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Willis Earl Beal - Acousmatic Sorcery

Willis Earl Beal - Acousmatic Sorcery
XL Recordings/Beggars Group/Indigo
Format: CD

Allein das Cover von Willis Earl Beals Debütalbum sticht aus der Menge von Veröffentlichungen heraus: "Acousmatic Sorcery" kommt (zumindest in der Limited Edition) im DVD-Format, die mit Kohle gezeichneten Artworks stammen von Beal selbst. Der Titel des Covers ist eigentlich ein Brief an den Käufer und Hörer des Albums, in dem Beal sich selbst vorstellt und kurz anreißt, warum er der beste Beweis dafür ist, dass "any body can do any thing the want".

Und Beals Geschichte geht so: Aufgewachsen in Chicago geht er mit etwa 20 zur Armee, nur um kurz darauf wegen gesundheitlicher Probleme entlassen zu werden. Zurück in Chicago verbringt er fünf Monate im Krankenhaus und schlägt sich anschließend als Obdachloser und mit Niedriglohn-Jobs durch. In dieser Zeit beginnt Beal, Musik zu schreiben und auf CD-R an öffentlichen Plätzen zu hinterlassen. Dazu verteilt er Flyer mit seinen Kohlezeichnungen und seiner Telefonnummer, um eine Lebensgefährtin zu finden. Wer anruft, erhält am Telefon ein persönliches Ständchen gesungen.

Trotz seiner gesundheitlichen und finanziellen Schwierigkeiten gibt Beal nicht auf - und schafft es mit seiner analogen Methode in diesen verrückten Internetzeiten tatsächlich: Er findet eine Freundin und wird Anfang 2012 von XL Recordings entdeckt. Eine unglaubliche Story, die wie gemacht ist für einen Film. Nun, die Freundin hat ihn wieder verlassen, aber dafür liegt "Acousmatic Sorcery" vor, das nicht zuletzt von dieser Trennung handelt, wie auf der Rückseite des Covers ebenfalls in Beals tragikomischen Worten nachzulesen ist.

Und dass Beal viel gelitten hat, hört man in seinen Songs. In ihrer Rohheit sind diese nicht ganz unähnlich zu tUnE-yArDs 2009er Debütalbum "Bird-Brains", Beal bedient sich jedoch viel mehr sämtlicher Traditionen der Black Music: Soul, Gospel, Rap, Blues, natürlich alles mit einfachsten Mitteln zuhause bei Beals Großmutter aufgenommen. Da scheppert scheinbar ein Kochtopf als Schlagzeug, eine verstimmtere Gitarre hat man selten auf Platte gehört. Das ist teilweise schwer zugänglich bis anstrengend, teilweise aber auch umwerfend in seiner Schlichtheit, Traurigkeit und Leidenschaft. Am bemerkenswertesten ist jedoch Beals faszinierende Stimme, mit der er einerseits - wie im Stück "Swing On Low" rappt - andererseits Moritaten wie "Take Me Away" jault, fleht und klagt. Kaum vorstellbar, wozu dieser Mann in einem richtigen Tonstudio in der Lage wäre. Wir werden es hoffentlich bald erleben.



-Felix Maliers-


Video zu "Monotony"


 
 
 

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