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Tonträger-Review
 
Pierre Henry - Variation

Pierre Henry - Variation
Universal
Format: CD

Der heute 73-jährige Franzose Pierre Henry gehörte bereits in den frühen 50er Jahren in Paris inmitten einer experimentierfreudigen Gruppe junger Tontechniker zu den Erfindern und Entwicklern der heute nicht mehr wegzudenkenden Sample-Technik. Nach einem musikalischen Studium werkelte der an Schlagzeug und Flügel ausgebildete Henry an tönenden Bildern und Collagen. Zunächst ausschliesslich durch richtige Instrumente erzeugt, kamen mit der Zeit immer mehr elektronische Effekte hinzu, bis zum schlussendlich komplett aus der Konserve erzeugten Werk. Letztlich setzten sich bei ihm jedoch die konkreten Klänge durch, wenn auch mit wachsender Begeisterung künstlich bis zur Unkenntlichkeit verfremdet. Als eines seiner Meisterwerke gilt noch heute das 1963 erschienene 'Variation Pour Un Porte', zusammengebastelt aus einer knarrenden Tür, einem Seufzer sowie dem Schlag auf eine singende Säge.
1967 dann ein wahrer Überraschungserfolg in seinem Heimatland: Zusammen mit dem erfolgreichen Jazzdrummer Michel Colombier erarbeitete er die Musik zu einem avantgardistischen Ballett. Mit dem technischen Fortschritt kamen neue Herausforderungen und bald genügte nicht mehr das reine Audiovergnügen. Lasershows und andere visuelle Neuerungen gaben Henry's Kreativität weiteren fruchtbaren Nährboden.
Erneuten, wenn auch späten Ruhm im Kreise derer, die Samples täglich konsumieren, erntete er vor drei Jahren, als sich der britische DJ Fat Boy Slim seiner annahm und aus dem ursprünglich nur zweieinhalbminütigen 'Psyche Rock' einen über doppelt so langen Tanzflächenfüllenden Remix erschuf. Das wirre und doch organische Zusammenspiel von Big Beats und Glocken mit einer prägnanten Melodie blieb nicht ohne Folgen. Weitere Produzenten und kreative DJs nahmen sich des Werkes an und interpretierten es auf ihre Weise. Nachdem bereits eine Maxi-CD mit Remixen von eben Slim sowie William Orbit erschien, auf der auch das Original vorhanden war, folgt nun eine Veröffentlichung mit Bearbeitungen weiterer Werke. So durften die Hamburger Adolf Noise aka DJ Koze sowie Stachi aka Hofuku Sochi (Köpfe der pausierenden Formation 'Fischmob' ) sich mehr oder weniger erfolgreich versuchen (letzterer in 'Apocalypse de Jean' - ersterer ohne Titel). Die hörenswertesten Ergebnisse aber waren allemal bereits auf oben genannter Maxi vertreten. Gerechtfertigt wird diese verkappte Neuauflage nur in einem Fall: Dem schier genialen Remix 'Jericho Jerk' der vollkommen zu Unrecht bisher weitgehend ignorierten französischen JazzHouseler 'St. Germain', die auch auf dem diesjährigen 'Bizarre'-Festival im August einen mitreissenden Auftritt hinlegten. So bleibt am Ende der Eindruck einer künstlich und zu gewollt aufgeblähten Ausgabe, die der eigentlichen Idee des Künstlers nicht immer gerecht wird. Nicht nur das Fehlen des Originals belegt daher, dass auch hier ein weiteres Mal weniger mehr gewesen wäre.


-Michael Kellenbenz-



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Pierre Henry


 
 
 

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