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Tonträger-Review
 
Patti Smith - Twelve

Patti Smith - Twelve
Columbia/Sony BMG Music
Format: CD

So bedeutend Patti Smith als Rock N Roll-Poetin auch ist: Die Interpretierung der Werke anderer war immer ein wichtiger Teil ihres Schaffens. Egal, ob sie während ihrer Auftritte Gedichte von Rimbaud, Blake oder Hesse rezitierte oder ob sie Van Morrisons "Gloria" komplett umkrempelte - stets ging sie die Werke der für sie so inspirierenden Künstler an, als seien es ihre eignen, ohne den angemessenen Respekt deshalb vermissen zu lassen.

Dass Smith nun ein Album mit ausschließlich Fremdkompositionen vorlegt, ist also durchaus folgerichtig und kein Zugeständnis an die schwindende Kreativität der auch im Jahr nach ihrem 60. Geburtstag noch so immens umtriebigen Künstlerin. Zumal die Arrangements der ausgesuchten Songs wahrlich nur so vor kreativen Einfällen sprühen. Das Eingangsriff von "Smells Like Teen Spirit" von einem Kontrabass spielen zu lassen und Kurt Cobains schneidenden Gitarrensound auf ein Bluegrass-Banjo zu übertragen - das hat was. Oder bei Bob Dylans Großtat "Changing Of The Guards" den im Original so markanten Antwort-Chor einfach wegzulassen und auch sonst das Stück seiner ursprünglichen Power zu berauben, nur, um der wunderbaren Nummer im neuen Akustikarrangement eine ganz neue Perspektive zu verpassen - das ist gleichsam mutig und gekonnt.

Überhaupt fällt auf, dass sich Smith - auf der Bühne weiterhin die Rock N Roll-Göttin, deren Shows kaum laut genug sein können - auf "Twelve" mehr als je zuvor Akustik-Arrangements zuwendet. Wenn Stromgitarren zum Einsatz kommen, dann auf betont unrockige Art und Weise. "Are You Experienced?" von Jimi Hendrix beispielsweise gibt's als kriechenden Blues, lediglich "Gimme Shelter" als waschechte Uptempo-Rocknummer, wenngleich etwas lockerer, weniger bedrohlich als bei den Rolling Stones. Alles andere wäre vermutlich auch zu seltsam gewesen. Während die meisten Songs aus der zweiten Hälfte der 60er-Jahre stammen, bleibt der bereits erwähnte Nirvana-Song nicht der einzige unerwartete Ausreißer. Stevie Wonders "Pastime Paradise" gibt's wunderbar dezent, "Everybody Who Wants To Change The World" von Tears For Fears wird gekonnt seiner zeitgeistigen 80s-Produktion beraubt. Nur Paul Simons "Boy In The Bubble" will der Sprung in Smiths Welt nicht so recht gelingen - der einzige Ausfall einer ansonsten sehr kurzweiligen Platte, die uns gespannt auf das warten lässt, was Miss Smith wohl als Nächstes aus dem Hut zaubern wird.



-Carsten Wohlfeld-




 
 
 

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