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Christian Vogel - Rescate 137

Christian Vogel - Rescate 137
Mute
Format: CD

Ein schwerer Brocken dieses vor vertrackten elektronischen Spielereien strotzende Album des in England aufgewachsenen und lebenden, jedoch gebürtigen Chilenen Christian Vogel. Die hedonistische und subversive Athmosphäre des britischen Seebades Brighton liess Vogel nach nur wenigen Monaten Studium zu einem der führenden Techno-Pioniere am Ort werden. Begleitende Attribute seines erfolgreichen Vinyldebuts auf der Insel 1993 waren 'Industrial' und 'Wahnsinn'- der Sprung in das technoeuphorisierte Deutschland liess nicht allzu lange auf sich warten. Rückblickend bezeichnet er diesen Schritt sogar als den wichtigsten Durchbruch seiner bisherigen Karriere.
Ein eigenes Label (Mosquito Records) folgte, sowie weitere experimentelle Veröffentlichungen auf dem auch hierzulande bekannten 'Mille Plateaux'. Vogel wurde die Ehre zuteil, der erste ausländische Künstler zu sein, der auf dem legendären 'Tresor'-Label (Berlin) veröffentlichen konnte, dem Ort, wo Techno und House-Puristen ihre Heimat hatten. Ständige Orts- und Studiowechsel unterstützten seine Kreativität, die 1995 zu einem weiteren Höhepunkt führte: Der ersten von zwei Sessions mit dem legendären Londoner Radio-DJ John Peel. Immer akribischer ausgefeilt wurde die Infrastruktur in Vogels direktem Umfeld und somit immer besser auf seine Bedürfnisse zugeschnitten. Erfolge feierte er jetzt auch im entfernteren Ausland mit Auftritten in den US of A, Südafrika und Japan.
Gleichzeitig bewahrheitete sich erneut die These, dass der Prophet im eigenen Lande nicht immer das Sagen hat. England wurde von Big Beat sowie Drum'n'Bass erfasst und dennoch gelangen mit der Zeit wieder Shows wie 1997 auf der Brighton Dance Parade (ähnlich der Berliner Love Parade, die Vogel im Jahr zuvor erfolgreich mitbeschallte), wo 20.000 Menschen bis in die Morgenstunden feierten. Weitere Projekte ('Super Collider' mit Soulstimme Jamie Lidell) und Studiowechsel folgten. Australien, Japan sowie Neuseeland wurden erkundet, um weitere Impressionen und Inspirationen durch Stadt, Natur und Menschen zu erfahren.
Seit langem einzige Konstante in Vogels Leben ist das Seebad Brighton, auch Geburtsort seines jüngsten Werkes 'Rescate 137'! Ein Album mit einer knappen Stunde Spielzeit, dass selbst dem elektronisch zugeneigten und erfahrenen Musikfreund einiges an Konzentration und Nerven abverlangt. Klare Strukturen, von Melodien gar nicht zu reden, sucht man vergebens. Selbst Titel wie 'La Isla Piscola' oder 'Wind From Nowhere', die auf entspannten Chillout-Sound deuten könnten, sind reine Kopfgeburten und haben mit Bauch zunächst nicht viel zu tun. Es braucht seine Zeit, bis dieses Album beim Hörer ankommt und es gibt sicher nur wenige Orte und Momente, in denen es sich voll entfalten kann. Zu collagenartig sind die Titel angelegt, zu sperrig ist der Sound. Mit mehrmaligem Hören freut man sich über jeden noch so kleinen Part, der Ansätze von Groove in sich birgt. Der einzige Titel jedoch, der einen durchgängig tanzbaren Beat mitbringt, ist 'Esquina Del Sol'- 'Me And My Shadow' klingt wie erwartet düster und es fliegen die dubiosesten Samples um die Ohren, während man in 'Crater 8' förmlich die spitzen Felsformationen um sich herum wahrnimmt.
Eine Scheibe sicher nur für den geübten und in Sachen elektronische Musik fortgeschrittenen Hörer. Neulinge halten sich besser zunächst noch an Künstler, die einen ebenfalls vertrackten Klang an den Tag bringen, ihre Werke aber noch mit etwas mehr Melodie und Rhythmus ausstatten. Empfehlen darf man ohne weiteres SampleManiacs wie DJ Krush, DJ Krust oder DJ Shadow, um nur eine kleine und zufällige Auswahl zu nennen.


-Michael Kellenbenz-




 
 
 

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