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Blackberries - Disturbia

Blackberries - Disturbia
Unique/Groove Attack
Format: LP

Klanglich bleiben die Blackberries auch auf ihrem dritten Album tief in der Vergangenheit verwurzelt. Doch während man bei den feinen Vorgängerwerken bisweilen das Gefühl hatte, dass es ihnen reicht, den Sound ihrer Idole brillant zu emulieren, wagt das Quartett aus Solingen nach viel positivem Feedback und Auftritten in aller Welt jetzt selbstbewusst den Schritt in die Selbstständigkeit. Die Britpop-Elemente des Debüts "Music For The Night" aus dem Jahre 2012 und die mehr in Richtung Psychedelik und Krautrock deutende Klangkulisse des 2016er-Nachfolgers "Greenwich Mean Time" verschwinden auf der neuen Platte natürlich nicht vollends, werden nun aber Teil eines größeren Ganzen mit spürbar eigenerer Note. Perlende Gitarren, hypnotische Bässe, flächige Orgelsounds und perkussives Schlagwerk sorgen für viel Abwechslung - und doch klingt das Album wie aus einem Guss.

Auf "Disturbia" präsentieren sich die Blackberries weniger denn je als Rockband, sondern setzen auf einen versponnenen, ja, bisweilen fast schon geheimnisvoll anmutenden Sound, der mehr und mehr von lässigem Jam-Feeling und Mut zum Experimentieren lebt, ohne dass die vier darüber den Song an sich aus den Augen verlieren. So gibt es, anders als bei den letzten Veröffentlichungen, auf "Disturbia" keine ausufernd langen Nummern. Das Titelstück kratzt zwar gleich zu Beginn an der Sechs-Minuten-Marke, oft reicht den Blackberries aber selbst bei psychedelisch-tiefenentspannt dahingetupften Liedern wie "Shine A Light" oder "High Noon" die klassische Popsong-Länge. Doch auch die Uptempo-Stücke wie "Fonograf" (der fraglos größte Ohrwurm der Platte) oder das mit einem groovigen Riff beginnende "Snow White Tiger" haben kein Gramm Fett zu viel. Lediglich am Ende von "Sphinx Part 2" verliert sich die Band für einen Moment in der eigenen Musik.

Auch textlich positionieren sich die Blackberries auf "Disturbia" deutlicher und lassen ihre hell leuchtenden Melodien des Öfteren hinter den dunklen Wolken der politischen Realität der Gegenwart verschwinden. Bei "Another Day Of Violence" setzen sie deshalb der geradezu einlullenden Musik niederschmetternde Zeilen wie "I went to bed, ten people dead - one hundred when I woke" entgegen oder werben im Schlusssong "Beyond The Mountains" für mehr Gemeinschaftssinn, wenn es heißt: "We all come from different places, but each of us can see the sun. The different looks upon our faces should not divide us from being one." All das macht "Disturbia" zum Werk einer Band, die sich und ihren Weg gefunden hat.



-Carsten Wohlfeld-




 
 
 

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