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Bobby Gaylor - Fuzzatonic Scream

Bobby Gaylor - Fuzzatonic Scream
Eastwest
Format: CD

Eines vorweg: Dieses Album dreht sich um Worte und weniger um Musik im herkömmlichen Sinne. Der Kalifornier Bobby Gaylor nämlich entstammt der Standup-Comedy und Storytellingszene Amerikas und legt hiermit sein CD-Debut vor. Beim ersten Hören drängen sich aber auch Namen auf wie Lou Reed, der sparsamen Instrumentierung wegen, Tom Waits und vor allem aber auch Henry Rollins, dessen SpokenWord-Events mittlerweile legendär geworden sind. Funktionieren würde die Scheibe letztlich auch ohne die Musik, dennoch wirkt sie meist nicht störend, sondern eher stimmungsunterstützend. Oft zieht sich ein Thema in einer Endlosschleife nur wenig variiert hinter dem Erzähler entlang. Wenn Gaylor spricht, dann wirkt es manchmal ähnlich sympathisch wie eine zufällige Kneipenbekanntschaft, deren Redeschwall zwar nicht zu stoppen aber stets interessant ist. Daraus ergibt sich dann auch teilweise eine Titellänge von bis zu 9 Minuten.
Der Einstieg ist 'Suicide' - in USA gerade die aktuelle Auskopplung, welche in so mancher Radiostation bereits für heissgelaufene Telefonleitungen und verschiedenste Hörerreaktionen sorgte. Darin wird in wunderbar schwarzhumorigen Farben beschrieben, wie das Umfeld eines Selbstmörders von ebendessen Tat profitiert ('an apartment will become available...a job will open...there will be more air for me') ebenso aber auch geschildert, was ihm selbst in der Zukunft entgeht ('Pudding crust...the amazing feeling when you kiss someone for the first time...sex with multiple partners').
Eltern, denen es durch einen spontanen Kurzurlaub gelingt, die aufkeimende erste Liebe ihres Sohnes zu zerstören ('One Moment'), ein alptraumhafter Psychotrip und eine Schlinge aus Kettenreaktionen, die sich langsam immer enger um den Hals zieht ('Hit A Guy With My Car') unterlegt von soulschwangeren Tönen, wie man sie aus alten US-Krimis kennt...kein Thema scheint vor ihm sicher. Überhaupt ziehen sich Jugenderinnerungen wie ein roter Faden durch die Stücke. In 'Smelt' erfahren wir, wie aus Erzählungen eines alten Dorfkauzes im zarten Alter von neun Jahren der erste Kontakt mit Alkohol entsteht - in Form von in Bier zubereiteten Hot Dogs. 'Tommy The Frogkiller' bedarf wohl keiner weiteren Erklärung, ebenso 'Masturbation' ('...we all do it - why doesn't anybody talk about it'). 'Out Of The Window' spielt mit der jugendlichen Konfrontation mit Angst und Monotonie und erinnert etwas an einschlägig bekannte Steven King-Themen. Der gelungene Abschluss besteht aus der fast zehnminütigen Ballade 'Business End Of A Gun', einer ausufernden Erzählung Gaylors in der er selbst Opfer eines bewaffneten Raubüberfalls wird.
All diese Geschichten aus dem bittersüssen und wahren Leben sind mit soviel Humor und Charme erzählt, dass es nie langweilig wird zuzuhören - zumindest jedenfalls zunächst. Das ist nämlich der Haken an der Sache, dass SpokenWord-Aufnahmen doch auch sehr schnell langweilig werden, wenn man sie erst einige Male gehört hat. Nichtsdestotrotz das gelungene Albumdebut eines Mannes, der als Kind gerne von Cowgirls auf Grossmutters Veranda gefesselt worden wäre und der 'Wodka with anything' als Lieblingsgetränk nennt. Kein Zweifel daran, dass die Betonung hier auf 'anything' liegt...


-Michael Kellenbenz-



Surfempfehlung:
www.bobbygaylor.com

Bobby Gaylor


 
 
 

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