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Wilco - A Ghost Is Born

Platte der Woche

KW 27/2004


Wilco - A Ghost Is Born
Nonesuch Records/WEA
Format: CD

Das ist jetzt endlich das Meisterwerk geworden, für das viele "Yankee Hotel Foxtrot" bereits hielten! Im Gegensatz zu dem doch eher erratischen Vorgänger enthält "Ghost" aber - egal, was sonstwo zu lesen steht - ausschließlich richtige, vollständige Songs, die von Meister Tweedy eben NICHT bewusst zerstückelt, verstümmelt und zerstört werden. Die einzige Ausnahme, die wirklich aus dem Rahmen fällt, ist "Less Than You Think". Dies ist aber im Prinzip zunächst ein leicht melancholischer, akustischer Folksong, der dann ansatzlos (und ohne wirklich erkennbaren Grund) in eine 12-minütige Reise ins Nichts übergeht. Hier ist ganz eindeutig der Produzent Jim O'Rourke mit den Jungs durchgegangen, denn diese Ansammlung von Sounds ist nicht mehr als künstlerisch wertvoll modifiziertes weißes Rauschen (das seltsamerweise gar nicht so sehr nervt, wie es vermuten lässt). Der andere Extrem-Song dieser Scheibe ist da schon von ganz anderem Kaliber. Das 10-minütige "Spiders" ist nicht's weiter als Tweedys Version des 70er Jahre Krautrocks - allerdings ergänzt um einen mächtigen Rock-Refrain, der das Stück, das ansonsten eher monoton, aber hypnotisch dahingroovt, auf faszinierende Weise zusammenhält. Ansonsten enthält die CD endlich das, was Tweedy schon seit "Summer Teeth" wollte: Eigenständige, typische Wilco-Songs, die aber eben nicht einfach in die Amerikana-Ecke gestellt werden können. Vielmehr erinnert dieses Werk vom Sound und der Stimmung des Öfteren ausgerechnet an die Beatles (die Scheibe wurde in den Abbey Road Studios zumindest gemastered). Vielleicht liegt es daran, dass es hier erstmals mehr Piano als Gitarren gibt, vielleicht an Tweedys ausgezeichneten, surrealen, im richtigen Moment aber auch zu Herzen gehenden Lyrics oder vielleicht ist diese Scheibe tatsächlich so etwas wie Tweedys Emulation der Fab Four. Jedenfalls ist "Ghost" in seiner erkennbaren Konzentration auf den Song als solchen (und eben nicht die abstrakte Idee) der richtige Schritt nach vorne und bestätigt im Nachhinein all jene, die auch dann zu Wilco hielten, als sie vom großen Meister eigentlich eher brüskiert wurden. Vielleicht war "Foxtrot" ja auch schlicht notwendig, um zu diesem großartigen Ergebnis kommen zu können. Mit "Ghost" werden Wilco jedenfalls endgültig zu jener eigenen musikalischen Nahrungsmittelgruppe, die Tweedy schon lange anstrebte. Und als Bonus gibt's in der Enhanced-Section noch einen mit schwarzweißen Standbildern unterlegten Live-Auftritt (mit Gast Gitarrist Pat Sansone) zu genießen.


-Ullrich Maurer-




 
 
 

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