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Rufus Wainwright - Want Two

Platte der Woche

KW 12/2005


Rufus Wainwright - Want Two
Geffen/Universal
Format: CD+DVD

Neulich bei der Physiotherapie: "Meine Kollegen mögen Rufus Wainwright nicht - jedesmal, wenn ich die CD einlege und die ersten Töne von 'Agnus Dei' ertönen, werde ich grob dazu aufgefordert, diese 'Psychomusik' sofort auszumachen." Tja, das Leben ist nicht leicht, wenn man offen zugibt, sich für die Musik von Wainwright begeistern zu können. Die Songs sind dazu prädestiniert, Hass oder Liebe heraufzubeschwören, einen Mittelweg gibt es nicht. Man findet Spuren von Pop, Rock, Oper, Barock, gepaart mit unglaublicher Leidenschaft, Exaltiertheit, Dekadenz, Eleganz, Sex, Glamour, Ironie. Keine leichte Kost. Aber dafür eine umso schönere.

Der Sohn von Loudon Wainwright III und Kate McGarrigle hat sich für "Want Two" mit Marius deVries (Björk, Massive Attack, Madonna, David Bowie, etc.) zusammengetan, um seine Geschichten optimal zu vertonen, auch Van Dyke Parks steuerte einige Arrangements bei. Dabei herausgekommen ist so etwas wie eine Weltreise, sowohl musikalisch als auch textlich. Direkt im ersten Song "Agnus Dei" wird der Hörer mit der lateinischen Sprache gefangengenommen, dazu ist das ungarische Instrument namens Cimbalom zu vernehmen, ein gewagter Anfang, der aber jetzt schon mit großer Schönheit aufwarten kann. Und es wird noch besser - es gibt sie in Massen, die Dramen, die Opulenz, die Nacktheit, das Wohlsein, die Trauer, die Wut, die Leidenschaft, die geschlechtliche Orientierung. Wainwright schmachtet in höchsten Tönen, überlässt den Gefühlen die Oberhand, lässt sie das Gesamtbild bestimmen. Manchmal droht die Geschichte in Richtung Kitsch abzudriften, aber Wainwright weiß, wann man aufhören sollte. Wenn es bekanntlich am schönsten ist. Und von diesen Momenten gibt es auf "Want Two" einige mitzuerleben.

Als Bonus bietet die "Deluxe Edition" die DVD "Rufus Wainwright Live At The Fillmore", ein ausgezeichneter Mitschnitt eines Konzertes von Rufus mit seiner Band in San Franciscos wohl berühmtesten Club. Mit langen Einstellungen, die manchmal geradezu Bootleg-Charakter haben (ohne deshalb negativ aufzufallen), wird die sanfte Atmosphäre auf der spärlich beleuchteten Bühne ausgezeichnet eingefangen und es gibt nicht nur einen Querschnitt durch alle Alben zu hören, sondern auch noch zwei Raritäten, das nur als B-Seite erhältliche "L'absense" und das feine Leonard Cohen-Cover "Hallelujah". Kontrastiert wird die Melancholie des Auftritts mit Szenen von Rufus in den Straßen von San Francisco, in denen er sich geradezu unerwartet fröhlich gibt.



-David Bluhm-




 
 
 

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