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Jimi Hendrix - Live At The Isle Of Wight - Blue Wild Angel

Jimi Hendrix - Live At The Isle Of Wight - Blue Wild Angel
Experience Hendrix/Sony Music
Format: DVD

Das haben sich manche Hendrix-Fans vermutlich manchmal erträumt: Einen Live-Auftritt des "größten E-Gitarristen aller Zeiten" (Rolling Stone) wie ein Formel 1-Rennen im Pay-TV betrachten zu können - also von unterschiedlichen Kameraperspektiven aus. Möglich macht's jetzt dieses stark überarbeitete Reissue eines ohnehin schon legendären Musikfilms vom mehrfach ausgezeichneten Experimental- und Dokumentarfilmer Murray Lerner, der für "Western Culture" einen Oskar erhielt. Der war 1970 dabei, als The Jimi Hendrix Experience (m. Billy Cox u. Mitch Mitchell) beim Isle Of Wight Festival vor 600.000 Zuschauern eine seiner gelungensten Live-Performances ablieferte.

Da Lerner mit bis zu sieben Kameras (einschließlich einer auf einem Kran) drehte, gestattet die "Feature"-Sektion der jetzt veröffentlichten DVD-Version dem Zuschauer, den Insel-Gig aus neuen Perspektiven zu erleben: Bei Songs wie "All Along The Watchtower", "Spanish Castle Magic", "Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band" oder "Foxey Lady" können unterschiedliche Kameraeinstellungen gewählt werden, um beispielsweise Hendrix' virtuoses Solieren aus der Nähe zu beobachten. Sie gestatten allerdings auch vertiefte Einblicke in Jimis Versuche, mit den wieder mal allgegenwärtigen Technikproblemen umzugehen, etwa durch Kommunikation mit den Roadies. Was kollabierende Amps und zickige PA an der einen Stelle zu wenig verstärkten, brachten sie an anderer Stelle zu viel zu Gehör, beispielsweise den Security-Funk während der über 20-minütigen, ansonsten herrlichen Fassung von "Machine Gun".

Überdies enthält die DVD erst kürzlich entdecktes Bild- und Tonmaterial der Live-Fassung von "Hey Joe" und mit "Dolly Dagger" eher seltenes Live-Repertoire. Der Klang (Stereo und 5.1. Surround wählbar) ist so gut, wie man das mit den historischen Aufnahmen wohl hinbekommen kann. Den Mix verantwortete der frühere Hendrix- und Led Zeppelin- Toningenieur Eddie Kramer.

Zum Thema Blue Wild Angel (Jimi @ Isle Of Wight) gibt es übrigens auch ein 230-seitiges Buch von Andy Aledort. Uns musste das löblicherweise enthaltene zwölfseitige DVD-Booklet mit einem kenntnisreichen Essay von John McDermott reichen. Hieraus wie aus dem Film erfahren wir u.a., dass die 70er Ausgabe des Festivals auf der eher konservativen britischen Urlaubs-Kanalinsel aus allen Nähten zu platzen drohte. Im Vorjahr waren nur 150.000 Menschen gekommen, um beispielsweise Bob Dylan zu erleben. Die diesjährigen Stars waren neben der Experience auch Leonard Cohen, Miles Davis, The Doors, Emerson Lake & Palmer, Free, Jethro Tull, The Moody Blues oder The Who. Bei dem fünftägigen Festival sollten die ersten beiden Tage kostenlos sein und die Restwoche mit den Big Names kostenpflichtig. Es gab allerdings massiven Druck, das ganze Isle Of Wight zum Free Festival zu machen, bis hin zum Gate Crashing. Und es gab reichlich organisatorisches und technisches Chaos. Doch auch dies macht die 182 Minuten von "Blue Wild Angel" zu einem faszinierenden, sehenswerten Zeitdokument.



-Klaus Reckert-


Jimi Hendrix, live @ The Isle Of Wight


 
 
 

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