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Tonträger-Review
 
David Bowie - Ziggy Stardust And The Spiders From Mars - The Motion Picture Soundtrack

David Bowie - Ziggy Stardust And The Spiders From Mars - The Motion Picture Soundtrack
EMI
Format: 2CD/DVD

Das hier zugrundeliegende Konzert hat am 03. Juli '73 im altehrwürdigen Hammersmith Odeon stattgefunden, '82 hat D.A. Pennebaker den mitgedrehten Gig zu einem Kinofilm geschnitten, im Jahre des Herrn 2003 hat das Opus folglich dreißigjährigen Geburtstag: Herzlichen Glückwunsch, Ziggy! Nach zugegeben hier besonders anfechtbarer, aber immerhin in langen Jahren erprobter Ansicht des Rezensenten handelt es sich hier um die mit Abstand attraktivste Phase des "Thin White Duke" - was seine Kompositionen und vor allem was seine Band, nicht ganz allerdings was seine modischen Kleidungsvorlieben angeht...Doch dazu später.

Nachdem zwei Bowie-Griffe nach dem Ruhm seit '67 eher unrühmlich ausgegangen waren, fand sich David Robert Jones (wie's in der Geburtsurkunde steht) in den frühen '70ern u.a. in der glücklichen Lage, einige der besten Musiker der damaligen (nicht nur) britischen Szene um sich geschart zu haben: Rick Wakeman, Keyboards (mit Sessionarbeit auf "Hunky Dory"), Extremgitarrist Mick Ronson (vgl. u.a. Ian Hunter Band), Woody Woodmansey an schlagenden Argumenten und schließlich Tony Visconti (auf "The Man Who Sold The World") oder Trevor Bolder am Bass. Bis auf Wakeman und Visconti (welchletzerer aber für den 5.1 Surround Sound Musikmix der DVD zuständig war) waren diese Ausnahmemusiker auch die "Spiders From Mars", Bowies Liveband bei der enorm erfolgreichen Tournee zum Album Ziggy Stardust And...

Beim Hammersmith Set sind tatsächlich von diesem hervorragenden Album nur fünf Nummern vertreten, der Rest der rund anderthalb Stunden Marsreise setzt sich aus Perlen wie "Width Of A Circle" (von "The Man Who Sold...") oder Raritäten wie dem Lou Reed-Cover "White Light/White Heat" zusammen. Die Band war - wie man so schön sagt - an jenem Abend in allerprächtigster Spiellaune, speziell Mick Ronson (an dem, wenn man ihn als knallharten Rocker kennt, nur Schminke und Glitzerkostüm kurz irritieren) rockt etwa bei seinem Solospot während "The Width..." das werte Haus fast in Grund und Boden. Weitere Höhepunkte des damaligen Schaffens von Bowies Spinnen: "All The Young Dudes" (das Mott The Hoople allerdings - von Bowie produziert - erdiger rüberbrachten), "Moonage Daydream" und natürlich - welch schönes Wiederhören nach jahrelangem von "Major Tom" vergrault sein: "Space Oddity".

Besonderheit des historischen Auftritts - dem theatralischen Bowie, der sich stets als "singing actor" bezeichnet hat und dem es u.a. auch bereits beliebte, sich mit Hitlergruß stehend im offenen Auto fahrend zu inszenieren, hatte es just bei diesem Konzert beliebt, seine Fans in einen Rausch aus Begeisterung (wir sind auserwählt) und Verzweiflung (die Welt wird sinnlos zu stürzen): Simpel durch die Behauptung, dies sei der letzte Auftritt. Dieser kleine Kunstgriff hinderte ihn nicht daran, in '73 noch zwei und im Folgejahr ein weiteres Album zu veröffentlichen und - wenn auch in teilweise anderer Besetzung - weiterhin live zu präsentieren (dokumentiert etwa durch "David Live" von '74), aber die in jenem Juli im Odeon schwitzenden Fans wird trotzdem ein Grauen angefasst haben, als sie die Doppeldeutigkeit vernahmen: "Not only is it the last show of the tour, but it is the last show that we'll ever do..."

Die DVD kommt liebevollst ausgestattet mit einem Poster, dessen BEIDE Seiten gläubige Bowie-Jünger sich aufzuhängen versucht sein könnten. Geboten werden das Bildformat 4:3 sowie PCM Stereo- sowie Dolby Digital Surround 5.1-Soundwelten, und dieser - siehe oben - vom Produzentenmeister Visconti selbst nachgeregelte Sound kann sich wirklich hören lassen. Ansonsten ist die DVD naturgemäß nackt oder jedenfalls pur: Außer dem abgefilmten Konzert ist hier nichts gebacken. Doch lohnt es sich wirklich, dem in wechselnde, aber stets absurdeste androgyne Putzfrauentraumkostüme gewandeten Bowie vor dieser phantastisch aufeinander eingespielten Band agieren zu sehen. Auch die im letzten Stück vor der Konzertpause ("My Death") angedeuteten und zwischen "White Light" und "Rock'n Roll Suicide" - wie passend - vollstreckten Bühnenentsagungsbotschaft kommt optisch dargeboten natürlich noch dramatischer.



-Klaus Reckert-



 
 
 

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