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Luluc - Sculptor

Platte der Woche

KW 28/2018


Luluc - Sculptor
Sub Pop/Cargo
Format: CD

Es scheint, als gingen die Australier Zoe Randell und Steve Hassett mit einer ganz anderen Agenda an ihre Arbeit als Songwriter heran als ihre Indie-Kollegen. Hassett, der für die musikalische Umsetzung verantwortlich zeichnet, ist etwa ein Meister der Reduktion, der zudem vollkommen ohne Ego agiert: Was einem Song hilft, das wird genutzt - egal ob Hassett dabei im Mittelpunkt steht oder nicht. So etwa lud er J. Mascis, Jim White (jenen von Dirty Three) oder Aaron Dessner ein, relevante Teile seiner Songs mit ihren Beiträgen zu bereichern. Ansonsten beschränkt er sich darauf, die Songs mit minimalen Mitteln (akustische oder sanft gestreichelte E-Gitarren und preiswerte Synthesizer-Klangflächen) im Slowcore-Folkpop-Setting ganz auf Zoe Randells bemerkenswerte Lyrics zuzuschneiden.

Zoe Randall - offensichtlich selbst eine einfühlsame und experimentierfreudige Poetin - zeigt sich inspiriert von der mystischen Qualität alt-japanischer Poesie, die sie etwa im Album Opener "Spring" mehr oder minder unverblümt implementiert, die aber auch zu wahrlich einzigartigen eigenen Songtexten mit einer gewissen Haiku-Ästhetik die Wortwahl betreffend führt, die man in dieser Qualität an anderen Stellen vergeblich sucht: Aus "They lived accordingly to some constantly changing creed of noisy controversy" - einer Zeile aus dem Roman "My Brother Jack" von Geogre Johnston über unberechtigt klagenden Kleinbürger - macht sie etwa einen hypnotischen Refrain. Sie fragt sich, ob Politiker, die sie im Flugzeug beobachtat, nicht vielleicht lieber Rockstars mit Party-Sprüchen und Folksongs wären, zu denen wir die Worte kennen oder sie macht sich über konsumorientierte Oberflächlichkeiten lustig mit Formulierungen wie "We spray our hair into submission. Upright to attention." Das alles trägt Zoe dann mit einer einlullend wohltuenden Stimme vor, deren Sog man sich als Zuhörer schwerlich entziehen kann. Die Botschaft des Albums soll - laut Hassett - sein, dass man sein Leben wie eine Skulptur selbst formen und kontrollieren kann. Freilich setzt dieses kreative Energien voraus, die ja nicht jedermann besitzt - und auch dieser Aspekt zeigt sich in den bemerkenswerten Stories, die Luluc hier servieren. Das ist alles ziemlich einzigartig und entzieht sich üblichen Kategorisierungsversuchen. "Sculptor" ist bislang jedenfalls die in vielerlei Hinsicht relevanteste und auch einzigartigste Veröffentlichung des Jahres.



-Ullrich Maurer-


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