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Bright Eyes - I'm Wide Awake, It's Morning / Digital Ash In A Digital Urn

Platte der Woche

KW 04/2005


Bright Eyes - I'm Wide Awake, It's Morning / Digital Ash In A Digital Urn
Saddle Creek/Indigo
Format: 2CD

Wie definiert man eigentlich ein musikalisches Meisterwerk? Nun, vermutlich hat da jeder eigene Ansichten. Aber wenn zahlreiche Kriterien zusammenkommen - Originalität, Kontinuität, Qualität, handwerkliches Können, Wagemut, Vielseitigkeit, Universalität, Zugänglichkeit, Verständlichkeit, Zeitlosigkeit - und sich eine Vielzahl verschiedener Leute darauf einigen können, dann liegt der Verdacht nahe, dass es sich um ein solches handelt. Wie in diesem Fall. Das heißt: Hier sind es sogar zwei. Conor Oberst alias Bright Eyes legt nach langer Bastelphase nämlich gleich zwei Alben vor, die unterschiedlicher kaum sein könnten, aber dennoch beide unverkennbar seine Handschrift tragen. (Ein weiteres Indiz für Genius!) Wenn man bedenkt, dass Oberst & Co. soundmäßig in der untersten Schrammelecke anfingen und er sich alleine durch Hartnäckigeit und Unbeugsamkeit nach oben ackerte, ist dieses Werk umso erstaunlicher geraten. Nicht nur, dass er hier z.B. seine Labelkollegen von Saddle Creek und Kumpel Nick Zinner von den Yeah Yeah Yeahs für sein neues Werk begeistern konnte - das ist ja noch nachzuvollziehen - aber dass Emmylou Harris auf gleich drei Tracks mitmacht und Norah Jones-Förderer Jesse Harris auf sechs Stücken Gitarre spielt, ist dann doch schon erstaunlich. Daran kann man aber auch erkennen, wie mühelos es Oberst gelingt, musikalische Welten zusammenzuführen. Kurz gesagt: "Wide Awake" ist eine eher akustisch orientierte Gitarren-Scheibe mit Country und Folk-Touch, "Digital Ash" funktioniert - Nomen est Omen - mit elektronischen Mitteln, die indes in einen fetten Band-Kontext eingebettet sind und obendrein mit Streicherarrangements abgerundet werden.

All das ist dennoch eher nebensächlich, denn auf beiden Scheiben präsentiert sich Oberst vor allem als ungemein gereifter, nahezu unfehlbarer Songwriter mit einem sicheren Gespür und einem eigenen Stil. In der verspielten Art die Songs zu arrangieren, erinnert er dabei musikalisch zuweilen an das, was Bob Geldorf Anfang der 80er mit den Boomtown Rats machte, indes hört da schon alleine wegen Obersts markanter, brüchig-melancholischer Stimme die Ähnlichkeit auf. Inhaltlich gelingt dem Meister einfach alles - vom simplen Love-Song bis zur allumfassenden philosophischen Betrachtung. Manchmal auch beides in einem. "I Believe In Symmetry" von "Digital Ash" ist ein gutes Beispiel für Conors Songwriter-Kunst: Hier gelingt es Oberst eine kleine Rockoper zu komponieren, eine Geschichte zu erzählen, eine Philosophie zu entwickeln und zu erklären, universelle Wahrheiten in blumige Bilder zu verpacken, Lebenshilfe für sich und andere zu leisten und dennoch im Rahmen eines guten Pop-Songs zu bleiben. Das muss ihm erst mal jemand nachmachen. Oberst ist ein gutes Beispiel dafür, wie man - auch gegen den Strich - erfolgreich sein kann, ohne sich selbst zu verleugnen, wenn man nur an sich selber glaubt und seine Ideale nicht verkauft. Und dass er es endgültig geschafft hat, kann man schon alleine daran erkennen, dass die Kids seine Frisur nachahmen...



-Ullrich Maurer-




 
 
 

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