'" und vielleicht auch noch "Nettie Moore" scheinen das Potential zu besitzen, sich in die lange Liste von Dylans Klassikern einzureihen. Andere Stücke wissen zwar zu gefallen, allerdings sind "Spirit On The Water", "When The Deal Goes Down" oder "Beyond The Horizon" lediglich weitere, gut gemachte Varianten der Crooner-Songs, die Dylan schon auf dem vorangegangenen Album mit Nummern wie "Moonlight" oder "Bye And Bye" für sich entdeckt hatte. Und "Rollin' And Tumblin'" ist zwar ein wie für die Konzertbühne gemachter Uptempo-Blues, der Muddy Waters mehr als nur den Titel verdankt, aber auch keinesfalls Neuland für Dylan. Auch textlich bewegt sich Dylan auf dem bekannten Terrain apokalyptisch angehauchter Szenarien. Dennoch gibt es Überraschungen: Beim Opener "Thunder On The Mountain" erwähnt er doch tatsächlich Alicia Keys - und das gleich zweimal. Ebenso bemerkenswert: Dylans bei den Konzerten zuletzt viel gescholtene Backingband - auch "Love & Theft" entstand mit seiner Touringband, von der inzwischen aber nur noch Bassist Tony Garnier im Line-up ist - macht auf "Modern Times" einen wesentlich kompetenteren Eindruck als auf der Bühne, wenngleich sie auch nicht großartig gefordert wird. Derweil geht Dylans Endlostournee unvermindert weiter. Angesichts der Tatsache, dass zu erwarten ist, dass diese zehn neuen Songs in den nächsten Jahren das Rückgrat von Dylans Liveshows bilden werden, hätte man sich wohl ein Album gewünscht, das sich deutlicher von "Love & Theft" (und damit von den letzten fünf Jahren der "Neverending Tour") abhebt.


-Carsten Wohlfeld-




 
 
 

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